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Sport of Hope – Gutes Resultat nach Training

Letzten Freitag ist mir das gelungen, was eigentlich Ziel des Trainings sein sollte. Nach dem Training lief ich sicherer als vor dem Training.

Am Freitag ging nach Zürich ins Training. Eigentlich ein ganz normales Koordinationstraining. Wieder mal den üblichen Versuch, die neuen Muskel anzusteuern ohne das Bewegungsmuster ganz aus der Bahn zu werfen.

Schon beim Hinweg war es nicht schlecht, nicht perfekt aber wesentlich besser als sonst. Im Training versuchte ich dann erst mal, den rechten Kniebeuger rein mit Forced Use anzusprechen. Das klappte nicht. Dann Machte ich Kraftkoordination. Das ist eine Mischung aus Kraft- und Koordinationsübungen. Mir scheint, dass unter Belastung das Neurofeedback oft grösser ist. Deswegen kombiniere ich Koordinationsübungen gerne mal mit Kraftübungen.

Und siehe da, die Ansteuerung funktionierte. Die Koordination war sogar so gut, dass sie für das gewöhnliche Laufen reichte, Toll dieses Gefühl. Der Rückweg ging dann wesentlich besser als sonst. Wenn es so weiter geht, kann ich ja vielleicht bald mit joggen über kurze Distanz anfangen,

Ja, das wollte ich Euch nur schnell mitteilen. Ich bin gerade am Umbau meines Computer Setups und muss jetzt die Ganze Infrastruktur wieder verkabeln. Darüber kommt dann morgen ein Blog.

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Sport of Hope – Langsam geht’s bergauf

Was macht eigentlich mein Training, werden sich einige fragen. Kurz gesagt, es geht langsam Bergauf. Das Laufen im Alltag geht besser, und hingefallen bin ich jetzt länger nicht mehr. Doch manchmal drückt die Fehlkoordination noch durch. Mein Individualtrainer hatte schon recht damit, dass es da eine grosse psychologische Komponente gibt. Insbesondere im Winter als es eisig war, fehlte mir schlicht das Vertrauen in meinen Körper. Das bin ich jetzt wieder am Aufbauen.

Doch nur weil es im Alltag besser läuft, heisst es noch nicht, dass ich meinem Ziel näher komme. Falle ich nicht einfach wieder in die alte Gangart zurück?. Ich denke nicht. Denn es fühlt sich immer noch sehr ungewohnt an. Die Lösungsimpulse des Rechten Kniebeugers der spastisch ist, werden schneller. Immer wieder fühle ich auch Einsatzversuche dieses Muskels. Meistens ist allerdings der Anspannungsimpuls zu langsam um eine sinnvolle Wirkung zu erzielen. Die ganze Sache ist für mich also noch nicht Nutzbringend, aber die Bemühungen sind da.

Gesprintet bin ich noch gar nicht. Ich denke, dieser Bewegungsablauf ist noch zu anspruchsvoll. Aber vielleicht täusche ich mich auch. Auch hier spielt wieder die psychologische Komponente mit. Frei nach dem Motto „Wenn es doch schon mit langsamen Bewegungen nicht klappt, wie soll es dann mit schnellen klappen?“ Irgendwie ist da der Sturz bereits vorprogrammiert. Stürzen ist ja nicht schlimm, ich kann mich auffangen. Aber wenn es mehrfach passiert, nervt es dann eben schon. Denn ein paar Spuren hinterlassen dann mehrere Stürze im Sprint auch bei mir 😉

Es ist das erste mal, dass ich nicht mehr 100% meinen Bewegungsabläufen traue. Über zwanzig Jahre konnte ich mich 100 Prozent auf meinen Körper verlassen. Das Lustige an der Sache. mich stört das Misstrauen nicht, denn ich fühle Veränderungen, auch wenn die offenbar noch nicht sichtbar sind. Es geht aktuell wieder bergauf. Die Saison hat noch nicht mal begonnen, und diese Saison wird lang, Denn die wichtigen Wettkämpfe sind alle relativ spät. So bleibt auch mir viel Zeit um erst mal wieder sprintfähig zu werden, mich dann an die Bestzeit der letzten Saison heranzutasten, und dann die PB in Angriff zu nehmen.

