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Sport of Hope – Gutes Resultat nach Training

Letzten Freitag ist mir das gelungen, was eigentlich Ziel des Trainings sein sollte. Nach dem Training lief ich sicherer als vor dem Training.

Am Freitag ging nach Zürich ins Training. Eigentlich ein ganz normales Koordinationstraining. Wieder mal den üblichen Versuch, die neuen Muskel anzusteuern ohne das Bewegungsmuster ganz aus der Bahn zu werfen.

Schon beim Hinweg war es nicht schlecht, nicht perfekt aber wesentlich besser als sonst. Im Training versuchte ich dann erst mal, den rechten Kniebeuger rein mit Forced Use anzusprechen. Das klappte nicht. Dann Machte ich Kraftkoordination. Das ist eine Mischung aus Kraft- und Koordinationsübungen. Mir scheint, dass unter Belastung das Neurofeedback oft grösser ist. Deswegen kombiniere ich Koordinationsübungen gerne mal mit Kraftübungen.

Und siehe da, die Ansteuerung funktionierte. Die Koordination war sogar so gut, dass sie für das gewöhnliche Laufen reichte, Toll dieses Gefühl. Der Rückweg ging dann wesentlich besser als sonst. Wenn es so weiter geht, kann ich ja vielleicht bald mit joggen über kurze Distanz anfangen,

Ja, das wollte ich Euch nur schnell mitteilen. Ich bin gerade am Umbau meines Computer Setups und muss jetzt die Ganze Infrastruktur wieder verkabeln. Darüber kommt dann morgen ein Blog.

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Sport of Hope – Langsam geht’s bergauf

Was macht eigentlich mein Training, werden sich einige fragen. Kurz gesagt, es geht langsam Bergauf. Das Laufen im Alltag geht besser, und hingefallen bin ich jetzt länger nicht mehr. Doch manchmal drückt die Fehlkoordination noch durch. Mein Individualtrainer hatte schon recht damit, dass es da eine grosse psychologische Komponente gibt. Insbesondere im Winter als es eisig war, fehlte mir schlicht das Vertrauen in meinen Körper. Das bin ich jetzt wieder am Aufbauen.

Doch nur weil es im Alltag besser läuft, heisst es noch nicht, dass ich meinem Ziel näher komme. Falle ich nicht einfach wieder in die alte Gangart zurück?. Ich denke nicht. Denn es fühlt sich immer noch sehr ungewohnt an. Die Lösungsimpulse des Rechten Kniebeugers der spastisch ist, werden schneller. Immer wieder fühle ich auch Einsatzversuche dieses Muskels. Meistens ist allerdings der Anspannungsimpuls zu langsam um eine sinnvolle Wirkung zu erzielen. Die ganze Sache ist für mich also noch nicht Nutzbringend, aber die Bemühungen sind da.

Gesprintet bin ich noch gar nicht. Ich denke, dieser Bewegungsablauf ist noch zu anspruchsvoll. Aber vielleicht täusche ich mich auch. Auch hier spielt wieder die psychologische Komponente mit. Frei nach dem Motto „Wenn es doch schon mit langsamen Bewegungen nicht klappt, wie soll es dann mit schnellen klappen?“ Irgendwie ist da der Sturz bereits vorprogrammiert. Stürzen ist ja nicht schlimm, ich kann mich auffangen. Aber wenn es mehrfach passiert, nervt es dann eben schon. Denn ein paar Spuren hinterlassen dann mehrere Stürze im Sprint auch bei mir 😉

Es ist das erste mal, dass ich nicht mehr 100% meinen Bewegungsabläufen traue. Über zwanzig Jahre konnte ich mich 100 Prozent auf meinen Körper verlassen. Das Lustige an der Sache. mich stört das Misstrauen nicht, denn ich fühle Veränderungen, auch wenn die offenbar noch nicht sichtbar sind. Es geht aktuell wieder bergauf. Die Saison hat noch nicht mal begonnen, und diese Saison wird lang, Denn die wichtigen Wettkämpfe sind alle relativ spät. So bleibt auch mir viel Zeit um erst mal wieder sprintfähig zu werden, mich dann an die Bestzeit der letzten Saison heranzutasten, und dann die PB in Angriff zu nehmen.

