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Mein Rückzug vom Sportplatz!

Auf Ende Saison gebe auch noch mein letzter Sport auf, den ich gemacht habe… die Leichtathletik. Die Zeit des Leistungssportes ist damit für mich vorbei. Es war eine echt tolle Zeit. Ich habe viel daraus mitgenommen. Aber dazu noch am Schluss was.

Alles begann, als ich als zwölfjähriger Junge meine Unihockey Bälle ans Garagetor knallte. Da stellte ich mir eine volle Zuschauertribüne vor, wo alle mir zujubelten. Wie geil muss das sein, von anderen bewundert zu werden, Vorbild sein zu dürfen. Seit dem Moment an wollte ich nur eins, Spitzensportler werden!

Ich habe das mit den Trainings sehr ernst genommen. Hatte aber auch das grosse Glück, selten Verletzungen zu haben. Die harten Trainings waren mein Markenzeichen. Ich war bereit, immer noch ein Spürchen mehr zu machen als der Rest. Mit 19 Jahren war ich bereits das Aushängeschild im Schweizer Behindertenunihockey.

Doch damit gab ich mich nicht zufrieden. Ich wollte mehr, ich wollte mit Nichtbehinderten mithalten können. So wurde das Training immer mehr zu einer höheren Mission, dem Kampf gegen die Behinderung.

Auch wenn ich es nie an ein sportliches Grossereignis schaffte, bewundert wurde ich trotzdem. Wenn ich die Kommentare, wo mir Menschen ihre Bewunderung aussprachen, alle aufschreiben wollte, würde das mehrere Blogs geben. Einige für die ich Vorbild sein durfte, sind heute selbst sehr erfolgreiche Sportler.

Einige Erlebnisse werden mich für den Rest meines Lebens begleiten. Etwa der Moment wo ich mit 19 Jahren die Stützräder von meinem Velo abmontierte, und ohne davon fuhr. Oder die Kresbssaison, wo ich trotz Krebs, Chemotherapie, Operation fast voll durchtrainierte. Die 196km mit dem Fahrrad innert 24h im 2002 oder die Sport of Hope Tour 2015. Alles Erlebnisse, die mir niemand mehr nehmen kann, und die mich prägten.

Ende Jahr werde ich nun auch mein letzter Sportverein, den LAC TV Unterstrass in Zürich verlassen. Die Sprinter Gruppe war über ein Jahrzehnt meine sportliche Heimat. Ich danke allen die mit mir zusammen auf den Trainingsplätzen standen. Ich erwähne jetzt keine Namen, da ich sonst bestimmt irgendwen vergessen werde.

Auch all den Zuschauern auf den Wettkampfplätzen möchte ich danken. Manchmal kriege ich Gänsehaut, wenn ich Videos von meinen Sprints sehe, und dann bemerke, wie ich angefeuert wurde. Aber noch viel mehr spornten mich die Gespräche nach den Läufen an. Leute die mir sehr persönlich ihren Mut zusprachen.

Wenn ich eines gelernt habe, dann dass viel mehr möglich ist, als man glaubt. Sport hat mir gezeigt was machbar ist. Doch meine Prioritäten liegen jetzt anders. Ich habe mit Vefko ein Projekt was mir Spass macht, und wo ich drin aufgehen kann.

Allen, die mich auf meiner Sportlaufbahn betreut, begleitet, mittrainiert, mitgefiebert und unterstützt haben, vielen dank! Ich möchte mich bei allen verabschieden, die mich bewundert haben. Es war mir eine Ehre, Vorbild sein zu dürfen. Denkt dran, ihr habt diese Zeit nur einmal. Gebt daher Vollgas, und vergesst im Eifer des Gefechtes nicht die schönen Augenblicke zu geniessen… GO FOR IT!!!

Ex Sportler Raphael

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Was ist eigentlich mit dem Sport los?

Manchmal fühle ich mich schon ein bisschen beobachtet. Ich weiss nicht, wie viel ich in letzter Zeit die Frage hörte: „Machst du eigentlich keinen Sport mehr.“ Ja, ich war die letzten drei Wochen faul, und habe es geschafft, die ganze Zeit nicht einmal zu trainieren. Ist das jetzt ein Verbrechen? Andere machen den grössten Teil ihres Lebens Sportpause.

