Archiv der Kategorie: Motivation

Vefko kommt in Fahrt!

Phu, endlich mal Ruhe im online Büro! Dass ich diese Stille mal geniessen werde, hätte ich vor einem Jahr nicht zu denken gewagt. Und das kein Blog kam, lag nicht daran, dass ich gerade gemütlich irgendwo Ferien mache. Nein, Vefko hat einen riesen Sprung nach vorne gemacht.

Die letzten zwei Tage war das Büro teilweise zu dritt besetzt. Wir haben einen neuen Programmierer, der sowas von Gas gibt, und noch ein Newbie dazu. Wie ich immer so schön sage, ein Projekt braucht nicht viele Leute, sondern die richtigen. Wir sind aktuell nur fünf Leute, aber die richtigen! und das macht den Unterschied.

Es macht unglaublich viel Spass so zu arbeiten, und obschon eigentlich gerade Ferienstimmung ist, stört es mich nicht, den halben Tag vor dem Computer zu verbringen. Ich dachte immer, top Team Dynamik findet man nur im Sport… diese Meinung muss ich glaub gründlich revidieren.

Vor allem die Tatsache, dass dieses Projekt nur aus Menschen besteht, die normalerweise Hilfe von aussen brauchen, macht das Ganze speziell. Die meisten ähnlichen Projekte sind geführt, durch irgendwelche Sozialarbeiter. Wir führen uns selbst, und coachen uns gegenseitig ein völlig neues Konzept. Nicht von oben herab, sondern auf Augenhöhe untereinander.

Ich war schon immer ein Fan von flacher Hierarchie. Doch welche Vorteile sie hat, hat sich diese Woche gezeigt, als sich der neue Programmierer gegen Marc und Mich mit einer Idee durchsetzte. Nach Betrachtung aller Fakten mussten wir einsehen, dass seine Lösung die bessere ist. Doch dafür muss man sich erst mal auf eine Diskussion einlassen. Das ist in einer stark hierarchischen Struktur meist gar nicht gegeben. So bleiben da gute Ideen schon mal auf der Strecke.

Noch mehr Auftrieb gibt uns die Tatsache, dass wir in letzter Zeit auch wieder etwas Finanzielle Unterstützung bekommen haben. Das hilft natürlich bei der Motivation. Wir haben im letzten halben Jahr nicht mal die Bürospesen ausbezahle. Diese betragen gerade mal CHF 5.– pro 8h Arbeit. Wenn man viel arbeitet, reicht das in der Schweiz eigentlich gerade mal für’s Internet, und einen kleinen Zustupf an den Rechner. Unser Ziel wäre es schon, zumindest diese Bürospesen unseren Leuten mal auszahlen zu können. Vielleicht gelingt uns das ja in Zukunft.

Das schönste ist aber wohl, zu sehen wie sich Menschen verändern. Leute die vorher keine Perspektive hatten, gewinnen plötzlich an Fahrt, blühen auf, machen Pläne für die Zukunft. Es ist schon fast beängstigend zu sehen, wie schnell es geht, das ein Projekt plötzlich IHR PROJEKT ist. Jemand meinte letzthin zu mir: „Es hat sich schon lange etwas in mir aufgebaut. Doch es war eingesperrt. Vefko hat dieses etwas befreit“

Jemand fragte mich, wie ich dann die Leute finde. Ich antwortete: „Überall wo sie niemand vermutet, auf der Strasse vor dem Dorfladen, auf der Zugfahrt nach Hause.“ Einer der Programmierer ging heute auf ein Festival. Auf seinen Wunsch hin habe ich ihm notfallmässig noch ein paar Visitenkarten gedruckt. Ich wäre jedenfalls nicht überrascht, wenn er mit jemand Neuem im Schlepptau zurückkommt.

Und wenn du jetzt denkst, wow, zu diesem verrückten Team will ich auch. Dann schreibe sofort eine Mail an raphael(at)vefko.ch. Denn irgendwann finden wir dich sowieso 😉

Momentan ist wie gesagt niemand in unserem online Büro, ausser ich. Und bevor die ersten wieder aufschlagen, mache ich hier jetzt fertig.

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Sport of Hope – Wie ich es aushalte, als Behinderter unter Nichtbehinderten zu trainieren

Das ist eine Frage die immer wieder an mich gestellt wird. Denn schliesslich bin ich da immer der letzte. Das war tatsächlich nicht immer einfach und ich bin damit auch nicht immer gleich umgegangen.