Sport of Hope – Die inspiration von Terry Fox

Ja, man kann mir vorwerfen, dass mein „Sport of Hope“ eine billige Kopie von Terry Fox’s „Marathon of Hope“ ist. Und ja, „Sport of Hope“ ist zweifelsohne inspiriert vom „Marathon of Hope.“ Aber wer ist Terry Fox überhaupt? werden jetzt viele fragen.

Terry wuchs im kanadischen Brithish Columbia auf. Er war ein begeisterter Sportler und galt als Nachwuchstalent. Kurz vor dem 18. Geburtstag bekam er die Diagnose Knochenkrebs. Um überhaupt eine Chance auf Heilung zu haben, musste er sein rechtes Knie amputieren lassen. Ein Horrorszenario für ein angehenden Sportler Ende der 70er Jahre.

Doch noch mehr Horror war die anschliessende Chemotherapie. Er war noch in der Kinderabteilung stationiert, und musste mit ansehen, wie andere Kinder wegstarben. Ihm wurde bewusst wie hoffnungslos der Kampf gegen die Krankheit oft ist und mit welcher Härte der Krebs seine Opfer forderte. Als er die Therapie abgeschlossen hatte, konnte er die Zeit nicht einfach vergessen. Er wollte etwas gegen das Leid unternehmen.

Er vernahm, dass die Kanadische Krebsforschung dringend Geld benötigte. Nach einigen Überlegungen kam er auf die verrückte Idee, quer durch Kanada zu laufen, um 1 Mio Kanadische Dollar für die Krebsforschung zu sammeln.

Nach langer Vorbereitung und harten Trainings startete er am 12. April 1980 in Neufundland sein „Marathon of Hope“ mit dem Ziel nach Hause zu laufen. Sein Freund Doug folge ihm in einem Begleitfahrzeug. Er machte JEDEN EINZELNEN TAG EINEN MARATHON, und das mit einer Prothese und der Prothesentechnik von damals.

Am Anfang nahm er nicht viel ein, doch stieg die Aufmerksamkeit stark an. In Toronto wurde er bereits als Held empfangen. Doch leider kam auch der Krebs zurück, und schlussendlich musste er den Lauf nach über 5000km bei Thunder Bay (Ontario) abbrechen. Diesmal konnte ihn auch die erneut angesetzte Chemotherapie nicht mehr helfen. Am 28. Juni 1981 stirbt Terry im Alter von 22 Jahren im Kreise seiner Familie.

Doch Terrys Traum lebt weiter, bis heute. Jährlich werden seither „Terry Fox Runs“ mit dem Ziel, Geld zu sammeln für die Krebsforschung, ausgeführt. Die Terry Fox Foundation hat bis heute über 600 Mio Kanadische Dollars für die Krebsforschung gesammelt. Viele Medikamente würde es ohne sein engagement nicht geben.

Als ich die Geschichte vernahm, war ich sehr berührt und Motiviert. Sie zeigt, dass das „Unmöglich“ sehr viel weiter weg ist, als wir immer glauben. Terry ist für mich immer wieder eine inspiration und wenn ich mal wieder nicht an meine Ziele glaube, denke ich an ihn. „Ein einzelner Mensch kann nicht bewirken“, was ist diese Aussage für eine Lüge, und eine billige Ausrede für all die jenen, die ihr Finger nicht aus dem Arsch bekommen!

Stützradkrimi – Schockerkenntnis auf dem Basketballplatz

Die Welt war zu diesem Zeitpunkt in Ordnung. Ich hatte Freunde, mein Unihockeyclub, und auch mit der Behinderung hatte ich mich arrangiert. Ich wusste zwar, dass ich diese für immer haben werde, das war aber ok für mich. Ich war mal wieder nach der Schule mit meinem Fahrrad in Richtung Basketballplatz unterwegs. Ich hatte keine Ahnung dass an diesem Tag Sport für mich eine ganz andere Bedeutung bekommt.

Es begann mit einer ganz normalen Szene unter dem Korb, wie sie halt hunderte male passiert. Ich sprang hoch um mir den Rebound zu holen. Für alle die jetzt Basketball nicht kennen, ein Rebound ist der Ball der nach einem missglückten Wurf vom Korb abprallt. Ich bin relativ klein, ausserdem auch nicht der Sprungstärkste. Normalerweise holte ich die Rebounds nicht, und wenn ich es doch mal schaffte machte ich nach der Landung meist Schrittfehler. Doch dieses mal meisterte ich das souverän.

