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Starte ich dieses Wochenende?

Dieser Blog wird etwas kürzer, denn ich möchte Euch nur schnell über die aktuelle Lage meines Körpers informieren.

Letzte Woche war immer noch ein auf und ab. Mal ging es mit laufen, mal nicht. Das Meeting im Letzigrund musste ich aus lassen, weil es einfach nichts gebracht hätte. Es gibt tatsächlich Momente, da läuft das mit der Koordination schon recht gut und einige Stunden später ist wieder alles zu Sau.

Diese Woche werde ich versuchen, ob ich mich mittels spezieller Vorbereitung für 60m sprintready machen kann. Zudem werde ich noch neue Schuhe kaufen. Die jetzigen sind strukturell durchgelaufen. Sie haben nicht mehr die Stützfunktion im Innenfuss, die für mich wichtig ist. Zudem beginnen sich auch wieder die Sohlen zu lösen. Schuhe kaputt kriegen ist also nach wie vor kein Problem. 😉

Falls es mit den Tests was wird, werde ich ein Startversuch wagen. Ich habe Basel und St. Gallen zur Auswahl. Für Basel spricht eigentlich der Doppelstart, aber ich glaube nicht dass mir dieses Jahr ein solcher was bringt. Ich denke eher, wenn ich mich auf einen Lauf heiss kriege, dann ist das schon super. Da man in St. Gallen in der Halle aufwärmen kann, werde ich mich vermutlich für St. Gallen entscheiden. Ganz sicher ist es allerdings noch nicht. Ich werde Euch noch mal darüber informieren.

Wenn ich starte, dann ist das als ein erster Versuch zu werten. Die Entkoppelung ist immer noch im Gange und es braucht jede Menge Geduld. Das Fiese an der Sache ist, dass ich noch keine Ahnung habe, in welche Richtung es dieses mal geht. Manchmal habe ich selbst meine Zweifel, auf dem richtigen Weg zu sein. Ein Erlebnis wie letztes Jahr in Thun könnte ich jetzt gut gebrauchen. Ich bleibe dran.

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Krasse Nebenwirkungen

Heute musste ich zum ersten mal seit langem jemanden um Hilfe bitten, um mein täglicher Einkauf zu erledigen. Es ging einfach nicht anders! Wir werden gerade eingeschneit, der Boden ist rutschig, und ich bin extrem schlecht zu Fuss. Dabei sollte ich in zwei Wochen fit sein, um über 60m Indoor anzutreten.

Ich bin gerade im offenen Schlagabtausch mit meiner Behinderung und ihr habt keine Ahnung wie krass das ist. Ich arbeite an der Koordination und was da passiert, ist gerade schwer zu beschreiben. Die Trainings selbst sind noch ok, doch nach den Trainings beginnt der Horror. Letzten Donnerstag bin ich auf meinem Weg vom Trainingsort zum Zürcher Hauptbahnhof mindestens acht mal umgeflogen. Heute hätte ich ohne Hilfe nicht mehr einkaufen können.

Nach den Trainings geht jeweils nichts mehr. Es ist, als ob mein Körper nicht mehr weiss, wie er gehen soll. Manchmal habe ich das Gefühl, „Wow, jetzt geht’s aber gut“, und in der nächsten Sekunde liege ich. Ich versuche mich irgendwie „Alltagstauglich“ (sofern man das so nennen kann) zu halten. Ich wusste, dass der Kampf hart wird, aber so hätte ich mir das nicht vorgestellt.

Trotzdem sehe ich die Indoor Saison nicht in Gefahr! Ich liebäugle sogar mit dem Letzigrund Meeting das in einer Woche stattfindet. Ich hab endlich eine Übung gefunden, mit der ich die Muskelkoppelung entkoppeln kann. Ich glaube, ich könnte es bis nächsten Samstag hinkriegen, dass ich die Muskelkoppelung zumindest für 60m still legen kann. Ich gehe zwar nicht davon aus, dass die Muskeln dann auf anhieb das Richtige machen, aber zumindest sprinten könnte ich dann. Was dabei zeitlich raus kommt hab ich keine Ahnung. Ich kann nur sagen, es fühlt sich gut an, wenn die Muskeln mal unabhängig was tun.

Der Kampf mit der Behinderung läuft momentan in voller Härte und manchmal frage ich mich, was ich da tue. Doch spätestens wenn ich den Sinn hinterfrage, kommt ein riesiges

No Excuse!

Es kommen all die Kommentare, und all die Hopp Rufe, und ich denke, los, weiter, irgendwann bist es du der, der die Hände in die Luft reisst. DANKE FÜR ALLE DIE HINTER MIR STEHEN, WIE EINE MAUER. Genau das brauche ich momentan. Man sieht sich auf dem Platz!

