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Stützradkrimi – Enttäuschung in der Schule

In der neuen Schule ging es erst mal wieder aufwärts. Die kleineren Klassen taten mir gut. Ich war konzentrierter beim Unterricht, und so stiegen auch meine Noten erst mal wieder an. Ich hatte allerdings eine grosse Schwäche, und das war die Rechtschreibung. Egal wie viel Mühe ich mir gab, ich kapierte das nicht. Aufsätze hatte ich von der Idee und vom Stil her immer gute, aber sie kamen feuerrot wieder zurück. Mein ursprüngliches Ziel war es in die Kantonsschule (Gymnasium) zu wechseln. Der Übertritt fand von der sechsten zur siebten Klasse statt. Mir wurde relativ schnell klar, dass die Kantonsschule eine Utopie war. Ausser der Kantonsschule gab es noch zwei weitere reguläre Stufen, die ich auch an der Sonderschule machen konnte. Sekundar als zweithöchste Stufe, und Real als dritthöchste Stufe. Speziell an meiner Schule damals war die sogenannte integrierte Oberstufe. Alle waren in einer Klasse, nur für die Hauptfächer wurde die Klasse geteilt. In Niveau A (Sek) und Niveau B (Real)

In Mathe war ich gut, und so war mein Ziel, zumindest da ins Niveau A zu kommen. Das hätte mir auch für die Berufswal andere Möglichkeiten eröffnet. Die damals neu geschaffene Lehre zum Informatiker zum Beispiel erforderte in Mathe einen Sek Abschluss. In Mathe gab ich mir in der Sechsten Klasse noch mal richtig Mühe. Den erforderten Notenschnitt erreichte ich auch. Man hat mich trotzdem in Niveau B eingeteilt. Begründet wurde dies, weil ich gesamthaft gesehen eher ein guter Realschüler bin. Man sagte mir, ich könne Wechseln, wenn ich im Niveau B gute Leistungen bringe und die Noten stimmen.

Im Neveau B war ich in der Mathe eigentlich vollkommen fehl am Platz. Ich war von Anfang an hoffnungslos unterfordert. Während die Andern mühsam versuchten sich den Stoff in die Birne zu quetschen, lernte ich meist alles schon in der ersten Unterrichtsstunde. Es ging nicht lange, und da kam der Lehrer mit einem speziellen Buch für mich angelaufen. „Hier, das ist das Geometrie Buch der Kantonsschule.“ Immer wenn ich alles durchgeackert hatte, durfte ich zum Dessert noch eine Knacknuss aus dem Kanti Buch machen.

Schnell bürgerte es sich ein, dass ich bei den Prüfungen immer eine 6 (höchste Note in der Schweiz) erhielt. Und der Lehrer schenkte mir da nichts. Ich setzte mir zum Ziel im Notenschnitt einen Sechser zu haben. Der Lehrer wusste das, und spannte mich bei jeder Prüfungsrückgabe auf die Folter. Mit ernstem Blick meinte er dann jeweils. „Und Raphael… hmm. diesmal… diesmal reichte es leider… nur… für eine Sechs“ Während die anderen schon mit einem Fünfer glücklich waren, war für mich alles scheisse was nicht ein Sechser war.

Eigentlich rechnete ich damit, dass ich schon im ersten Semester hochgestuft werde. Doch man vertröstete mich auf das Neue Schuljahr. „Niveauwechsel sind nur Ende des Schuljahres möglich“, teilte man mir mit. Ende Jahr hatte ich eine glatte 6 im Zeugnis in der Geometrie und In Mathe hatte ich eine Prüfung eine 5,5 also reichte es leider nicht ganz für die Sechs. Aber die Noten sprachen Klartext.

Die Enttäuschung war gross, als ich auf das nächste Jahr nicht in das Niveau A befördert wurde. Als Grund nannten die Lehrer die fehlenden Hausaufgaben in anderen Fächern. „Ich soll mich erst mal in anderen Fächern bemühen, dann könne man darüber diskutieren.“ Klar war ich kein Einfacher Schüler, aber die Idee dass ich mir anderswo mehr Mühe geben würde, wenn ich in der Mathe erst mal nicht für meine Leistungen belohnt werde, ist gründlich in die Hose gegangen. Nach dem man mich zwei mal vertröstet hatte, und ich mich wirklich bewiesen habe, verlor ich das Vertrauen in die Versprechungen. Folgedessen gab ich mir im Neuen Schuljahr auch in Mathe nicht mehr so Mühe. „Es bringt ja doch nichts.“ dachte ich mir.

Die Sonderschulen liefen nach dem Prinzip, als Behinderter musst du erst mal Routinetätigkeiten sauber und schnell machen. Denn vermutlich werden die meisten Schüler später… wenn sie denn einen Job haben. eine einfache Routinetätigkeit nachgehen . Talente fördern kam erst an zweiter Stelle.

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