Als Kind hatte ich tatsächlich sehr Mühe damit. Ich wollte eigentlich mithalten können, doch so sehr ich mich auch anstrengte, es reichte nie ganz, das war extrem frustrierend. Mit zunehmendem Alter ging die Schere zu der Nichtbehinderten Spitze natürlich immer mehr auf. Aber lange nicht alle Nichtbehinderten werden Spitzensportler. In der Pubertät scheidet sich der Weizen vom Spreu. Einige finden Sport doch nicht ganz so wichtig, andere sind schlicht zu faul für das harte Training, und wieder andere kriegen Verletzungsprobleme und geben auf.

Ich hingegen zog eiskalt mit sechs Trainings die Woche durch, und so holte ich viele Leute ein, gegen die ich früher keine Chance gehabt hätte. Einfach weil ich bessere Technik, Taktik und auch konditionell um Welten überlegen war. Das machte die Behinderung in vielen Fällen sogar wett. So kam es immer wieder vor, dass Nichtbehinderte mich nur noch von hinten sahen.

Ich muss sagen, es machte mir schon Spass, wenn ich in einer Gruppe Unihockey spielte. Ein Gegenspieler der mich kannte warnte seine Gruppe ausdrücklich von mir. „Lasst Raphi auf keinen Fall schiessen, ok? auf gar keinen fall!!“ Fünf Minuten Später haue ich einen Direktschuss voll in die Hohe Ecke und alle fragen sich wie das passieren konnte. Ich schmunzelte dann jeweils nur und dachte für mich… geht mal noch etwas Unihockey üben Jungs 😉

Und es ist unglaublich schön, wenn du das erste mal von einem Junior gesagt bekommst: „Du bist mein Vorbild.“ Oder wenn sie dich nach einem Autogramm fragen oder auch nur ein paar Tipps von dir hören wollen.

Aber ich glaube, das was mich am meisten antreibt ist der Respekt und die Vorbildfunktion für andere Spitzensportler. Vermutlich weil diese Bewunderung extrem ehrlich ist. Als Kind hätte ich mir nie geträumt, dass ich als behinderter mal ein Vorbild für Nichtbehinderte Spitzensportler sein kann. Dies macht das ständige letzte werden mehr als wett.

Einige reagieren auch ziemlich allergisch wenn ich mich heute nicht mehr wirklich zu den Sportlern zähle. „Was ist dein Ziel, normal gehen oder?!? und das nennst du kein Sport!!! Komm geh nach Hause!!!“ Und wieder andere warten nur drauf, bis ich an einem Wettkampf wieder mal richtig übel zuschlage. Ich habs nicht mehr ganz so eilig wie auch schon. Aber Sporttot bin ich noch nicht!

Ich bin zwar momentan nicht Wettkampfbereit… habe mir aber letzthin die Leichtathletik Lizenz für dieses Jahr gelöst. Nur für den Fall, dass mich irgendwann was juckt. Nur so als leise Warnung!!!

Wenn der Motivator selbst einen Schups bekommt

Lange war ich still… sehr lange. Nicht nur hier, auch bei Vefko. Heute Morgen klingelt es an der Tür. Marc stand davor und wollte wissen wie es mir geht. Ja, ich hatte bereits ein schlechtes Gewissen, denn ich ahnte es… ohne mich läuft in der Vefko nichts.

Ich bin normalerweise der, der das Team zusammentrommelt, Aufgaben koordiniert und auch mal motiviert. Doch die Vorstellung, dass ich die einzige Kraft bin, die vorwärts drängt, ist falsch. Marc ist auch ein pusher und heute hat er mich mal wieder angeschoben.

Wir nahmen dann das zum Anlass, miteinander auch mal die nächsten Schritte zu Besprechen. So ganz 100% einig waren wir uns nicht. Marc möchte eher in Richtung Dienstleistung für Vereine gehen. (also zum Beispiel Web Entwicklung für Vereine) Ich hingegen möchte in unserer Website das Design und die Benutzerfreundlichkeit verbessern. Denn diese lässt aktuell noch zu wünschen übrig.

Diese Meinungsverschiedenheiten sind nicht nur normal, sondern wichtig! Meinungsverschiedenheiten zeugen davon, dass eine Gruppe in der Lage ist, Probleme von verschiedenen Blickwinkel zu betrachten und unterschiedliche Lösungskonzepte zu erarbeiten. Ich hüte mich auch davor, einen Weg als DEN richtigen zu beschreiben. In sehr vielen Fällen ist es nämlich der Mix aus zwei oder mehr Lösungsansätzen, die den Durchbruch schafft.