Ich spielte an jenem Abend einfach wesentlich besser. Es war nicht einfach nur eine gute Phase. Irgendwann schrie ein Freund der im Gegenteam spielte halb frustriert, hab begeistert: „Verdammt Raphi, was ist los mit dir! du spielst ja viel besser als sonst!“ Das brauchten sie mir nicht zu sagen, das merkte ich ja selbst. In der Pause sprachen mich die Jungs noch mal an. „Mal im Ernst Raphi, irgendwas ist anders, was ist los?! Vorhin hatten wir einen Zusammenstoss in der Luft, und du spielst einfach weiter, als ob nichts gewesen wäre. Normalerweise fällst du doch da um.“ „Ich glaube, ich habe mehr Gleichgewicht“, meinte ich leise.

Zum ersten mal seit einem Jahrzehnt wurde ich mit dem Thema Fortschritte konfrontiert. Mich traf dieses Thema sehr, da ich eigentlich damit abgeschlossen hatte. Für mich waren Fortschritte immer mit der Intensivtherapie nach Doman verbunden, die meine Eltern im frühen Kindesalter mit mir machten. Aber was hat diesen Fortschritt ausgelöst. Es war Schulferien, und ich hatte keine Physio. Aber ich war jeden Tag sicher drei Stunden am trainieren. Hat der Sport diese Fortschritte ausgelöst?! Bei dem Gedanken lief es mir kalt den Rücken herunter. Erst allmählich wurde mir klar, was da passiert.

Die Wahrheit war, ich machte tonnenweise Fortschritte, ich hab sie einfach nicht erkannt. Ich hatte in den Jugendjahren nur ein Ziel, so nah wie möglich an die Leistung der Nichtbehinderten ranzukommen. Ich war so auf die Leistung der Nichtbehinderten fokussiert, das ich meine Fortschritte schlicht übersah. „Wenn Sport Fortschritte mit sich bringt… was passiert, wenn ich weiter trainiere? Dann müsste die Behinderung ja irgendwann wegtrainiert sein.“ Dieser Gedanke liess mich nicht mehr los. Nicht weil ich unbedingt normal gehen wollte, sondern weil von dem Gedanken für mich eine unglaubliche Kraft ausging. Bis dahin war mein Ziel, irgendwann mal ein internationaler Behindertensportler zu sein. Man hat als Jugendlicher da so Bilder vor sich, wie man an den Paralympics mit dem Trikot der Schweizer Nationalmannschaft in die Arena einläuft. Die Vorstellung vom Empfang am Flughafen, wenn man – als Held gefeiert – wieder Heimischen Boden betritt. Die Autogramme die man geben kann, die Vorbildfunktion die einem zukommt, das sind tolle Gedanken. Aber der Ruhm im Sport ist sehr vergänglich. Die Helden von heute sind morgen schon vergessen.

Und was sind ein paar Goldmedaillen gegen das andere Ziel. Ich meine, ICP gilt als unheilbar. Was würde es für eine Welle nach sich ziehen, wenn ich die Mauer „Unheilbar“ niederreissen könnte. Dieser Gedanke war gerade zu Übermächtig. Das Risiko zu scheitern ist unendlich gross. „Wenn du das nicht versuchst, wirst du das vielleicht dein Leben lang bereuen. Du wärst ein verdammter Feigling“ sagte ich zu mir. „Du musst es versuchen, egal wie bitter, egal wie hart es wird. Du musst es tun, für dich und für die anderen ICP’ler!“ Sagte ich während mir die Tränen runterliefen.

An jenem Abend fällte ich eine Entscheidung meines Lebens. Ich nahm den Kampf mit meiner Behinderung auf. Und genau dieser Kampf ist der Grund, warum ich meine Geschichte in Blogform mache. Denn sie ist noch nicht Abgeschlossen. Heute weht die Schlachtfahne mehr denn je. Diese Geschichte hat erst letztens auf Sport of Hope begonnen.

Stützradkrimi – Behindertensport Lager

Die Sommerferien kamen näher, und natürlich diskutierten wir auch auf dem Basketballplatz, was wir dann in den Ferien machen. Klar, wir spielen Basketball, wer hätte das gedacht! „Raphi, kommst du auch mit ins Tenero Lager?“, fragte mich einer der Jungs. „Das ist ein Sportlager, voll cool.“ Dummerweise hatte ich mich bereits für ein Behindertensportlager angemeldet, das in der selben Woche stattfand. Wir waren also alle in den Sportlagern.