Die Änderungen im Laufstil scheinen zu bleiben

Vor etwas mehr als einem Monat habe ich über Änderungen in meinem Laufstil geschrieben. In diesem Blog habe ich damals über den Trainingsstand und über die damit verbundenen Probleme berichtet. Damals schrieb ich auch, dass der Körper dauernd neue Impulse braucht, damit er nicht einfach wieder in das alte Muster zurückfällt.

Genau das scheint jetzt nicht mehr der Fall zu sein. Denn obschon ich über die Festtage keine Impulse setzte, scheint der Körper an dem neuen Laufstil festzuhalten. Einige werden sich nun fragen, wie es dann mit den unschönen Begleiterscheinungen aussieht.

Eine Zeit lang waren diese wirklich schlimm. So schlimm, dass sie den Alltag wirklich negativ beeinflussten. Ich musste ständig aufpassen, dass ich nicht hinflog und manchmal liessen sich Stürze auch gar nicht vermeiden. Doch momentan geht es langsam aufwärts. Die Muskelkoppelung ist zwar noch vorhanden, aber sie schwächt sich ab. Nun heisst es an den neuen Bewegungsmuster arbeiten.

Meine Gangart sieht momentan schlechter aus als früher. Das hängt vor allem damit zusammen das ich gewisse Kompensationsmethoden aufgegeben habe obschon die neuen Bewegungsmuster noch nicht bereit sind. Zwar versucht mein Körper immer wieder mal, neue Muster anzuwenden, meist geht der Schuss aber nach hinten los, da die Muskelkoppelung alles zerstört. Wenn das mal nicht der Fall ist, lässt sich im Ansatz erahnen welche Energien hier freigesetzt werden könnten.

Die Tatsache, dass mein Körper nun tatsächlich bereit ist, neue Muster zu lernen und die kurzen Lichtblicke, wenn es mal zwei drei Schritte besser klappt, lassen mich hoffen. Schnelle Erfolge erwarte ich allerdings keine. Alles in allem bin ich aber optimistischer denn je, dass die Behinderung nicht einfach in Stein gemeisselt ist. Ich glaube sogar, dass mein Sieben Jahres Ziel aufgehen könnte, und ich in der Saison 2025 normal gehen kann. Und selbst wenn das nicht ganz so sein sollte, dann glaube ich doch noch an grosse Fortschritte.

Ja, das Ziel normal gehen habe ich mir schon mindestens sieben mal gesteckt, und bin kläglich gescheitert. Doch der Unterschied zu früher ist, dass ich ganz andere Waffen in der Hand habe. Ich habe endlich Trainingsmethoden gefunden die wirken! Ich habe in den letzten Jahren viel Zeit investiert, meine Behinderung zu verstehen. Es lassen sich eben nicht alle Ziele auf biegen und brechen durchsetzen.

Der Weg dorthin ist leider sehr hart und man muss offenbar auch herbe temporäre Rückschläge einstecken können. Das ist besonders übel, weil sie meist auch den Alltag betreffen. Der Frontalangriff auf die Behinderung wird im neuen Jahr sogar noch forciert. Und die Opferbereitschaft meinerseits ist hoch. Neben dem „Grab der Stützräder“ und dem „Grab des Lymphdrüsenkrebs“ ist noch ein Platz frei. Der ist für dich bestimmt liebe Behinderung! Geniesse deine Triumpfe noch solange sie noch da sind!!!

Der anhaftende Ruf

„Hallo Raphael, sieht man dich auch wieder mal“, fragt jemand aus dem Dorf. „Ich dachte schon, du bist wieder mal auf Weltreisen.“ Jemand anders meint sofort: „Mit dem Velo, ist ja gerade das richtige Wetter dafür.“ (es ist kalt und Regnet) „Ja bei dem weiss man nie, dem ist alles zuzutrauen.“

Andere Szene. Ich drehe relativ gemütliche Runden im Dorf mit meinem Fahrrad. „Da kommt er schon wieder.“ Dann zu mir: „Raphael, jetzt bist du doch erst da durchgefahren, schon wieder eine Runde gemacht.“ Ich: „Ach das ist gemütliches fahren.“ Beim weiter fahren diskutieren die zwei Personen weiter: „Der Wille den der hat.“ Die zweite Person: „Den sieht man bei jedem Wetter.“

Ach was hätte ich gegeben, solche Kommentare in meinen Jugendjahren zu hören. Als junger Sportler, wo ich wirklich noch gekämpft habe. Wo ich mich noch wirklich nicht vom Wetter zurückhalten liess. Damals saugte ich solche Komplimente auf wie ein Schwamm. sie mussten mir Motivation für die nächsten Monate geben. Heute höre ich das wöchentlich. Ich finde es immer noch schön, allerdings weiss ich auch, dass ich heute nicht mehr der Knallharte Spitzensportler bin.