Stützradkrimi – Behindertensport Lager

Die Sommerferien kamen näher, und natürlich diskutierten wir auch auf dem Basketballplatz, was wir dann in den Ferien machen. Klar, wir spielen Basketball, wer hätte das gedacht! „Raphi, kommst du auch mit ins Tenero Lager?“, fragte mich einer der Jungs. „Das ist ein Sportlager, voll cool.“ Dummerweise hatte ich mich bereits für ein Behindertensportlager angemeldet, das in der selben Woche stattfand. Wir waren also alle in den Sportlagern.

Ich liebte Lager, keine Ahnung wieso, ich liebte es einfach. So Reiste ich mit meinen Eltern voller Erwartungen in den Twannberg. Das ist ein Feriendorf für Behinderte Menschen im Schweizer Jura. Ich war mit Unihockeystock und Rollstuhl dabei. Den Rollstuhl hatte ich vor allem für den Fall einer Verletzung dabei… Falls laufen nicht mehr gehen sollte, kann ich immer noch im Rollstuhl weitermachen 😉

Die Lagerleiterin, Nelly Lippuner begrüsste mich mit den Worten: „Wow, hast du dein Unihockeystock mitgebracht, den wirst du hier brauchen!“ Da war für mich die Woche schon gerettet. Meine Eltern verabschiedeten sich, und die Lagerteilnehmer lernten einander kennen. Es wurde auch Sport gemacht, damit die Leiter die Gruppen einteilen konnten. Es wurde in drei Gruppen unterteilt. Die Gruppe 3 waren vorwiegend Schwerst- Mehrfachbehinderte. Die machten Spiele und Übungen im Aufenthaltsraum. Die Gruppe zwei war schon eine Gruppe die ordentliches Sportprogramm zu bewältigen hatten, allerdings eher auf spielerische Art und Weise. Die Gruppe eins war die Drill Gruppe, und das wurde auch so kommuniziert. Da fand richtiges Training und nicht einfach nur Fun statt.

Am nächsten Morgen Gruppeneinteilung. Ich habe es in die Gruppe 1 geschafft. Ich freute mich riesig darüber, denn für mich war das eine Leistungsbestätigung. Da die Halle und der Aufenthaltsraum schon besetzt waren, blieb uns noch die Outdoor Anlage. Ein Hardplatz, eine Spielwiese und eine Asphaltierte 80m Bahn. Und die Warnungen, dass dies die „Foltergruppe“ ist, waren nicht umsonst. Behindertenbonus konnte man sich in dem Lager sowieso eher abschminken. Geklöne wurde meist mit einem Spruch wie: „Hey hab dich jetzt nicht so“ von den Trainern quittiert. Es herrschte Leistungssportmässige Disziplin auf dem Feld und wir wurden rumgescheucht.

Ich kann mich nur noch an eine Szene erinnern, da waren wir alle schon relativ kaputt. Die Sonne brennte von oben und der Heisse Asphalt von unten. Da meinte der Trainer plötzlich. „Leute, alle auf die Linie, ihr wisst was zu tun ist.“ Wir schauten uns alle fragend an, Linienläufe? Jetzt? Will der uns umbringen?! „So kommt Leute, es wird nicht einfacher, wenn ihr es hinauszögert!“ meinte der Coach und klatschte dabei in die Hände um uns zu motivieren. Alle machten diesen Linienlauf, auch wenn wir schon auf dem Zahnfleisch liefen.

Wir gingen jeden Abend komplett ausgepowert ins Bett. Und wie geil das ist, verstehen nur Sportler. Ich liebte es, an meine Grenzen und vielleicht auch mal darüber hinaus zu gehen. Und in einer motivierten Gruppe geht man immer noch ein gutes Stück mehr an die Grenze als alleine. Und genau das machte das Lager aus.