Ich würde diese „Sportpause“ vielleicht auch noch auf unbestimmt verlängern, wenn ich das könnte. Aber ihr wisst, ich kann mir das nicht erlauben. Der Zustand der Behinderung hängt zu stark vom Training ab. Dennoch wird sich vermutlich einiges ändern.

Ich will die Zeit, die ich in Training investiere deutlich reduzieren. Ebenfalls werde ich vermutlich kommende Saison keine Leichtathletik Lizenz mehr haben. Ich bin ja auch dieses Jahr nicht einmal gestartet. Meine Trainingsinfrastruktur ist aber nach wie vor auf Leistungssport ausgelegt. Ich bin in einem Verein angeschlossen der eine klare Leistungsorientierung hat. Habe theoretisch top Trainingsvoraussetzungen. Fahre aber für das Training fast 3h Zug und mache dann irgend ein easy Programm während sich die anderen abquälen. Das Passt für mich nicht mehr, braucht zu viel Zeit, die ich besser investieren kann.

Wäre ich nicht behindert, gehörte ich vermutlich zu der Sorte Leistungssportler, die sich nach Karrierenende komplett von der Sportwelt verabschieden. Denn ich habe Sport über viele Jahre gelebt, aber nun auch gesehen, und möchte nun meine Zeit in die neuen Projekte investieren. Das hätte allerdings Konsequenzen für meine Behinderung. Vermutlich wäre ich ohne Training nicht in der Lage, mein Gehen all zu lang zu erhalten.

Und ein Rollstuhl kommt für mich aktuell nicht in Frage. Ja, ich habe das tatsächlich ganz frei von Emotionen, und völlig rational für mich abgewogen. Ein Rollstuhl wäre in meiner Lebenssituation zu wenig Hilfsmittel, und zu viel Hindernis. Ganz abgesehen davon bin ich nicht bereit, das so lang erarbeitete einfach aufzugeben.

Was ist also mein Plan: Vermutlich werde ich den Trainingsstandort Zürich aufgeben und hier in der Umgebung etwas suchen. Ebenfalls habe ich mir bereits eine Gymnastikmatte bestellt. So kann ich auch zu Hause trainieren, wenn es bei der Vefko besonders stressig ist. Und natürlich werde ich hin und wieder aufs Velo gehen.

Mal sehen, wie die Lösung dann letztlich aussehen wird. Ich habe bis jetzt immer etwas gefunden, und das wird mir sicher auch jetzt wieder gelingen.

Sport of Hope – Wie ich es aushalte, als Behinderter unter Nichtbehinderten zu trainieren

Das ist eine Frage die immer wieder an mich gestellt wird. Denn schliesslich bin ich da immer der letzte. Das war tatsächlich nicht immer einfach und ich bin damit auch nicht immer gleich umgegangen.

Als Kind hatte ich tatsächlich sehr Mühe damit. Ich wollte eigentlich mithalten können, doch so sehr ich mich auch anstrengte, es reichte nie ganz, das war extrem frustrierend. Mit zunehmendem Alter ging die Schere zu der Nichtbehinderten Spitze natürlich immer mehr auf. Aber lange nicht alle Nichtbehinderten werden Spitzensportler. In der Pubertät scheidet sich der Weizen vom Spreu. Einige finden Sport doch nicht ganz so wichtig, andere sind schlicht zu faul für das harte Training, und wieder andere kriegen Verletzungsprobleme und geben auf.

Ich hingegen zog eiskalt mit sechs Trainings die Woche durch, und so holte ich viele Leute ein, gegen die ich früher keine Chance gehabt hätte. Einfach weil ich bessere Technik, Taktik und auch konditionell um Welten überlegen war. Das machte die Behinderung in vielen Fällen sogar wett. So kam es immer wieder vor, dass Nichtbehinderte mich nur noch von hinten sahen.