Ja, ich trainiere noch… ich habe allerdings auch keine andere Wahl. Denn wenn ich nicht irgendwann im Rollstuhl landen will, muss ich mich fit halten. Ich trainiere rein nur noch aus Therapeutischen zwecken. Sportliche Ambitionen habe ich mit meinen 38 Jahren keine mehr. „Halt Raphael, immerhin bist du noch am Arbeiten an deiner Behinderung“, werden jetzt einige sagen. Klar, aber ich bezeichne das nicht wirklich als Sportliche ambition.

Wenn man den Aufwand für den Sport vor 10 Jahren und heute vergleicht, so mache ich heute vermutlich noch ein viertel so viel wie damals. Die Trainingsintensität ist heute lächerlich. Früher waren Trainings an den Leistungsgrenzen Alltag für mich. Heute mach ich das nur noch, wenn ich mal bock drauf hab, mich ein bisschen zu quälen.

Ich habe lange gekämpft, für meinen Ruf als knallharter Vollblut Sportler. Jetzt habe ich ihn, und er haftet mir an. Ja, man kann den Raphael von früher für seine Sportlichen Leistungen bewundern. Aber heute bin ich meiner Meinung nach ein ganz normaler Hobbysportler wie jeder andere auch. Ich lebe ja immer noch vom Staat. Ich wundere mich manchmal, warum das den anderen Dorfbewohnern so egal ist. Schliesslich brauche ich ihr Geld. Aber die Einstellung scheint zu sein. So lange er Trainiert und Fahrrad fährt, zahlen wir gerne. (Das wurde mir sogar schon direkt ins Gesicht gesagt)

Die Frage ist halt ob mir das reicht? und diese Antwort ist ganz klar „NEIN.“ Mein Ziel ist es, Finanziell unabhängig zu leben und dass das ausserhalb des aktiven Sportes passieren wird, ist wohl allen klar. Ich bin nicht mehr der Sportler, und will es auch nicht mehr sein. Aber es wird wohl wieder lange dauern, bis ich anders wahrgenommen werde.

Stützradkrimi – Knallhartes Sommertraining

Langsam wurde ich älter, und mein erstes Therapierad wurde mir zu klein. Eigentlich hätte das zu der IV (Invaliden Versicherung) zurück müssen, dass es wieder einem anderen Kind dienen konnte. Doch mein Stützrad Fahrrad war schrottreif. Material schonen war noch nie mein Ding. Jetzt stand ein neues Fahrrad an. Zusammen mit meinem Fahrradmechaniker wurde ein neues Rad ausgesucht und umgebaut. Das erste mal hatte ich fünf Gänge und ein Freilauf. Mein erstes Fahrrad hatte starrlauf, Dafür konnte ich damit auch rückwärts fahren, was ziemlich eigenartig aussah. Ebenfalls hatte ich keine Arretierbremse mehr. Aber die Vorteile von Freilauf und Gänge überwogen.

Die Freude war riesig und ich musste natürlich das Fahrrad gleich austesten. Austesten ist vielleicht etwas untertrieben. Es wurden 20km dann 30km. Irgendwann meinte meine Mutter: „Übertreib es nicht, kannst ja morgen wieder fahren.“ Geht’s noch, wenn ich morgen schon wieder Fahre hab ich was falsch gemacht. Ich bin auf Rekordtour. Bei 49km war Schluss. Mein Hintern hätte schon vorher aufgehört, aber mein Kopf liess das mal wieder nicht zu. Fazit des Tages… Cooles Fahrrad, aber ich brauche dringend Radlerhosen!

Doch es war nicht nur die erste Freude. Mir ist zu Ohren gekommen, dass Eishockeyaner und Unihockeyaner ein Sommertraining absolvieren. Das soll besonders hart sein und man hat meist nicht mal den Stock in der Hand. Warum man den Stock da nicht in die Hand nehmen soll, begriff ich zwar nicht. Aber wenn das die Stars so machen wird das wohl schon seine Richtigkeit haben.

So nahm ich mir vor, jeden Abend nach der Schule noch 10km mit dem Rad zu machen. Und ich nahm mir das nicht nur vor, ich tat es auch. Am Wochenenden mussten mindestens ein mal die 20er Marke fallen. Man überlege sich das mal, welche Selbstdisziplin ich da an den Tag legte. Ich meine, ich war zwölf Jahre alt damals und machte solch ein Training. Ein Grossteil der Unihockey und Eishockey Junioren empfinden Sommertraining als eine Qual und machen es oft nur, weil es der Trainer verlangt. Etwas hat sich in mir verändert. Ich wurde zum Leistungssportler.