Es gab aber noch eine ganz andere Botschaft die ich aus dem Lager mit nach Hause nahm. Bis zu dem Zeitpunkt machte ich vor allem Sport mit Nichtbehinderten oder alleine. Mit meinen eigenen Leistungen war ich sowieso selten zufrieden, und im Vergleich zu meinen nichtbehinderten Freunden schloss ich immer schlechter ab. Natürlich wusste ich, dass ich das nicht direkt vergleichen darf. Aber wenn man nie einen anderen Vergleich hat, wird das Bild der eigenen Leistung immer verzerrter. Die Woche im Behindertensport Lager ging zwar viel zu schnell vorbei, zeigte mir aber, dass ich unter Behinderten im Ballsportbereich durchaus vorne mithalten kann.

Dies tat mir unglaublich gut, denn ich wusste, dass die unzähligen Stunden auf dem Sportfeld nicht vergebens waren und das ich unbedingt weiter machen muss.

Vefko sucht noch Kreative

Programmierer haben wir, doch für Design und Graphik suchen wir noch Kreative Leute.

Anforderungsprofil

  • Motivation und Freude an der Arbeit
  • Aktives mitdenken.
  • Anwender der entsprechenden Graphik Software. Adobe CC, Corel, oder die Open Source Alternativen. (GIMP, Inkscape, Scribus)
  • Selbständiges Arbeiten.
  • Behindert oder sonst irgend eine Macke (ja, das meinen wir ernst)

Das bieten wir!

  • Keine garantierte Entlöhnung
  • Home Office. Komplett von zu Hause aus arbeiten.
  • Vorerst keine feste Stundenbindung (jeder arbeitet so viel er möchte und kann)
  • Etwas verrücktes aber total cooles Team
  • Möglichkeit der Beteiligung bei etwas Neuem
  • Und vielleicht wächst daraus ja doch ein bezahlter Job!

Du fühlst dich spontan angesprochen? dan schreibe JETZT gleich eine Mail an raphael(at)vefko.ch (bevor dich die ersten Zweifel beschleichen). Du brauchst erst mal keine Bewerbung zu schicken, sondern nur ein Hinweis, dass du Interesse hast.

Wer ist die Vefko: Die Vefko ist eine kleine Gruppe von Leuten, die es aufgrund irgendwelcher Beeinträchtigungen bis jetzt nicht geschafft haben, in unserem Wirtschaftssystem Fuss zu fassen. Wir sind der Meinung dass man gemeinsam viel mehr erreichen kann und daher haben wir uns zusammengeschlossen. Eine art Selbsthilfegruppe der „vermeintlichen Verlierer“


Stützradkrimi – Basketball als neues Hobby

Mittlerweile hatte ich mich im Dorf schon etwas eingelebt. Einige Jugendliche kannten mich bereits, und Barriere ist wesentlich kleiner geworden. Eines Abends streifte ich wieder mal mit meinem Stützradfahrrad durch das Dorf, als ich plötzlich ein paar Jungs Basketball spielen sah. Mich interessierte das, und so fuhr ich mit meinem Fahrrad auf den Platz.

„Willst du auch einen Wurf“, fragte der eine. Natürlich bejahte ich, denn Basketball ist nach Unihockey und Fahrrad meine drittliebste Sportart. Und wie es der Zufall wollte, ich traf sofort. „Woho, das musst du wiederholen“, meinte der Junge zu mir und warf mir den Ball noch mal zu. Zweiter Schuss, knapp vertroffen. „Komm noch mal“, meinte er. Und wieder war er drin. „Nicht schlecht, woher kannst du so gut spielen?“
„Ach treffen konnte ich schon immer“, meinte ich zu ihm.

Wir stellten uns gegenseitig vor, und dann spielten wir weiter. Ich fand das cool einfach mal mit anderen gleichaltrigen Nichtbehinderten Sport zu machen. Ausserdem waren mir die Jungs sehr sympathisch. Wir waren mitten im Werfen als plötzlich noch zwei weitere erschienen. „Wir haben um 18:00 abgemacht wo wahrt ihr?“ „Sorry Hausaufgaben!“, meinten die Neuankömmlinge. Ach das Problem kommt mir bekannt vor, dachte ich. Und plötzlich waren wir 6 Leute auf dem Platz. „Ok Jungs, spielen wir?“ fragte einer.