Ich muss sagen, es machte mir schon Spass, wenn ich in einer Gruppe Unihockey spielte. Ein Gegenspieler der mich kannte warnte seine Gruppe ausdrücklich von mir. „Lasst Raphi auf keinen Fall schiessen, ok? auf gar keinen fall!!“ Fünf Minuten Später haue ich einen Direktschuss voll in die Hohe Ecke und alle fragen sich wie das passieren konnte. Ich schmunzelte dann jeweils nur und dachte für mich… geht mal noch etwas Unihockey üben Jungs 😉

Und es ist unglaublich schön, wenn du das erste mal von einem Junior gesagt bekommst: „Du bist mein Vorbild.“ Oder wenn sie dich nach einem Autogramm fragen oder auch nur ein paar Tipps von dir hören wollen.

Aber ich glaube, das was mich am meisten antreibt ist der Respekt und die Vorbildfunktion für andere Spitzensportler. Vermutlich weil diese Bewunderung extrem ehrlich ist. Als Kind hätte ich mir nie geträumt, dass ich als behinderter mal ein Vorbild für Nichtbehinderte Spitzensportler sein kann. Dies macht das ständige letzte werden mehr als wett.

Einige reagieren auch ziemlich allergisch wenn ich mich heute nicht mehr wirklich zu den Sportlern zähle. „Was ist dein Ziel, normal gehen oder?!? und das nennst du kein Sport!!! Komm geh nach Hause!!!“ Und wieder andere warten nur drauf, bis ich an einem Wettkampf wieder mal richtig übel zuschlage. Ich habs nicht mehr ganz so eilig wie auch schon. Aber Sporttot bin ich noch nicht!

Ich bin zwar momentan nicht Wettkampfbereit… habe mir aber letzthin die Leichtathletik Lizenz für dieses Jahr gelöst. Nur für den Fall, dass mich irgendwann was juckt. Nur so als leise Warnung!!!

Sport of Hope – Aktueller Stand der Trainings

Vielleicht ist einigen Aufgefallen, dass ich dieses Jahr noch nicht an Wettkämpfen in der Leichtathletik teilgenommen habe. Zwar ist es mir letzthin endlich wieder gelungen ein paar Meter zu Rennen. Die Koordinationsprobleme die dies im Winter verhindert hatten, sind weitestgehend behoben. Zumindest für den Moment. So ganz traue ich der Sache nämlich noch nicht.

Das was mich an einem Saisonstart momentan hindert, sind die Kniee. Die sind der Belastung eines Sprintes aktuell nicht gewachsen. Vielleicht muss ich doch noch etwas Muskelaufbau machen. Ich habe mit Absicht keinen Muskelaufbau gemacht, um eine allfällige Disbalance durch Veränderungen im Laufstil besser abfangen zu können. Für all die jenen die jetzt nicht aus dem Sportsektor kommen. Eine Disbalance ist, wenn gewisse Muskeln zu stark und andere zu schwach sind. Bei einer Laufstiländerung kann es ganz schnell zu einer Disbalance kommen, da sich die Kräfte verschieben. Eine Disbalance kuriert man in der Regel mit gezieltem Muskelaufbau. Dieser ist natürlich viel effektiver, wenn die Muskeln nicht bereits auf einem sehr hohen Level trainiert sind.

Laufstilmässig hab ich aktuell nicht gross das Gefühl, dass da was Neues ist. Im Training kriege ich manchmal was anderes hin… zumindest gefühlt. Allerdings habe ich dann die Tage darauf Gehprobleme. Das ist natürlich eine Barriere, weil ich dann letztlich immer wieder in das alte Muster zurückfalle. Meine Hoffnung beruht auf „Steter Tropfen höhlt den Stein.“ Wenn ich die neuen Bewegungsmuster oft genug einprogrammiere wird es vielleicht irgendwann nicht mehr so anstrengend. Ich glaube genau das ist das Problem. Für den Körper (vor allem für das Gehirn) sind die neuen Bewegungsmuster noch zu anstrengend. Das würde erklären, warum es im Training für kurze Zeit mal ganz gut klappen kann, im Alltag aber scheitert.

Wir werden sehen wie sich das weiter entwickelt. Es braucht immer wieder viel Motivation meinerseits. Zumal nie so ganz klar ist, macht man es richtig, oder nicht. Es bleiben hoch experimentelle Trainings.