Ich weiss, dass ich in dieser Zeit auch die ersten Trainings hatte, die ich als eine Last empfand. Nicht falsch verstehen, überwiegend machte mir das Spass, aber es kamen die ersten Momente, wo ich mich für ein Training überwinden musste. Ich merkte dann aber auch sehr schnell, dass der Stolz danach umso grösser ist. So drehte ich eisern meine Runden Tag für Tat, Woche für Woche. Gegen den Spätherbst hatte ich dann 1600km auf dem Tacho. Mehr als mit dem vorherigen Fahrrad über all die Jahre.

Doch es gab für mich noch ein Highlight. Meine Gotte (Patentante) lud mich auf eine Fahrradtour ein. Es soll eine kleine drei Länder Tour am Bodensee entlang werden. In zwei Tagen wollten wir von St. Margreten (CH) über Bregenz (A) nach Friedrichshafen (D) fahren. Das war ungefähr 65km alles in allem. Ich wollte eigentlich noch die 50km an einem Tag schaffen. Das hab ich aber meiner Gotte nicht gesagt.

Nach 25 km fragte sie bereits, ob ich noch weiter will… natürlich wollte ich. Meine Gotte hat dann ab 30km angefangen Unterkünfte zu suchen. Doch ich hatte einen Mitspieler bei meinem zweiten Rekordversuch und der hiess „Hotelausgebucht.“ Wir fanden einfach gar nichts und so knackte ich die 50km. Nach 55 km kamen wir dann in einem teuren Hotel der gehobeneren Klasse unter. Alles andere war ausgebucht. Am anderen Tag waren wir dann allerdings froh, so weit gekommen zu sein. Denn wir hatten Dauerregen. Ich überschritt mit 12 Jahren das erste mal die 50km Marke mit meinem Stützrad-Fahrrad. Ich war stolz auf mich. Erstes Sommertraining gut gemeistert!

Wieder mal ein Bericht vom Training

In letzter Zeit hatte ich viel über die Vefko und so weiter erzählt. Doch viele fragen sich, wie es eigentlich mit dem Training läuft. Ja, ich habe es ein paar mal in den Blogs durchschimmern lassen, es gab wenig zu feiern was den Sport anbelangt. Mein Linkes Knie machte Probleme und die Laufkoordination war unterirdisch.

Doch wer mich kennt, weiss, dass ich auch nicht so schnell das Handtuch werfe. Für mich war klar, die Trainings waren falsch und so schraubte ich mal wieder ein bisschen. Die Fahrradtraining machte ich schneller aber kürzer. Lustigerweise tat nach der kürzeren aber doch deutlich intensiveren Belastung das Knie weniger weh. Durch die Höhere Intensität und die gesteigerte Kadenz wollte ich die Koordination verbessern. Das ist mir glaub schon etwas gelungen.

Eigentlich dachte ich, dass ich in der letzten Zeit mehr Rückschritte machte. Und das ist wohl auch das was man nach aussen sieht. Doch das was man sieht entspricht nicht immer der Wahrheit, und oft sind Temporäre Rückschritte sogar unumgänglich um Fortschritte zu erzielen.

Gestern machte ich mal wieder Treppentraining. Das ist eine hervorragende Möglichkeit meine Waden zu aktivieren. Ich habe meine Waden mein Leben lang kaum gebraucht. Ich machte fast alles aus den Oberschenkel. Das ist natürlich falsch, aber da aufgrund meiner CP die Waden nur schlecht ansteuerbar sind, war es wohl die effizienteste Lösung. Die Letzte Saison gelang mir die kleine Sensation, genau diese Waden deutlich besser anzusprechen. Ein bewusster Befehl (Zum Beispiel Fuss runter) dauerte am Anfang im Schnitt 3 Sekunden bis zur Ausführung. Im gestrigen Training schaffte ich nach dem Aufwärmen Reaktionszeiten von 0,5 Sekunden. Das ist schon ordentlich schnell und eine massive Verbesserung.

Das Problem an der Sache, die Ansteuerung funktioniert nur bewusst. Ins Bewegungsmuster ist das ganze noch nicht eingebaut. Möglicherweise versucht aber der Körper genau das zu machen, und provoziert damit all die Probleme die ich aktuell habe. Ich machte heute im Training nämlich eine witzige Entdeckung. Immer wenn ich die Wade anspanne, reagieren auch andere Muskeln auf den Befehl… unter anderem der Kniebieger… das kann eigentlich nur schief gehen oder?

Irgendwie sind die beiden in den Tiefen meines Bewegungsmusters gekoppelt. Warum hab ich noch nicht ganz rausbekommen. Aber diese Koppelung ist jetzt offenbar verhängnisvoll. Immer wenn mein Fuss wegdrücken will, Zieht das rechte Knie an, die Energie geht ins leere, ich sacke ein, und muss das ganze mit dem linken Bein auffangen. Irgendwie nicht verwunderlich, dass dann das linke Knie mit Schmerzen grüsst.