Ich liebte Lager, keine Ahnung wieso, ich liebte es einfach. So Reiste ich mit meinen Eltern voller Erwartungen in den Twannberg. Das ist ein Feriendorf für Behinderte Menschen im Schweizer Jura. Ich war mit Unihockeystock und Rollstuhl dabei. Den Rollstuhl hatte ich vor allem für den Fall einer Verletzung dabei… Falls laufen nicht mehr gehen sollte, kann ich immer noch im Rollstuhl weitermachen 😉

Die Lagerleiterin, Nelly Lippuner begrüsste mich mit den Worten: „Wow, hast du dein Unihockeystock mitgebracht, den wirst du hier brauchen!“ Da war für mich die Woche schon gerettet. Meine Eltern verabschiedeten sich, und die Lagerteilnehmer lernten einander kennen. Es wurde auch Sport gemacht, damit die Leiter die Gruppen einteilen konnten. Es wurde in drei Gruppen unterteilt. Die Gruppe 3 waren vorwiegend Schwerst- Mehrfachbehinderte. Die machten Spiele und Übungen im Aufenthaltsraum. Die Gruppe zwei war schon eine Gruppe die ordentliches Sportprogramm zu bewältigen hatten, allerdings eher auf spielerische Art und Weise. Die Gruppe eins war die Drill Gruppe, und das wurde auch so kommuniziert. Da fand richtiges Training und nicht einfach nur Fun statt.

Am nächsten Morgen Gruppeneinteilung. Ich habe es in die Gruppe 1 geschafft. Ich freute mich riesig darüber, denn für mich war das eine Leistungsbestätigung. Da die Halle und der Aufenthaltsraum schon besetzt waren, blieb uns noch die Outdoor Anlage. Ein Hardplatz, eine Spielwiese und eine Asphaltierte 80m Bahn. Und die Warnungen, dass dies die „Foltergruppe“ ist, waren nicht umsonst. Behindertenbonus konnte man sich in dem Lager sowieso eher abschminken. Geklöne wurde meist mit einem Spruch wie: „Hey hab dich jetzt nicht so“ von den Trainern quittiert. Es herrschte Leistungssportmässige Disziplin auf dem Feld und wir wurden rumgescheucht.

Ich kann mich nur noch an eine Szene erinnern, da waren wir alle schon relativ kaputt. Die Sonne brennte von oben und der Heisse Asphalt von unten. Da meinte der Trainer plötzlich. „Leute, alle auf die Linie, ihr wisst was zu tun ist.“ Wir schauten uns alle fragend an, Linienläufe? Jetzt? Will der uns umbringen?! „So kommt Leute, es wird nicht einfacher, wenn ihr es hinauszögert!“ meinte der Coach und klatschte dabei in die Hände um uns zu motivieren. Alle machten diesen Linienlauf, auch wenn wir schon auf dem Zahnfleisch liefen.

Wir gingen jeden Abend komplett ausgepowert ins Bett. Und wie geil das ist, verstehen nur Sportler. Ich liebte es, an meine Grenzen und vielleicht auch mal darüber hinaus zu gehen. Und in einer motivierten Gruppe geht man immer noch ein gutes Stück mehr an die Grenze als alleine. Und genau das machte das Lager aus.

Es gab aber noch eine ganz andere Botschaft die ich aus dem Lager mit nach Hause nahm. Bis zu dem Zeitpunkt machte ich vor allem Sport mit Nichtbehinderten oder alleine. Mit meinen eigenen Leistungen war ich sowieso selten zufrieden, und im Vergleich zu meinen nichtbehinderten Freunden schloss ich immer schlechter ab. Natürlich wusste ich, dass ich das nicht direkt vergleichen darf. Aber wenn man nie einen anderen Vergleich hat, wird das Bild der eigenen Leistung immer verzerrter. Die Woche im Behindertensport Lager ging zwar viel zu schnell vorbei, zeigte mir aber, dass ich unter Behinderten im Ballsportbereich durchaus vorne mithalten kann.

Dies tat mir unglaublich gut, denn ich wusste, dass die unzähligen Stunden auf dem Sportfeld nicht vergebens waren und das ich unbedingt weiter machen muss.