Sport of Hope – Ein Training dass ich so nicht erwartet habe

Das ist mal wieder ein Blog, der eigentlich vollkommen ungeplant kommt. Denn heute hatte ich ein richtig gutes Training. Genauer gesagt… nicht nur heute… es ist eine klare Tendenz nach oben festzustellen. Nur heute war eben noch eine runde spezieller.

Ich wollte ein paar Runden mit dem Fahrrad drehen. Das Problem dabei, meine eigentliche Runde ist wegen einer Baustelle für etwa drei Monate gesperrt. Also muss ich auf eine andere Route ausweichen, die wesentlich anspruchsvoller ist. Mehr Höhenmeter auf kürzerer Distanz, kurz eine steilere Bergstrecke. Von der Kraft und der Ausdauer her eigentlich kein Problem für mich. Aber mit der Misskoordination, die ich in letzter Zeit hatte, ist das doch eine Herausforderung.

Denn wenn im langsamen Bergauf fahren die Muskeln nur ganz kurz streiken muss ich anhalten, weil ich da ja nicht ein paar Sekunden laufen lassen kann wie auf einer flachen Strasse. So ist die Herausforderung über lange Zeit keine Misskoordination zu haben. Etwas was in letzter Zeit kaum klappte

Ich bin die Runde vier mal gefahren. Die ersten beiden Runden ohne irgendwelche Probleme! bei der dritten Runde gab es zwei mal ein kleines Problem, was ich aber abfangen konnte. Bei der vierten dann musste ich einmal kurz absteigen. Zum Vergleich, vor drei Wochen kam es noch auf meiner flacheren Runde immer wieder zu Absteigern.

Etwas überrascht war ich auch von meiner Kraft und Kondition… die ist nach wie vor da… klar nicht mehr so wie zu top Zeiten, aber da stiess ich überhaupt nicht an die Grenze. Kann sein, dass ich schon bald mal wieder mit leichtem Joggen anfangen kann. Das wird dann eine sehr entscheidende Phase. Denn da wird sich zeigen, ob ich kleine Veränderungen in meiner Gangart vornehmen kann. Ich erwarte eigentlich nicht viel. Ein bisschen mehr die Waden einsetzen, und damit die Schrittlänge zu vergrössern, wäre schon absolut toll. Wenn ich dann noch oben raus etwas mehr ziehen kann, bin ich schon überglücklich.

Doch das ist noch ein weiter Weg. Die Muskeln reagieren zwar im Training nach einer gewissen Aufwärmungszeit schon echt gut, für einen koordinierten Bewegungsablauf braucht es aber noch einiges mehr. Doch hey, es geht aufwärts, und das macht Mut. Also dran bleiben und weiter trainieren!

Sport of Hope – Gutes Resultat nach Training

Letzten Freitag ist mir das gelungen, was eigentlich Ziel des Trainings sein sollte. Nach dem Training lief ich sicherer als vor dem Training.

Am Freitag ging nach Zürich ins Training. Eigentlich ein ganz normales Koordinationstraining. Wieder mal den üblichen Versuch, die neuen Muskel anzusteuern ohne das Bewegungsmuster ganz aus der Bahn zu werfen.

Schon beim Hinweg war es nicht schlecht, nicht perfekt aber wesentlich besser als sonst. Im Training versuchte ich dann erst mal, den rechten Kniebeuger rein mit Forced Use anzusprechen. Das klappte nicht. Dann Machte ich Kraftkoordination. Das ist eine Mischung aus Kraft- und Koordinationsübungen. Mir scheint, dass unter Belastung das Neurofeedback oft grösser ist. Deswegen kombiniere ich Koordinationsübungen gerne mal mit Kraftübungen.

Und siehe da, die Ansteuerung funktionierte. Die Koordination war sogar so gut, dass sie für das gewöhnliche Laufen reichte, Toll dieses Gefühl. Der Rückweg ging dann wesentlich besser als sonst. Wenn es so weiter geht, kann ich ja vielleicht bald mit joggen über kurze Distanz anfangen,

Ja, das wollte ich Euch nur schnell mitteilen. Ich bin gerade am Umbau meines Computer Setups und muss jetzt die Ganze Infrastruktur wieder verkabeln. Darüber kommt dann morgen ein Blog.