Oh nein, die wollen jetzt spielen, da darf ich bestimmt nicht mitmachen, dachte ich. Da ich mich nicht aufdrängen wollte, ging ich schon mal zu meinem Fahrrad. Die Jungs auf dem Feld diskutierten. „Wir sind drei gegen zwei, das geht nicht auf“ meinte der eine. Einer der neu dazugekommenen: „Und was ist mit dem da draussen, spielt der nicht mit?“ Ein anderer: „Raphi, wir brauchen dich, ohne dich geht’s nicht auf!“ Das war wohl nichts mit dem leisen Abgang.

Wir spielten und spielten. Zwischendurch gab es eine kleine Pause, und dann ging es wieder weiter. Und wer glaubte, dass die Jungs mich fragten, ob ich morgen auch wieder komme, der irrt sich. Denn sie liessen mich eigentlich gar nicht entscheiden. „Cool dass du da warst, bis morgen um 18:00 Uhr, wieder hier“, meinte einer. Ja gut, da wusste ich ja, was ich am nächsten Abend machte.

Diese Basketball Gruppe war wirklich speziell. Wir trafen uns jeden Abend über die Sommer Monaten um 18:00. Es gab ein paar Stammspieler, und ein paar die unregelmässig kamen. Aber es hatte immer genug für ein Spiel. Ja, und auch wenn sich das die jüngeren Leser nicht vorstellen können, das klappte ganz ohne Handy. Die Gruppen machten wir selbst, und wir schauten auch für die fairness. Fouls gab man in der regel selbst zu, und es wurden keine Punkte gezählt. Wir waren zwar ehrgeizig, aber nicht verbissen. Das Spiel endete meist dann, wenn wir vor Dunkelheit die Körbe nicht mehr sahen. Und das wetter war natürlich nie eine Ausrede.

Diese Abende waren für mich Gold wert. Nicht nur wegen dem Sport, sondern auch wegen der Freundschaft. Und falls das einer der Jungs von damals liest, DANKE für die Zeit, ich denke noch heute ab und an daran.

Stützradkrimi – Unnötige Barrieren im Kopf

Von nun an war UHC Einhorn Hünenberg ein fester Bestandteil meines Lebens. Die Heimspiel Daten waren heilig und die Spieler meine Vorbilder. Ja, meine Kollegen an der Schule haben mich nicht verstanden, weshalb ich so ein kleinen Hobbyclub verehrte und nicht mehr den grossen Eishockey Profi Verein der Umgebung. Aber das war mir egal. Ich stand jeden Spielabend in der Halle und feuerte meine Mannschaft lautstark an.

Auch wenn ich durch den Unihockey Club erste Kontakte zu Nichtbehinderten knüpfte, die nicht irgendwelche Familiäre Verbindungen hatten, war ich nicht glücklich. Mir fehlte etwas, und ich wusste nicht was es war. Eigentlich sollte es mir gut gehen, ich hatte eine intakte Familie, Freunde in der Schule, und ich hatte auch Kontakt ins Dorf. Doch genau da lag der Haken. Ich hatte so gut wie kein Kontakt zu Gleichaltrigen.

Das Problem war, dass ich auf eine Sonderschule ging, aber nicht dort im Internat war. Solche Behinderteninstitutionen kann man sich wie eine Parallelwelt vorstellen. Sie sind eigentlich dazu gemacht, das Behinderte dort Leben. Das Konzept basiert darauf, dass Behinderte in der offenen Gesellschaft meist keine Freunde finden. Das ständige gemeinsame soll dieses Manko etwas kompensieren.

Ja, es gibt behinderte die blühen unter solchen Bedingungen regelrecht auf, ich gehörte nie dazu! Ich brauchte Normalität und die Welt da draussen. In den Behinderteninstitutionen war mir das alles zu fürsorglich, und zu defizitorientiert. Sicher war das meist nicht böse gemeint. Wenn die Erzieherinnen wieder mal ihr „Aber sei mal realistisch, du bist Behindert!“ auspackten, wollten sie ihre Schützlinge nur vor Enttäuschungen bewahren. Ich konnte diesen Satz nicht mehr hören!