Stützradkrimi – Basketball als neues Hobby

Mittlerweile hatte ich mich im Dorf schon etwas eingelebt. Einige Jugendliche kannten mich bereits, und Barriere ist wesentlich kleiner geworden. Eines Abends streifte ich wieder mal mit meinem Stützradfahrrad durch das Dorf, als ich plötzlich ein paar Jungs Basketball spielen sah. Mich interessierte das, und so fuhr ich mit meinem Fahrrad auf den Platz.

„Willst du auch einen Wurf“, fragte der eine. Natürlich bejahte ich, denn Basketball ist nach Unihockey und Fahrrad meine drittliebste Sportart. Und wie es der Zufall wollte, ich traf sofort. „Woho, das musst du wiederholen“, meinte der Junge zu mir und warf mir den Ball noch mal zu. Zweiter Schuss, knapp vertroffen. „Komm noch mal“, meinte er. Und wieder war er drin. „Nicht schlecht, woher kannst du so gut spielen?“
„Ach treffen konnte ich schon immer“, meinte ich zu ihm.

Wir stellten uns gegenseitig vor, und dann spielten wir weiter. Ich fand das cool einfach mal mit anderen gleichaltrigen Nichtbehinderten Sport zu machen. Ausserdem waren mir die Jungs sehr sympathisch. Wir waren mitten im Werfen als plötzlich noch zwei weitere erschienen. „Wir haben um 18:00 abgemacht wo wahrt ihr?“ „Sorry Hausaufgaben!“, meinten die Neuankömmlinge. Ach das Problem kommt mir bekannt vor, dachte ich. Und plötzlich waren wir 6 Leute auf dem Platz. „Ok Jungs, spielen wir?“ fragte einer.

Oh nein, die wollen jetzt spielen, da darf ich bestimmt nicht mitmachen, dachte ich. Da ich mich nicht aufdrängen wollte, ging ich schon mal zu meinem Fahrrad. Die Jungs auf dem Feld diskutierten. „Wir sind drei gegen zwei, das geht nicht auf“ meinte der eine. Einer der neu dazugekommenen: „Und was ist mit dem da draussen, spielt der nicht mit?“ Ein anderer: „Raphi, wir brauchen dich, ohne dich geht’s nicht auf!“ Das war wohl nichts mit dem leisen Abgang.

Wir spielten und spielten. Zwischendurch gab es eine kleine Pause, und dann ging es wieder weiter. Und wer glaubte, dass die Jungs mich fragten, ob ich morgen auch wieder komme, der irrt sich. Denn sie liessen mich eigentlich gar nicht entscheiden. „Cool dass du da warst, bis morgen um 18:00 Uhr, wieder hier“, meinte einer. Ja gut, da wusste ich ja, was ich am nächsten Abend machte.

Diese Basketball Gruppe war wirklich speziell. Wir trafen uns jeden Abend über die Sommer Monaten um 18:00. Es gab ein paar Stammspieler, und ein paar die unregelmässig kamen. Aber es hatte immer genug für ein Spiel. Ja, und auch wenn sich das die jüngeren Leser nicht vorstellen können, das klappte ganz ohne Handy. Die Gruppen machten wir selbst, und wir schauten auch für die fairness. Fouls gab man in der regel selbst zu, und es wurden keine Punkte gezählt. Wir waren zwar ehrgeizig, aber nicht verbissen. Das Spiel endete meist dann, wenn wir vor Dunkelheit die Körbe nicht mehr sahen. Und das wetter war natürlich nie eine Ausrede.

Diese Abende waren für mich Gold wert. Nicht nur wegen dem Sport, sondern auch wegen der Freundschaft. Und falls das einer der Jungs von damals liest, DANKE für die Zeit, ich denke noch heute ab und an daran.

Starte ich dieses Wochenende?

Dieser Blog wird etwas kürzer, denn ich möchte Euch nur schnell über die aktuelle Lage meines Körpers informieren.

Letzte Woche war immer noch ein auf und ab. Mal ging es mit laufen, mal nicht. Das Meeting im Letzigrund musste ich aus lassen, weil es einfach nichts gebracht hätte. Es gibt tatsächlich Momente, da läuft das mit der Koordination schon recht gut und einige Stunden später ist wieder alles zu Sau.