Sport of Hope – Die inspiration von Terry Fox

Ja, man kann mir vorwerfen, dass mein „Sport of Hope“ eine billige Kopie von Terry Fox’s „Marathon of Hope“ ist. Und ja, „Sport of Hope“ ist zweifelsohne inspiriert vom „Marathon of Hope.“ Aber wer ist Terry Fox überhaupt? werden jetzt viele fragen.

Terry wuchs im kanadischen Brithish Columbia auf. Er war ein begeisterter Sportler und galt als Nachwuchstalent. Kurz vor dem 18. Geburtstag bekam er die Diagnose Knochenkrebs. Um überhaupt eine Chance auf Heilung zu haben, musste er sein rechtes Knie amputieren lassen. Ein Horrorszenario für ein angehenden Sportler Ende der 70er Jahre.

Doch noch mehr Horror war die anschliessende Chemotherapie. Er war noch in der Kinderabteilung stationiert, und musste mit ansehen, wie andere Kinder wegstarben. Ihm wurde bewusst wie hoffnungslos der Kampf gegen die Krankheit oft ist und mit welcher Härte der Krebs seine Opfer forderte. Als er die Therapie abgeschlossen hatte, konnte er die Zeit nicht einfach vergessen. Er wollte etwas gegen das Leid unternehmen.

Er vernahm, dass die Kanadische Krebsforschung dringend Geld benötigte. Nach einigen Überlegungen kam er auf die verrückte Idee, quer durch Kanada zu laufen, um 1 Mio Kanadische Dollar für die Krebsforschung zu sammeln.

Nach langer Vorbereitung und harten Trainings startete er am 12. April 1980 in Neufundland sein „Marathon of Hope“ mit dem Ziel nach Hause zu laufen. Sein Freund Doug folge ihm in einem Begleitfahrzeug. Er machte JEDEN EINZELNEN TAG EINEN MARATHON, und das mit einer Prothese und der Prothesentechnik von damals.

Am Anfang nahm er nicht viel ein, doch stieg die Aufmerksamkeit stark an. In Toronto wurde er bereits als Held empfangen. Doch leider kam auch der Krebs zurück, und schlussendlich musste er den Lauf nach über 5000km bei Thunder Bay (Ontario) abbrechen. Diesmal konnte ihn auch die erneut angesetzte Chemotherapie nicht mehr helfen. Am 28. Juni 1981 stirbt Terry im Alter von 22 Jahren im Kreise seiner Familie.

Doch Terrys Traum lebt weiter, bis heute. Jährlich werden seither „Terry Fox Runs“ mit dem Ziel, Geld zu sammeln für die Krebsforschung, ausgeführt. Die Terry Fox Foundation hat bis heute über 600 Mio Kanadische Dollars für die Krebsforschung gesammelt. Viele Medikamente würde es ohne sein engagement nicht geben.

Als ich die Geschichte vernahm, war ich sehr berührt und Motiviert. Sie zeigt, dass das „Unmöglich“ sehr viel weiter weg ist, als wir immer glauben. Terry ist für mich immer wieder eine inspiration und wenn ich mal wieder nicht an meine Ziele glaube, denke ich an ihn. „Ein einzelner Mensch kann nicht bewirken“, was ist diese Aussage für eine Lüge, und eine billige Ausrede für all die jenen, die ihr Finger nicht aus dem Arsch bekommen!

Stützradkrimi – Schockerkenntnis auf dem Basketballplatz

Die Welt war zu diesem Zeitpunkt in Ordnung. Ich hatte Freunde, mein Unihockeyclub, und auch mit der Behinderung hatte ich mich arrangiert. Ich wusste zwar, dass ich diese für immer haben werde, das war aber ok für mich. Ich war mal wieder nach der Schule mit meinem Fahrrad in Richtung Basketballplatz unterwegs. Ich hatte keine Ahnung dass an diesem Tag Sport für mich eine ganz andere Bedeutung bekommt.