Trotzdem blieb irgendwie etwas von dem Ganzen bei mir hängen. Auch wenn mir das heute keiner glaubt, ich hatte Angst auf gleichalterige zuzugehen. Ich hatte Angst von anderen Jugendlichen wegen meiner Behinderung abgelehnt zu werden. Es war so eine irrationale Angst, denn ich hatte grösstenteils positive Erfahrungen mit Nichtbehinderten. Ich bildete mir ein, dass die ohne jeglichen Erwachsenen als Begleitung fies sein könnten.

Nach dem ich vor dem Einschlafen eine richtig üble Jugendkriese hatte mit vielen Tränen, beschloss ich, am anderen Tag ins Dorf zu gehen und Kontakt aufzunehmen. Das tat ich dann auch tat und ich fragte mich danach: „Warum hast du das nicht schon lange getan.“ Denn es waren alle nett und ich wurde mir bewusst was ich da für eine Mauer im Kopf hatte. Was nicht heissen soll, dass ich der einzige war, der eine Barriere im Kopf hatte.

Mit 18 schrieb ein Clubkollege von Einhorn eine Diplomarbeit über mich und meinen Werdegang. Er hat seine erste Begegnung mit mir sehr eindrucksvoll beschrieben. Was ich nicht wusste, er kannte mich schon lange und hat mich wohl in der Zeit, in der ich selbst zu Einhorn stiess das erste mal entdeckt. Er schrieb, dass er eigentlich ein Spiel schaute, doch dann sah er mich und das Spiel war völlige Nebensache. Er fragte sich, woher ich komme, wie ich heisse, und was ich mache… und natürlich warum ich so laufe. All diese Fragen wäre schnell beantwortet gewesen, doch er traute sich nicht, mich anzusprechen.

Diese Zeilen der Diplomarbeit haben mich sehr nachdenklich gestimmt. Bestimmt wären wir super Freunde geworden wenn wir einfach mal über den Schatten gesprungen wären, und Kontakt miteinander aufgenommen hätten. Stattdessen bauen wir Mauern in unseren Köpfen mit Klischees die vollkommener Schwachsinn sind.

Krasse Nebenwirkungen

Heute musste ich zum ersten mal seit langem jemanden um Hilfe bitten, um mein täglicher Einkauf zu erledigen. Es ging einfach nicht anders! Wir werden gerade eingeschneit, der Boden ist rutschig, und ich bin extrem schlecht zu Fuss. Dabei sollte ich in zwei Wochen fit sein, um über 60m Indoor anzutreten.

Ich bin gerade im offenen Schlagabtausch mit meiner Behinderung und ihr habt keine Ahnung wie krass das ist. Ich arbeite an der Koordination und was da passiert, ist gerade schwer zu beschreiben. Die Trainings selbst sind noch ok, doch nach den Trainings beginnt der Horror. Letzten Donnerstag bin ich auf meinem Weg vom Trainingsort zum Zürcher Hauptbahnhof mindestens acht mal umgeflogen. Heute hätte ich ohne Hilfe nicht mehr einkaufen können.

Nach den Trainings geht jeweils nichts mehr. Es ist, als ob mein Körper nicht mehr weiss, wie er gehen soll. Manchmal habe ich das Gefühl, „Wow, jetzt geht’s aber gut“, und in der nächsten Sekunde liege ich. Ich versuche mich irgendwie „Alltagstauglich“ (sofern man das so nennen kann) zu halten. Ich wusste, dass der Kampf hart wird, aber so hätte ich mir das nicht vorgestellt.

