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Als Behinderter in der grossen weiten Welt

Heute bin ich zu Hause, morgen bei einer Firma etwas mehr als 100km weg. Nächste Woche bin ich zu einer Vereinsgründung eingeladen. übernächste Woche Fliege ich kurz nach Berlin für eine Konferenz und ein Meeting. Dann wieder zwei Wochen später bin ich kurz an einer Messe als Besucher in Luzern und nur ein Tag später in Dornbirn (AT) als Aussteller und Referent an einem Computer Event.

Wenn mich Leute an einem Freitag Abend durch den Zürcher Hauptbahnhof humpeln sehen, denken wohl einige. Ah der geht jetzt gerade von seiner Institution zurück zu seinen Eltern. Als Behinderter hat man immer wieder mit Stigmatisierung zu kämpfen… Eigentlich haben wir das doch irgendwie alle. Als behinderter ist es einfach extremer. Und natürlich kommt es auch sehr auf die Behinderungsart drauf an. Von Querschnittgelähmten weiss man, dass die meisten ein selbständiges Leben führen. Bei ICP – die meisten wissen jetzt vermutlich nicht mal was das ist – ist das eine andere Geschichte. Sprüche wie:

Finden sie alleine zurecht?

oder

Kann ich über die Strasse helfen

Sind da ganz normal. Manchmal wollten mich Leute auch schon zurück zum nächst gelegenen Behinderten Heim bringen. „Nein, ich bin nicht ausgebüxt, ich suche grade die Firma XY, ich hab da einen Termin“, sage ich dann oft. Die Gesichter sollte man jeweils Fotografieren. 😉 Vor Jahren, als ich mal mit meiner (Nichtbehinderten) Sportgruppe in einen Trainingscamp nach Grand Canaria flog, wurde ich sogar unfreiwillig separiert. Es war gleichzeitig eine Feriengruppe mit Behinderten im Flugzeug. Diese wurden mit einem Spezialfahrzeug abgeholt. Die Flugbegleiterin dachte wohl, dass ich zu denen gehöre und liess mich nicht vorne aussteigen. Ich kam dann an einem anderen Ort im Terminal an, und musste erst meine Trainingsgruppe wieder finden.

Aber es gibt auch die angenehmen Seiten. Am Flughafen muss ich bei der Sicherheitskontrolle nie anstehen, ich werde immer bevorzugt behandelt. Worüber ich auch froh bin, denn in einer Kolonne anzustehen braucht für mich mehr Energie als schnell zu gehen. Wenn ich mal nicht weiss, wo es hingeht, kriege ich immer eine Antwort und zwar relativ schnell. Das heisst allerdings nicht, dass ich mich völlig unvorbereitet in die Reiseabenteuer stürze.

Ein weiteres Phänomen ist, dass viele Menschen mehr wissen wollen über einem. Sei es der Taxifahrer der einem vom Flughafen zum Hotel fährt. Sei es der Barkeeper, bei dem man am Abend noch was trinkt. Sei es das Pärchen das neben einem im Zug sitzt. Alle sind neugierig zu wissen, wer da gerade neben ihnen sitzt.

Für viele Menschen ist es halt immer noch speziell, ein Menschen mit CP in „Freier Wildbahn“ zu sehen. Und dass diese Person dann auch noch in der IT Welt international mitmischt, passt so gar nicht ins Bild. Aber das stört mich überhaupt nicht. Irgendwann wird sich die Welt auch an den behinderten Programmierer gewöhnen 😉

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