Ich muss also erst mal wieder alte Bewegungsmuster killen um die Neuen überhaupt anwenden zu können. Wenn die Waden allerdings wirklich im Einsatz sind, und sie sich auch nur halbwegs in den Bewegungsablauf einfügen, dürfte ich eine ganz andere Kraftübertragung auf den Boden haben. Das dürfte dann sehr spannend werden, wie sich das in der Halle über die 60m Sprint auswirkt.

Motorisch gesehen ist das alles höchst spannend, was da abgeht. Nur schon dass es möglich ist, mit 38 noch mal Änderungen an so etwas fundamentalem wie den Bewegungsmustern vorzunehmen, finde ich krass. Die Begleiterscheinungen sind unschön, doch für das Ziel „Normal gehen“ nehme ich auch temporäre Rückschritte in den Kauf. Denn dieses Ziel ist es Wert zu leiden!

Und alle die es gerade auch nicht so leicht haben, Fahne hoch, und auf in die Schlacht… denn genau wenn es nicht läuft, muss man Flagge zeigen!

Stützradkrimi – Unihockey holt mich auch Trotz Stützradfahrrad wieder ein

Unbenannt

Dieses Bild zeigt mich mit meinem ersten Stützradvelo. Ein Therapierad von Haverich. Es ist ein frühes Foto, da hatte ich noch kein Tachometer am Fahrrad. Das Foto ist nicht umsonst verschwommen, ich war zügig unterwegs. Dieses blaue Gefährt war für mich ein Heiligtum, dass man mir nicht nehmen durfte. Immer wenn es das Wetter irgendwie zuliess, war ich am Fahrradfahren. Wobei… der limitierende Faktor war da nicht selten meine Mutter. „Heute ist zu schlechtes Wetter, mach was drinen“, hiess es dann oft.

Doch manchmal konnte ich mich auch durchsetzen, und durfte im Regen rumkurven. So blöd das tönt, das war für mich immer ein spezieller Moment. Nichts von rumjammern wegen schlechtem Wetter. Nein, ich kämpfte sogar dafür, dass ich im schlechten Wetter trainieren durfte.

Doch es gab da ein ernstzunehmenden Konkurrenten zum Fahrrad. Es ist die „Krankheit“ Unihockey, die damals gerade in der Schweiz grassierte. Die Sportart legte in der Schweiz einen unvergleichlichen Boom hin und genau in diesem Boom durfte ich gross werden. Ich habe zwar das Unihockey seit des Schulwechsels etwas verloren, aber ganz los gelassen hat es mich nicht.

In der 5. Klasse hatten wir einen neuen Turnlehrer. Der stand neuen Sportarten aufgeschlossener gegenüber. Da spielten wir auch ab und zu Unihockey. Es gab nur ein Problem… die Schläger die wir hatten, waren sowas von nicht zu gebrauchen. Also wünschte ich mir auf meinen Geburtstag einen Unihockeystock. Das war ein ganz einfaches Teil. Eigentlich einfach ein Kunststoffrohr mit einer Plastikkelle dran, das wars. Besser als die Stöcke der Schule war er auf jeden Fall.

Die Unihockeystunden im Turnen wurden jeweils vorher angekündigt. Voller Stolz marschierte ich dann mit dem Stock Richtung Turnhalle. Das waren für mich immer ganz spezielle Momente. Die Vorbilder von uns waren damals übrigens noch die Eishockey Spieler des EV Zug’s. Legenden dieser Zeit: Ken Yaremchuk, Misko Antisin und Dino Kessler.

Unweigerlich nahm mich der Sport immer mehr in den Beschlag. Ich liebte es einfach, die Action, das sehen wie man sich verbessert, die Leistung. Ich war stolz auf meine kräftigen Oberschenkel und stolz über jeden coolen Spielzug den ich auf dem Feld machte. Ich war halt ein Sportler.

In den Augen meinen Eltern sah es wohl etwas anders aus. Sie haben zu diesem Zeitpunkt den Sport gar nicht als Sport gesehen, sondern einfach nur als ein Hobby, dass mir Freude bereitete. Die Verbissenheit konnten meine Eltern nie so recht verstehen.

Natürlich hatte ich als Kind nicht nur Sport gemacht. Musik war ein wichtiger Bestandteil. Ich sang regelmässig Solos in unserem Schulchor und in unserem alljährlichen Theater hatte ich gar einmal die Hauptrolle. Darüber waren meine Eltern vermutlich stolzer als über mein rumgehopse auf dem Sportfeld. Musik war für mich damals auch wichtig. Nur es gibt Gründe, weshalb ich später den Sport bevorzugen sollte.