Trotzdem sehe ich die Indoor Saison nicht in Gefahr! Ich liebäugle sogar mit dem Letzigrund Meeting das in einer Woche stattfindet. Ich hab endlich eine Übung gefunden, mit der ich die Muskelkoppelung entkoppeln kann. Ich glaube, ich könnte es bis nächsten Samstag hinkriegen, dass ich die Muskelkoppelung zumindest für 60m still legen kann. Ich gehe zwar nicht davon aus, dass die Muskeln dann auf anhieb das Richtige machen, aber zumindest sprinten könnte ich dann. Was dabei zeitlich raus kommt hab ich keine Ahnung. Ich kann nur sagen, es fühlt sich gut an, wenn die Muskeln mal unabhängig was tun.

Der Kampf mit der Behinderung läuft momentan in voller Härte und manchmal frage ich mich, was ich da tue. Doch spätestens wenn ich den Sinn hinterfrage, kommt ein riesiges

No Excuse!

Es kommen all die Kommentare, und all die Hopp Rufe, und ich denke, los, weiter, irgendwann bist es du der, der die Hände in die Luft reisst. DANKE FÜR ALLE DIE HINTER MIR STEHEN, WIE EINE MAUER. Genau das brauche ich momentan. Man sieht sich auf dem Platz!

Stützradkrimi – Angst um meine Gesundheit

Mittlerweile trainierte ich extrem. Es verging kein Tag ohne eine gehörige Portion Sport. Eine Stunde war das minimum. Schulturnen zählte ich natürlich schon gar nicht mehr zum Training. Doch manchmal hatte ich verletzungsbedingte Ausfälle. Es waren keine Akute Verletzungen sondern Entzündungsgeschichten. Ich war am körperlichen Leistungslimit angelangt. Manchmal konnte ich bis zu einer Woche nicht mehr gehen. Das war der Horror.

Während ich mich einfach nur über die Verletzungsausfälle nervte, machten sich die Erwachsenen Sorgen um eine Gesundheit. In einer Zwischenkontrolle im Zürcher Kinderspital wurde mir sogar gesagt dass ich aufpassen soll. Unihockey wäre wohl nicht die richtige Sportart für mich. Das habe viel zu hohe Belastungen. Ich solle doch besser was sanfteres wie Schwimmen oder Fahrradfahren machen. Tatsächlich war Unihockey keine gute Wahl, wenn man im Behindertensport was erreichen will. Denn die Sportart gab es im Behindertensport noch gar nicht. Man prophezeite mir sogar, dass ich, wenn ich so weiter mache, mit 20 nicht mehr gehen kann. Das war einer der schlimmsten Arztbesuche die ich hatte.

Schweren Herzens nahm ich mir vor, mich nun auf das Fahrrad fahren zu konzentrieren. Ja Leute ich meinte das sehr ernst. Denn ich habe es geschafft, eine Woche keinen Stock in die Hände zu nehmen. Dann ertappte ich mich wieder auf dem Feld. Ich liebte diese Sportart einfach zu sehr, um sie aufzugeben!

Mir wurde ein Rollstuhl angepasst. Gesagt wurde mir, dass dies nur für den Sport sei und für die Tage an denen ich nicht laufen kann. Ich weiss aber heute, dass man damals die Befürchtung hatte, dass ich irgendwann in den Rollstuhl fallen werde. Damit ich schon mal den Umgang mit dem Gerät lernte, bekam ich Rollstuhltraining. Wir hatten schon zwei Rollstuhlfahrer in der Schule und dann kamen noch drei externe dazu. So wurde eine Kinderrollstuhlgruppe zusammengestellt. Für Sport war ich immer zu haben, und so machte ich auch hier gerne mit.

Die Verletzungen weiss ich heute was es war. Ich war damals stark im Wachstum, und hatte daher Wachstumsprobleme. Mit Beginn der Pubertät verändern sich auch die Muskeln und bekommen einiges mehr an Power. Während sich die Muskeln sehr schnell aufbauen, brauchen die Sehnen und Knochen einiges länger. In dieser Zeit entsteht eine Überbelastung der Sehnen und Sehnenansätzen. Ein eigentlich bekanntes Problem unter Sportler. Das Problem war, dass ich damals nicht in einem Sportlerumfeld war und so konnte mich niemand auf die Problematik hinweisen.