Diese Woche werde ich versuchen, ob ich mich mittels spezieller Vorbereitung für 60m sprintready machen kann. Zudem werde ich noch neue Schuhe kaufen. Die jetzigen sind strukturell durchgelaufen. Sie haben nicht mehr die Stützfunktion im Innenfuss, die für mich wichtig ist. Zudem beginnen sich auch wieder die Sohlen zu lösen. Schuhe kaputt kriegen ist also nach wie vor kein Problem. 😉

Falls es mit den Tests was wird, werde ich ein Startversuch wagen. Ich habe Basel und St. Gallen zur Auswahl. Für Basel spricht eigentlich der Doppelstart, aber ich glaube nicht dass mir dieses Jahr ein solcher was bringt. Ich denke eher, wenn ich mich auf einen Lauf heiss kriege, dann ist das schon super. Da man in St. Gallen in der Halle aufwärmen kann, werde ich mich vermutlich für St. Gallen entscheiden. Ganz sicher ist es allerdings noch nicht. Ich werde Euch noch mal darüber informieren.

Wenn ich starte, dann ist das als ein erster Versuch zu werten. Die Entkoppelung ist immer noch im Gange und es braucht jede Menge Geduld. Das Fiese an der Sache ist, dass ich noch keine Ahnung habe, in welche Richtung es dieses mal geht. Manchmal habe ich selbst meine Zweifel, auf dem richtigen Weg zu sein. Ein Erlebnis wie letztes Jahr in Thun könnte ich jetzt gut gebrauchen. Ich bleibe dran.

Die Änderungen im Laufstil scheinen zu bleiben

Vor etwas mehr als einem Monat habe ich über Änderungen in meinem Laufstil geschrieben. In diesem Blog habe ich damals über den Trainingsstand und über die damit verbundenen Probleme berichtet. Damals schrieb ich auch, dass der Körper dauernd neue Impulse braucht, damit er nicht einfach wieder in das alte Muster zurückfällt.

Genau das scheint jetzt nicht mehr der Fall zu sein. Denn obschon ich über die Festtage keine Impulse setzte, scheint der Körper an dem neuen Laufstil festzuhalten. Einige werden sich nun fragen, wie es dann mit den unschönen Begleiterscheinungen aussieht.

Eine Zeit lang waren diese wirklich schlimm. So schlimm, dass sie den Alltag wirklich negativ beeinflussten. Ich musste ständig aufpassen, dass ich nicht hinflog und manchmal liessen sich Stürze auch gar nicht vermeiden. Doch momentan geht es langsam aufwärts. Die Muskelkoppelung ist zwar noch vorhanden, aber sie schwächt sich ab. Nun heisst es an den neuen Bewegungsmuster arbeiten.

Meine Gangart sieht momentan schlechter aus als früher. Das hängt vor allem damit zusammen das ich gewisse Kompensationsmethoden aufgegeben habe obschon die neuen Bewegungsmuster noch nicht bereit sind. Zwar versucht mein Körper immer wieder mal, neue Muster anzuwenden, meist geht der Schuss aber nach hinten los, da die Muskelkoppelung alles zerstört. Wenn das mal nicht der Fall ist, lässt sich im Ansatz erahnen welche Energien hier freigesetzt werden könnten.

Die Tatsache, dass mein Körper nun tatsächlich bereit ist, neue Muster zu lernen und die kurzen Lichtblicke, wenn es mal zwei drei Schritte besser klappt, lassen mich hoffen. Schnelle Erfolge erwarte ich allerdings keine. Alles in allem bin ich aber optimistischer denn je, dass die Behinderung nicht einfach in Stein gemeisselt ist. Ich glaube sogar, dass mein Sieben Jahres Ziel aufgehen könnte, und ich in der Saison 2025 normal gehen kann. Und selbst wenn das nicht ganz so sein sollte, dann glaube ich doch noch an grosse Fortschritte.

Ja, das Ziel normal gehen habe ich mir schon mindestens sieben mal gesteckt, und bin kläglich gescheitert. Doch der Unterschied zu früher ist, dass ich ganz andere Waffen in der Hand habe. Ich habe endlich Trainingsmethoden gefunden die wirken! Ich habe in den letzten Jahren viel Zeit investiert, meine Behinderung zu verstehen. Es lassen sich eben nicht alle Ziele auf biegen und brechen durchsetzen.

Der Weg dorthin ist leider sehr hart und man muss offenbar auch herbe temporäre Rückschläge einstecken können. Das ist besonders übel, weil sie meist auch den Alltag betreffen. Der Frontalangriff auf die Behinderung wird im neuen Jahr sogar noch forciert. Und die Opferbereitschaft meinerseits ist hoch. Neben dem „Grab der Stützräder“ und dem „Grab des Lymphdrüsenkrebs“ ist noch ein Platz frei. Der ist für dich bestimmt liebe Behinderung! Geniesse deine Triumpfe noch solange sie noch da sind!!!