Da ich den Heimweg aus der Schule nicht alleine Bewältigen konnte, wurde ich eine Weile von Leuten aus meinem Dorf abgeholt. Eines Abends sah mich eine Frau mit dem Unihockeystock. Auf der Rückfahrt fragte sie mich erstaunt: „Spielst du Unihockey?“ Ich geriet sofort ins Schwärmen. Sie sagte mir dass ihr Sohn bei UHC Einhorn Hünenberg spielt. „Was Hünenberg hat ein Unihockey Club? Wie cool ist das denn. Seit jenem Abend wusste ich, zu diesem Club gehöre ich. Doch wie soll ich da hin kommen? Jedes andere Kind hätte seine Mutter bekniet, es doch dort anzumelden. Aber ich war behindert… was will ich mich da anmelden, das gibt bestimmt gleich eine Ablehnung. Das mit dem nicht reinpassen in die Welt der Nichtbehinderten kennen wir ja schon von der Schule. Die kommende Zeit wird nicht so einfach für mich. Weil mir die Behinderung immer wieder im Wege stand. Doch das konnte ich nicht ändern. Ich musste da durch.

Fanerlebnisse

Wenn man auf dem Sportplatz stehts alles gibt, bekommt man irgendwann auch Fans. Bewundert zu werden ist was schönes, und gibt Antrieb für die weiteren Trainings. Manchmal wird es allerdings auch skurril. Hier ein paar Erlebnisse von mir.

Ich war mit meiner Leichtathletik Trainingsgruppe im Trainingslager in Bad Dürrheim (D). Wir hatten gerade unsere Trainings Session fertig und machten uns auf den Weg zurück in die Herberge. Leichtathletik Trainingsplätze sind ja meist auch öffentlich zugänglich und so schauen da schon manchmal ein paar Leute beim Training zu. Als ich dann die Anlage verlassen wollte, wurde ich von einem älteren Herrn angesprochen: „Was dies für eine riesen Leistung sei, usw.“ Der Herr hat mich offenbar schon länger beobachtet und mir nach dem Training abgepasst.

Als ich noch Unihockey spielte, war ich für kurze Zeit in einer Trainingsgruppe in Chur. Wir hatten nach einem Junioren Team von Chur Unihockey training. Als wir in die Halle gingen kreuzten wir uns. Da hörte ich hinter mir jemand sagen: „Was will denn der hier.“ Vermutlich konnte sich der Junior nicht ganz vorstellen, dass jemand mit so einer Behinderung Unihockey spielen kann. Wir begannen mit dem Einspielen und plötzlich höre ich von der kleinen Zuschauertribüne: „Bua, krass seht euch das an.“ Die Junioren waren offenbar total begeistert, von dem was ich da auf das Feld zauberte. Da man in Mannschaftssportarten auf dem Feld Kommuniziert und öfter mal den Namen eines Mitspielers ruft, fanden die Kids meinen Namen heraus. Da fielen sie komplett in den Fan Modus, und riefen in Sprechchören mein Namen.

Doch es geht noch extremer. An einem Leichtathletik Meeting vor ein paar Jahren wollte ich einen Clubkollegen begrüssen, der gerade gekommen war. Dabei ging ich an der Zuschauertribüne vorbei. Ein Herr und ein Junge grüssten mich aussergewöhnlich freundlich. Ich grösste zurück ging aber weiter. Nachdem ich mit meinem Kollegen ein paar Worte getauscht hatte. Schaute ich ein bisschen den Wettkämpfen zu. Plötzlich sah ich den Jungen und der Herr die miteinander diskutierten: „Schon eine riesen Leistung“, „Und so wie der geht… unglaublich.“ Sie sprachen offensichtlich über mich! Das Ding war, ich stand nur drei Meter entfernt und konnte alles mithören, aber sie hätten nicht den Mut gehabt mich direkt anzusprechen. Irgendwann wurde mir das Spiel dann zu blöd, und ich hab die beiden Angesprochen. Nachdem das Eis gebrochen war, hatten wir eine gute Diskussion. Der Vater und Sohn hatten viele Fragen an mich.

Dass ich auf dem Sportplatz angesprochen werde, ist für mich längst normal. Ich meine, da falle ich einfach so auf, da gehört das dazu. Doch letzten Winter hatte ich ein anderes Erlebnis. Ich war auf dem Weg ins Training im voll besetzten Tram in Zürich. Da stand eine Person, die schaute mich an, als würde sie mich kennen. Plötzlich meinte der junge Mann: „Oder du kommst doch aus Landquart.“
Ich: „Ja, bist nahe dran… aber nicht ganz.“
Fan: „Du machst doch viel Sport.“
Ich: „Das kann ich nicht leugnen.“
Fan: „Oder du heisst doch Raphi.“
Ich: „Ja das stimmt… und was weisst du sonst noch über mich, und von wo kennst du mich überhaupt.“
Es stellte sich heraus, dass mich die Person überhaupt nicht kannte. Kollegen hatten von mir erzählt… offenbar so begeistert, dass die Person mich dann im voll besetzten Abendverkehrs Tram angesprochen hat. Das fand ich ziemlich komisch, und ehrlich gesagt auch etwas Unangenehm.