Ich war einfach ein bisschen zu hart am Limit dran. Man hätte die Trainings zu dieser Zeit nicht so sehr auf Kraft sondern mehr auf Technik und Koordination auslegen sollen. Aber das wusste ich damals halt nicht. Wo die Erwachsenen bereits Abnützungserscheinungen befürchteten waren im Prinzip ganz normale Sportverletzungen, wie sie jeder Spitzensportler kennt. Klar hätte ich diese mit dem richtigen Wissen umschiffen können. Aber Hand aufs Herz, ich hätte trotzdem über die Stränge geschlagen.

Das können wohl die wenigsten verstehen, aber ich glaube jeder junge Spitzensportler schlägt erst mal über die Stränge hinaus. Wirkliche Vollblutsportler braucht man nicht anzutreiben, nur zu bremsen. Das „auch mal zu weit gehen“ gehört einfach dazu. Diese Leute lieben es, sich zu quälen… bis der Körper mit einer Verletzung stop ruft. Irgendwann war dann der Wachstumsschub vorbei, und damit endeten dann auch diese Probleme.

Stützradkrimi – Brief des 38 jährigen Raphael an den 13 jährigen Raphi

Ich war grundsätzlich ein glücklicher Junge, der auch seine Behinderung akzeptiert hat. Im unterschied zu meiner frühen Kindheit wusste ich nun, dass das nicht einfach so verschwinden wird. Grössten Teils war das ok für mich, aber es wäre gelogen, wenn ich nicht auch mit dem „Warum“ zu kämpfen hatte. Ja, es gab auch Tränen, Abends vor dem einschlafen. Damals hätte ich mir nichts sehnlicher gewünscht, als ein Motivationsschreiben von einem anderen Selbstbetroffenen. Der genau wusste, wo ich gerade durchgehe. Heute möchte ich genau das tun. Ich schreibe einen Brief an mich selbst in der Vergangenheit.

Lieber Raphi

Ich schreibe dir aus der Zukunft. Verdammt viele Jahre sind vergangen und ich möchte Dir etwas Mut machen. Das Leben als Behinderter ist wahrlich nicht immer leicht, das wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Du fragst dich gerade warum gerade du Behindert bist. Du willst nicht anders sein, Du willst einfach nur dazu gehören!

Erst mal, vergiss es ganz schnell, dass du nicht dazu gehörst, weil du anders bist. Du bist wie ein spezielles Puzzleteil. Das passt eben nicht überall, ist dafür dort wo es passt umso wichtiger. Es wird nicht so leicht sein, dein Platz zu finden. Wenn Du ihn aber hast, wirst du dort wichtige Funktionen übernehmen.

Ich kann dir sagen, dass ich heute glücklich bin, die Behinderung zu haben. Mein Leben währe ohne sie wohl komplett anders verlaufen. Ich musste sehr früh lernen, für mich und meine Träume einzustehen. Ich lernte früh zu kämpfen und zu verlieren. Nur so konnte ich zum Gewinner werden. Viele meiner Träume habe ich verwirklicht und gelebt. An anderen Träumen arbeite ich gerade. Dadurch durfte ich ein Vorbild für viele Menschen werden. Hört sich toll an oder? Nein, es ist noch viel schöner als du dir das vorstellst. Das Gefühl wenn jemand zu dir kommt und sagt: „Dank dir habe ich…“ lässt sich nicht beschreiben, man muss es erlernt haben.

Ja, als Behinderter schwatzen einem alle rein. Lehrer, Erzieher, Therapeuten, Ärzte und auch die Eltern. Alle glauben zu wissen, was für einem gut ist, und was nicht. Alle zerren an dir, um dich in die „richtige“ Bahn zu bringen. Das ist absolut hässlich. Lass dich von ihnen nicht einfach so von der Bahn bringen. Wenn du einen Traum hast, folge ihm. Auch wenn du heute noch nicht weisst, wie du ihn erreichen willst.

Sie werden Dich auf Teufel komm raus versuchen so normal wie möglich zu machen. Doch dieser Weg ist von Beginn an zum Scheitern verurteilt. Als Behinderter muss man den Ort finden wo man rein passt und man seine Stärken ausspielen kann. Trotzdem ist es wichtig Du an deinen Schwächen (zu der auch die Behinderung gehört) arbeiten.