Es begann mit einer ganz normalen Szene unter dem Korb, wie sie halt hunderte male passiert. Ich sprang hoch um mir den Rebound zu holen. Für alle die jetzt Basketball nicht kennen, ein Rebound ist der Ball der nach einem missglückten Wurf vom Korb abprallt. Ich bin relativ klein, ausserdem auch nicht der Sprungstärkste. Normalerweise holte ich die Rebounds nicht, und wenn ich es doch mal schaffte machte ich nach der Landung meist Schrittfehler. Doch dieses mal meisterte ich das souverän.

Ich spielte an jenem Abend einfach wesentlich besser. Es war nicht einfach nur eine gute Phase. Irgendwann schrie ein Freund der im Gegenteam spielte halb frustriert, hab begeistert: „Verdammt Raphi, was ist los mit dir! du spielst ja viel besser als sonst!“ Das brauchten sie mir nicht zu sagen, das merkte ich ja selbst. In der Pause sprachen mich die Jungs noch mal an. „Mal im Ernst Raphi, irgendwas ist anders, was ist los?! Vorhin hatten wir einen Zusammenstoss in der Luft, und du spielst einfach weiter, als ob nichts gewesen wäre. Normalerweise fällst du doch da um.“ „Ich glaube, ich habe mehr Gleichgewicht“, meinte ich leise.

Zum ersten mal seit einem Jahrzehnt wurde ich mit dem Thema Fortschritte konfrontiert. Mich traf dieses Thema sehr, da ich eigentlich damit abgeschlossen hatte. Für mich waren Fortschritte immer mit der Intensivtherapie nach Doman verbunden, die meine Eltern im frühen Kindesalter mit mir machten. Aber was hat diesen Fortschritt ausgelöst. Es war Schulferien, und ich hatte keine Physio. Aber ich war jeden Tag sicher drei Stunden am trainieren. Hat der Sport diese Fortschritte ausgelöst?! Bei dem Gedanken lief es mir kalt den Rücken herunter. Erst allmählich wurde mir klar, was da passiert.

Die Wahrheit war, ich machte tonnenweise Fortschritte, ich hab sie einfach nicht erkannt. Ich hatte in den Jugendjahren nur ein Ziel, so nah wie möglich an die Leistung der Nichtbehinderten ranzukommen. Ich war so auf die Leistung der Nichtbehinderten fokussiert, das ich meine Fortschritte schlicht übersah. „Wenn Sport Fortschritte mit sich bringt… was passiert, wenn ich weiter trainiere? Dann müsste die Behinderung ja irgendwann wegtrainiert sein.“ Dieser Gedanke liess mich nicht mehr los. Nicht weil ich unbedingt normal gehen wollte, sondern weil von dem Gedanken für mich eine unglaubliche Kraft ausging. Bis dahin war mein Ziel, irgendwann mal ein internationaler Behindertensportler zu sein. Man hat als Jugendlicher da so Bilder vor sich, wie man an den Paralympics mit dem Trikot der Schweizer Nationalmannschaft in die Arena einläuft. Die Vorstellung vom Empfang am Flughafen, wenn man – als Held gefeiert – wieder Heimischen Boden betritt. Die Autogramme die man geben kann, die Vorbildfunktion die einem zukommt, das sind tolle Gedanken. Aber der Ruhm im Sport ist sehr vergänglich. Die Helden von heute sind morgen schon vergessen.

Und was sind ein paar Goldmedaillen gegen das andere Ziel. Ich meine, ICP gilt als unheilbar. Was würde es für eine Welle nach sich ziehen, wenn ich die Mauer „Unheilbar“ niederreissen könnte. Dieser Gedanke war gerade zu Übermächtig. Das Risiko zu scheitern ist unendlich gross. „Wenn du das nicht versuchst, wirst du das vielleicht dein Leben lang bereuen. Du wärst ein verdammter Feigling“ sagte ich zu mir. „Du musst es versuchen, egal wie bitter, egal wie hart es wird. Du musst es tun, für dich und für die anderen ICP’ler!“ Sagte ich während mir die Tränen runterliefen.

An jenem Abend fällte ich eine Entscheidung meines Lebens. Ich nahm den Kampf mit meiner Behinderung auf. Und genau dieser Kampf ist der Grund, warum ich meine Geschichte in Blogform mache. Denn sie ist noch nicht Abgeschlossen. Heute weht die Schlachtfahne mehr denn je. Diese Geschichte hat erst letztens auf Sport of Hope begonnen.