Stützradkrimi – Angst um meine Gesundheit

Mittlerweile trainierte ich extrem. Es verging kein Tag ohne eine gehörige Portion Sport. Eine Stunde war das minimum. Schulturnen zählte ich natürlich schon gar nicht mehr zum Training. Doch manchmal hatte ich verletzungsbedingte Ausfälle. Es waren keine Akute Verletzungen sondern Entzündungsgeschichten. Ich war am körperlichen Leistungslimit angelangt. Manchmal konnte ich bis zu einer Woche nicht mehr gehen. Das war der Horror.

Während ich mich einfach nur über die Verletzungsausfälle nervte, machten sich die Erwachsenen Sorgen um eine Gesundheit. In einer Zwischenkontrolle im Zürcher Kinderspital wurde mir sogar gesagt dass ich aufpassen soll. Unihockey wäre wohl nicht die richtige Sportart für mich. Das habe viel zu hohe Belastungen. Ich solle doch besser was sanfteres wie Schwimmen oder Fahrradfahren machen. Tatsächlich war Unihockey keine gute Wahl, wenn man im Behindertensport was erreichen will. Denn die Sportart gab es im Behindertensport noch gar nicht. Man prophezeite mir sogar, dass ich, wenn ich so weiter mache, mit 20 nicht mehr gehen kann. Das war einer der schlimmsten Arztbesuche die ich hatte.

Schweren Herzens nahm ich mir vor, mich nun auf das Fahrrad fahren zu konzentrieren. Ja Leute ich meinte das sehr ernst. Denn ich habe es geschafft, eine Woche keinen Stock in die Hände zu nehmen. Dann ertappte ich mich wieder auf dem Feld. Ich liebte diese Sportart einfach zu sehr, um sie aufzugeben!

Mir wurde ein Rollstuhl angepasst. Gesagt wurde mir, dass dies nur für den Sport sei und für die Tage an denen ich nicht laufen kann. Ich weiss aber heute, dass man damals die Befürchtung hatte, dass ich irgendwann in den Rollstuhl fallen werde. Damit ich schon mal den Umgang mit dem Gerät lernte, bekam ich Rollstuhltraining. Wir hatten schon zwei Rollstuhlfahrer in der Schule und dann kamen noch drei externe dazu. So wurde eine Kinderrollstuhlgruppe zusammengestellt. Für Sport war ich immer zu haben, und so machte ich auch hier gerne mit.

Die Verletzungen weiss ich heute was es war. Ich war damals stark im Wachstum, und hatte daher Wachstumsprobleme. Mit Beginn der Pubertät verändern sich auch die Muskeln und bekommen einiges mehr an Power. Während sich die Muskeln sehr schnell aufbauen, brauchen die Sehnen und Knochen einiges länger. In dieser Zeit entsteht eine Überbelastung der Sehnen und Sehnenansätzen. Ein eigentlich bekanntes Problem unter Sportler. Das Problem war, dass ich damals nicht in einem Sportlerumfeld war und so konnte mich niemand auf die Problematik hinweisen.

Ich war einfach ein bisschen zu hart am Limit dran. Man hätte die Trainings zu dieser Zeit nicht so sehr auf Kraft sondern mehr auf Technik und Koordination auslegen sollen. Aber das wusste ich damals halt nicht. Wo die Erwachsenen bereits Abnützungserscheinungen befürchteten waren im Prinzip ganz normale Sportverletzungen, wie sie jeder Spitzensportler kennt. Klar hätte ich diese mit dem richtigen Wissen umschiffen können. Aber Hand aufs Herz, ich hätte trotzdem über die Stränge geschlagen.

Das können wohl die wenigsten verstehen, aber ich glaube jeder junge Spitzensportler schlägt erst mal über die Stränge hinaus. Wirkliche Vollblutsportler braucht man nicht anzutreiben, nur zu bremsen. Das „auch mal zu weit gehen“ gehört einfach dazu. Diese Leute lieben es, sich zu quälen… bis der Körper mit einer Verletzung stop ruft. Irgendwann war dann der Wachstumsschub vorbei, und damit endeten dann auch diese Probleme.