Ich hoffe, dich damit etwas motiviert zu haben. Gib Vollgas und Behindere dich nicht selbst, in dem du überall nur Behinderung siehst!

Liebe Grüsse
Raphael (mit 38 Jahren)

Und nein, dieser Brief ist nicht ausschliesslich für den kleinen Raphael, und auch nicht ausschliesslich für Behinderte. Wenn Du dich davon angesprochen fühlst, ist er wohl auch für dich.

Der anhaftende Ruf

„Hallo Raphael, sieht man dich auch wieder mal“, fragt jemand aus dem Dorf. „Ich dachte schon, du bist wieder mal auf Weltreisen.“ Jemand anders meint sofort: „Mit dem Velo, ist ja gerade das richtige Wetter dafür.“ (es ist kalt und Regnet) „Ja bei dem weiss man nie, dem ist alles zuzutrauen.“

Andere Szene. Ich drehe relativ gemütliche Runden im Dorf mit meinem Fahrrad. „Da kommt er schon wieder.“ Dann zu mir: „Raphael, jetzt bist du doch erst da durchgefahren, schon wieder eine Runde gemacht.“ Ich: „Ach das ist gemütliches fahren.“ Beim weiter fahren diskutieren die zwei Personen weiter: „Der Wille den der hat.“ Die zweite Person: „Den sieht man bei jedem Wetter.“

Ach was hätte ich gegeben, solche Kommentare in meinen Jugendjahren zu hören. Als junger Sportler, wo ich wirklich noch gekämpft habe. Wo ich mich noch wirklich nicht vom Wetter zurückhalten liess. Damals saugte ich solche Komplimente auf wie ein Schwamm. sie mussten mir Motivation für die nächsten Monate geben. Heute höre ich das wöchentlich. Ich finde es immer noch schön, allerdings weiss ich auch, dass ich heute nicht mehr der Knallharte Spitzensportler bin.

Ja, ich trainiere noch… ich habe allerdings auch keine andere Wahl. Denn wenn ich nicht irgendwann im Rollstuhl landen will, muss ich mich fit halten. Ich trainiere rein nur noch aus Therapeutischen zwecken. Sportliche Ambitionen habe ich mit meinen 38 Jahren keine mehr. „Halt Raphael, immerhin bist du noch am Arbeiten an deiner Behinderung“, werden jetzt einige sagen. Klar, aber ich bezeichne das nicht wirklich als Sportliche ambition.

Wenn man den Aufwand für den Sport vor 10 Jahren und heute vergleicht, so mache ich heute vermutlich noch ein viertel so viel wie damals. Die Trainingsintensität ist heute lächerlich. Früher waren Trainings an den Leistungsgrenzen Alltag für mich. Heute mach ich das nur noch, wenn ich mal bock drauf hab, mich ein bisschen zu quälen.

Ich habe lange gekämpft, für meinen Ruf als knallharter Vollblut Sportler. Jetzt habe ich ihn, und er haftet mir an. Ja, man kann den Raphael von früher für seine Sportlichen Leistungen bewundern. Aber heute bin ich meiner Meinung nach ein ganz normaler Hobbysportler wie jeder andere auch. Ich lebe ja immer noch vom Staat. Ich wundere mich manchmal, warum das den anderen Dorfbewohnern so egal ist. Schliesslich brauche ich ihr Geld. Aber die Einstellung scheint zu sein. So lange er Trainiert und Fahrrad fährt, zahlen wir gerne. (Das wurde mir sogar schon direkt ins Gesicht gesagt)

Die Frage ist halt ob mir das reicht? und diese Antwort ist ganz klar „NEIN.“ Mein Ziel ist es, Finanziell unabhängig zu leben und dass das ausserhalb des aktiven Sportes passieren wird, ist wohl allen klar. Ich bin nicht mehr der Sportler, und will es auch nicht mehr sein. Aber es wird wohl wieder lange dauern, bis ich anders wahrgenommen werde.