Sport – Die Probleme halten an und ich halte durch

Ich denke, es ist wieder mal an der Zeit ein kleines Update über meine sportlichen Aktivitäten zu geben. Die Kurzfassung: Es geht noch nicht besser. Ich muss sagen, dass ich mich momentan überwinden muss, überhaupt ins Training zu gehen. Ich fühle mich manchmal auch echt etwas fehl am Platz im Kraftraum. Rund um mich herum foltern sich alle, und ich mach fast nichts, nur ein bisschen Koordination.

Der wahre Kraftakt ist die An- und Rückreise. Denn die Koordinationsprobleme beeinträchtigen vor allem den Alltag. Im Training, wenn ich warm bin, geht es eigentlich. Da schlagen die Koordinationsprobleme nicht so krass zu Buche.

Der Alltag ist nach wie vor stark beeinträchtigt. Zwar brauchte ich in letzter Zeit keine Hilfe mehr zum Einkaufen, aber jeder Fussmarsch ist ein Konzentrationsakt. Es fällt mir auch auf, dass es wie zwei Gänge gibt, einer der funktioniert, und einer der nicht funktioniert. Leider habe ich keine Kontrolle welcher Gang gerade eingelegt wird, und der Körper kann während des Laufens einfach wechseln. Deswegen muss ich immer auf ein sehr schnelles Abfangmanöver vorbereitet sein. Wobei ich das Gefühl habe, dass die funktionierende Gangart nur die alte ist, die ich natürlich nicht anstrebe.

Ich gebe zu, Spass macht das Training im Moment überhaupt nicht. Ich muss mich für jedes Training überwinden. Dennoch halte ich durch, denn es geht nicht um eine Medaille, es geht um mehr! Wenn es tatsächlich möglich sein sollte, ganz tief sitzende Bewegungsmuster grundsätzlich zu ändern, gibt das ganz neue therapeutische Möglichkeiten bei ICP. Dafür ist es mir Wert zu leiden. Ich habe noch einen langen Atem!

Der verrückte Tag!

Gestern war echt ein verrückter Tag. Er begann mit einem Skype Gespräch mit Steffen Prey aus dem Norden Deutschlands. Steffen ist selbständiger Journalist und IT Berater und wir haben die selbe Behinderung. Nicht nur das, wir haben auch in vielen Bereichen sehr ähnliche Einstellungen. Uns war relativ schnell klar, dass wir etwas zusammen machen müssen. Wir planen nun einen gemeinsamen Live Stram zu verschiedenen Themen. Wir werden diese natürlich im Voraus ankündigen, damit ihr auch dabei sein könnt.

Dann ging es für mich ins Training nach Zürich. Dieses war leider unterirdisch schlecht. Nach dem Training war die Koordination so schlecht, dass ich aufgrund der Langsamkeit sogar meinen Zug verpasste. An manchen Tagen bereue ich meine experimentellen Trainings wirklich. Doch auch das gehört dazu.

Als ich dann endlich auf dem Heimweg war und ich eigentlich nichts mehr erwartete, kam plötzlich eine Mail rein. Vermutlich haben alle etwas geschmunzelt, als ich die „Stellenanzeige“ für die Vefko vor ein paar Tagen veröffentlichte. Wer sollte sich schon auf eine Stellenanzeige melden, die bei der es erst mal nichts zu holen gibt!

Ganz ehrlich, ich hatte selbst wenig Hoffnungen, dass sich wer meldet, Die Anzeige war ein paar Tage online und richtig promoted wurde sie erst am Montag abend. Keine 24 Stunden später meldete sich bereits jemand! Ich konnte es kaum glauben. Es gibt sie also noch, die Menschen die bereit sind, erst zu investieren um dann voran zu kommen.

Der Tag war dadurch trotz katastrophen Training gerettet. Etwas was vielleicht auch zeigt, dass bei mir der Sport nicht mehr ganz den Stellenwert hat wie früher. Die Vefko wächst, und damit sind plötzlich Sachen möglich, die früher nicht denkbar gewesen wären. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit den vielen, etwas speziellen Leuten.