Stützradkrimi – Knallhartes Sommertraining

Langsam wurde ich älter, und mein erstes Therapierad wurde mir zu klein. Eigentlich hätte das zu der IV (Invaliden Versicherung) zurück müssen, dass es wieder einem anderen Kind dienen konnte. Doch mein Stützrad Fahrrad war schrottreif. Material schonen war noch nie mein Ding. Jetzt stand ein neues Fahrrad an. Zusammen mit meinem Fahrradmechaniker wurde ein neues Rad ausgesucht und umgebaut. Das erste mal hatte ich fünf Gänge und ein Freilauf. Mein erstes Fahrrad hatte starrlauf, Dafür konnte ich damit auch rückwärts fahren, was ziemlich eigenartig aussah. Ebenfalls hatte ich keine Arretierbremse mehr. Aber die Vorteile von Freilauf und Gänge überwogen.

Die Freude war riesig und ich musste natürlich das Fahrrad gleich austesten. Austesten ist vielleicht etwas untertrieben. Es wurden 20km dann 30km. Irgendwann meinte meine Mutter: „Übertreib es nicht, kannst ja morgen wieder fahren.“ Geht’s noch, wenn ich morgen schon wieder Fahre hab ich was falsch gemacht. Ich bin auf Rekordtour. Bei 49km war Schluss. Mein Hintern hätte schon vorher aufgehört, aber mein Kopf liess das mal wieder nicht zu. Fazit des Tages… Cooles Fahrrad, aber ich brauche dringend Radlerhosen!

Doch es war nicht nur die erste Freude. Mir ist zu Ohren gekommen, dass Eishockeyaner und Unihockeyaner ein Sommertraining absolvieren. Das soll besonders hart sein und man hat meist nicht mal den Stock in der Hand. Warum man den Stock da nicht in die Hand nehmen soll, begriff ich zwar nicht. Aber wenn das die Stars so machen wird das wohl schon seine Richtigkeit haben.

So nahm ich mir vor, jeden Abend nach der Schule noch 10km mit dem Rad zu machen. Und ich nahm mir das nicht nur vor, ich tat es auch. Am Wochenenden mussten mindestens ein mal die 20er Marke fallen. Man überlege sich das mal, welche Selbstdisziplin ich da an den Tag legte. Ich meine, ich war zwölf Jahre alt damals und machte solch ein Training. Ein Grossteil der Unihockey und Eishockey Junioren empfinden Sommertraining als eine Qual und machen es oft nur, weil es der Trainer verlangt. Etwas hat sich in mir verändert. Ich wurde zum Leistungssportler.

Ich weiss, dass ich in dieser Zeit auch die ersten Trainings hatte, die ich als eine Last empfand. Nicht falsch verstehen, überwiegend machte mir das Spass, aber es kamen die ersten Momente, wo ich mich für ein Training überwinden musste. Ich merkte dann aber auch sehr schnell, dass der Stolz danach umso grösser ist. So drehte ich eisern meine Runden Tag für Tat, Woche für Woche. Gegen den Spätherbst hatte ich dann 1600km auf dem Tacho. Mehr als mit dem vorherigen Fahrrad über all die Jahre.

Doch es gab für mich noch ein Highlight. Meine Gotte (Patentante) lud mich auf eine Fahrradtour ein. Es soll eine kleine drei Länder Tour am Bodensee entlang werden. In zwei Tagen wollten wir von St. Margreten (CH) über Bregenz (A) nach Friedrichshafen (D) fahren. Das war ungefähr 65km alles in allem. Ich wollte eigentlich noch die 50km an einem Tag schaffen. Das hab ich aber meiner Gotte nicht gesagt.

Nach 25 km fragte sie bereits, ob ich noch weiter will… natürlich wollte ich. Meine Gotte hat dann ab 30km angefangen Unterkünfte zu suchen. Doch ich hatte einen Mitspieler bei meinem zweiten Rekordversuch und der hiess „Hotelausgebucht.“ Wir fanden einfach gar nichts und so knackte ich die 50km. Nach 55 km kamen wir dann in einem teuren Hotel der gehobeneren Klasse unter. Alles andere war ausgebucht. Am anderen Tag waren wir dann allerdings froh, so weit gekommen zu sein. Denn wir hatten Dauerregen. Ich überschritt mit 12 Jahren das erste mal die 50km Marke mit meinem Stützrad-Fahrrad. Ich war stolz auf mich. Erstes Sommertraining gut gemeistert!