In Malans kennen mich die meisten und da habe ich auch einige Fans. Von einem Jungen weiss ich seit langem, dass er Fan ist von mir. Ich drehe meine Runden im Dorf und der Kleine begegnet mir… Winkt und grüsst wie wild. Ich grüsse zurück, halte aber nicht an, weil ich im Training bin. Hinter meinem Rücken höre ich sein Freund zu ihm sagen: „Wer war das?“ Der kleine Fan ganz entgeistert: „Kennst du den nicht! das ist Raphi, der ist mega berühmt.“ Ich musste schon etwas schmunzeln, aber es war halt auch ziemlich süss, da der kleine das Todernst meinte.

Ja, solche Sachen erlebe ich immer wieder. Wenn ihr wollt, gibt’s noch einen Teil zwei davon. Habe durchaus noch mehr solche Erlebnisse auf Lager.

Stützradkrimi – Der Sport lebt weiter

Bald war ich auch über die Enttäuschung des Schulwechsels hinweg. Ich war kein Kind der Traurigkeit, und so versuchte ich das Beste aus der Situation zu machen. Unihockey konnte ich momentan nicht spielen. Denn die Stöcke gehörten dem Schulhaus. An der neuen Schule waren die Pausen ganz anders. Keine grosse Action. Alle standen herum, und diskutierten miteinander. Es wurde auch kein Fussball gespielt. Ich wollte das ändern, und ging bis vor die Schulleitung um sie von meiner Unihockey Idee zu überzeugen. Ich meine, es brauchte ja nur ein paar Schläger, Ballen und zwei Tore. Die Schulleitung wies meine Idee ab, mit der Begründung: „Das wäre für Seebehinderte und Blinde Kinder zu gefährlich.“

In der Turnstunde genau die selbe Antwort. Ja, da gab es so was ähnliches wie Unihockey Stöcke, aber die waren gut versteckt im Lehrerzimmer. In der vierten Klasse hatte ich eine Sportlehrerin älteren Semesters, die ausserhalb von Leichtathletik und Geräteturnen wenig kannte. Es war schon eine Ausnahme, wenn wir mal ein Ballspiel machen konnten. Und eigentlich kannte sie nur ein Ballspiel. Ein Fussball, wo die Gruppen getrennt waren, und die ganze Wand bis zu einer gewissen Höhe als Tor galt. Die Mannschaften durften die Mittellinie jeweils nicht überschreiten. Gespielt wurde mit einem relativ grossen und weichen Ball. Das war aber schon ein Highlight. Die Turnstunden ohne grosse Action waren nicht so ein Ding für Jungs, aber besser als Schule war es allemal.

Was Sport anbelangte war ich schon damals sehr hart im nehmen. Mich konnte man rumscheuchen bis ich auf allen vieren kroch. Aufgeben gehörte schon damals nicht zu meinem Wortschatz. Im Sommer mussten wir manchmal ein bisschen längere Strecken laufen. „So, jetzt machen wir noch eine grosse runde“, meinte dann jeweils die Lehrerin. Und schon ging das Geklöne los. Auch wir waren phantasievoll im finden von Ausreden. Ich hätte es leicht gehabt. denn ich hätte Aussetzen können. Aber mein Kopf war immer dagegen, solche Sonderbestimmungen anzunehmen.

Gejoggt bin ich auch in meiner Freizeit. Ich hatte eine kleine Runde, vielleicht 700m die ich selbst machen durfte. Auf die Finnenbahn im Wald begleitete mich jeweils meine Mutter. Mit zügig marschieren konnte sie mir folgen. 1km Joggen schaffte ich damals schon.

Der Schulsporttag stand vor der Tür, und wir konnten auswählen welche Disziplinen wir machen wollten. Zur Auswahl stand auch der 1000m. Die meisten meiner Klasse machten einen grossen Bogen um diese harte Disziplin. Ich musste mich aber unbedingt anmelden.

Am Sporttag hatten wir schönes Wetter und dem entsprechend heiss. Wir machten alle unsere Disziplinen. Ich war relativ schnell durch und so war noch etwas Zeit zum Ausruhen vor dem 1000er. Plötzlich kam eine Lehrerin zu mir.
„Bist du müde Raphael?“
„Nein, ich ruhe mich nur noch etwas aus vor dem 1000 Meter“, antwortete ich.
„Du machst den 100 Meter? Bist du dir sicher?“ fragte die Lehrerin ungläubig.
„Klar bin ich mir sicher… ich bin im Training schon paar mal 1000 Meter gelaufen“, war meine Antwort.

Dann ging es an den Start. Es war Mittag und die Sonne brannte. Ein bisschen nervös war ich schon. Jetzt einfach mein Tempo laufen und am Anfang nicht zu schnell rein. Nachdem mir noch etwa Fünf mal gesagt wurde, dass ich nicht laufen muss, wenn ich nicht will, standen wir am Start. Jetzt war ich heiss. 2,5 Runden auf der 400m Bahn lagen vor mir. Startkommando und los gings. Ich war natürlich sofort der letzte, aber das spielte mir keine Rolle. Ich wurde überrundet, auch das war mir egal. Ich lief eisern mein Tempo. Für mein Alter, damals war ich bald 11 Jahre alt, war ich extrem gut im einteilen. Als ich auf die Zielgerade kam, wurde ich lautstark angefeuert. Zeit das letzte aus meinem Körper herauszuholen. Ich setzte zum Schlusssprint an. Völlig erschöpft kam ich über die Ziellinie und da kamen sie schon alle. „Super Raphael,“ „Gratuliere,“ usw. Ich dachte nur, Gebt mir doch bitte erst ein zwei Minuten.

Ich glaube andere waren mehr stolz auf mich als ich selbst. Ich tat nur, das was ein richtiger Sportler eben zu machen hat, wenn Wettkampf angesagt ist. Nämlich ans Limit gehen. Dieser 1000m war für mich das erste mal, dass ich für meine sportliche Leistung richtig Anerkennung bekam. Dies bleibt jedoch für die kommenden Jahre noch eine seltene Erfahrung.

 

Zwischen Computer und Sportplatz

Seit gestern hat in meiner Sportgruppe wieder offiziell das Training begonnen. Gerade läuft es mir mit dem Laufen nicht so gut. Der Bewegungsablauf ist irgendwie anders und anstrengend. Ich muss mich wieder dauernd konzentrieren, damit ich nicht hinfalle. Für den Alltag ist das mühsam. Es ist zwar bei weitem nicht so schlimm wie vor einem Jahr, aber halt trotzdem nicht angenehm.

Mein Körper experimentiert mal wieder mit anderen Bewegungsmustern, und ich hab mal wieder nicht wirklich Ahnung was er da genau tut. Ich spüre, dass die Waden vor allem beim Treppensteigen mehr im Einsatz sind. Auch der Kniebeuger ist mehr im Einsatz, nur leider mit dem falschen Timing. Die Zusammenarbeit mit den Waden stimmt überhaupt nicht, was in einem Bewegungsablaufs Chaos endet.

Dieses Chaos heisst es in den kommenden Wochen etwas zu ordnen. Das wird wieder eine Herausforderung und ich hoffe, dass die Muskeln nicht einfach wieder in die alten Bewegungsmuster zurückfallen. Zudem Behandle ich gerade wieder einen kleinen Magnesiummangel.

Der Sport macht aktuell wenig Spass. Momentan habe ich wieder mal das Gefühl, dass ich höchstens gegen Rückschritte ankämpfen kann und Fortschritte in weiter Ferne sind. Aber das Gefühl kenne ich ja, und bis jetzt ist es immer wieder in ein neues Hoch gegangen. Also kämpfen wir wieder mal ohne grosse Motivation.

Umso schöner ist es, dass das Vefko Projekt Freude bereitet. Manchmal fühle ich mich schon richtig wie ein Businessmann. Sitzung da, Sitzung dort, es ist glaub ich seit langem wieder mal ein Projekt, dass wirklich Beteiligung von aussen hat. Dem entsprechend will es auch gemanagt werden.

Es tut gut, den Fokus etwas weg vom Sport zu haben. Nicht nur aufzustehen um zu trainieren. Versteht mich nicht falsch, die Jahre des Spitzensports waren eine tolle Sache. Aber nun ist es an der Zeit, in anderen Bereichen die grosse Leistung zu bringen. Natürlich, für die Leute da draussen bin ich immer noch der Sportler, aber für mich hat die Vefko nun Priorität.

Nichts desto trotz, die nächste Saison in der Leichtathletik ist in der Vorbereitung. Es dürfte schon spannend werden, wie ich Sport und Business unter einen Hut bringe aber bis jetzt klappt das gut. Die Abwechslung macht Spass. Bleibt noch zu hoffen, dass es mit dem Sport auch bald wieder bergauf geht. So dass ich wieder mit Freude in die Trainings kann.