Vefko ist vielleicht auch etwas „Beschäftigungstherapie“ für Leute die sonst keine Beschäftigung haben. Mit dem einzigen Unterschied, dass es kein gemeinsamer Raum und keine Sozialarbeiter gibt. Wir sind natürlich nicht anerkannt, und ich glaube auch nicht, dass wir je anerkannt werden. Denn viele haben Zweifel, ob das so ganz ohne Betreuung funktioniert. Auch wenn das Ganze noch sehr klein ist, funktioniert es eben doch. Das zumindest hat das heutige Klingeln von Marc gezeigt. Normalerweise bin ich immer der, der Anschupst. Doch heute war mal Marc die schupsende Person. Danke dafür!

Sport of Hope – Die inspiration von Terry Fox

Ja, man kann mir vorwerfen, dass mein „Sport of Hope“ eine billige Kopie von Terry Fox’s „Marathon of Hope“ ist. Und ja, „Sport of Hope“ ist zweifelsohne inspiriert vom „Marathon of Hope.“ Aber wer ist Terry Fox überhaupt? werden jetzt viele fragen.

Terry wuchs im kanadischen Brithish Columbia auf. Er war ein begeisterter Sportler und galt als Nachwuchstalent. Kurz vor dem 18. Geburtstag bekam er die Diagnose Knochenkrebs. Um überhaupt eine Chance auf Heilung zu haben, musste er sein rechtes Knie amputieren lassen. Ein Horrorszenario für ein angehenden Sportler Ende der 70er Jahre.

Doch noch mehr Horror war die anschliessende Chemotherapie. Er war noch in der Kinderabteilung stationiert, und musste mit ansehen, wie andere Kinder wegstarben. Ihm wurde bewusst wie hoffnungslos der Kampf gegen die Krankheit oft ist und mit welcher Härte der Krebs seine Opfer forderte. Als er die Therapie abgeschlossen hatte, konnte er die Zeit nicht einfach vergessen. Er wollte etwas gegen das Leid unternehmen.

Er vernahm, dass die Kanadische Krebsforschung dringend Geld benötigte. Nach einigen Überlegungen kam er auf die verrückte Idee, quer durch Kanada zu laufen, um 1 Mio Kanadische Dollar für die Krebsforschung zu sammeln.

Nach langer Vorbereitung und harten Trainings startete er am 12. April 1980 in Neufundland sein „Marathon of Hope“ mit dem Ziel nach Hause zu laufen. Sein Freund Doug folge ihm in einem Begleitfahrzeug. Er machte JEDEN EINZELNEN TAG EINEN MARATHON, und das mit einer Prothese und der Prothesentechnik von damals.

Am Anfang nahm er nicht viel ein, doch stieg die Aufmerksamkeit stark an. In Toronto wurde er bereits als Held empfangen. Doch leider kam auch der Krebs zurück, und schlussendlich musste er den Lauf nach über 5000km bei Thunder Bay (Ontario) abbrechen. Diesmal konnte ihn auch die erneut angesetzte Chemotherapie nicht mehr helfen. Am 28. Juni 1981 stirbt Terry im Alter von 22 Jahren im Kreise seiner Familie.

Doch Terrys Traum lebt weiter, bis heute. Jährlich werden seither „Terry Fox Runs“ mit dem Ziel, Geld zu sammeln für die Krebsforschung, ausgeführt. Die Terry Fox Foundation hat bis heute über 600 Mio Kanadische Dollars für die Krebsforschung gesammelt. Viele Medikamente würde es ohne sein engagement nicht geben.

Als ich die Geschichte vernahm, war ich sehr berührt und Motiviert. Sie zeigt, dass das „Unmöglich“ sehr viel weiter weg ist, als wir immer glauben. Terry ist für mich immer wieder eine inspiration und wenn ich mal wieder nicht an meine Ziele glaube, denke ich an ihn. „Ein einzelner Mensch kann nicht bewirken“, was ist diese Aussage für eine Lüge, und eine billige Ausrede für all die jenen, die ihr Finger nicht aus dem Arsch bekommen!

Stützradkrimi – Schockerkenntnis auf dem Basketballplatz

Die Welt war zu diesem Zeitpunkt in Ordnung. Ich hatte Freunde, mein Unihockeyclub, und auch mit der Behinderung hatte ich mich arrangiert. Ich wusste zwar, dass ich diese für immer haben werde, das war aber ok für mich. Ich war mal wieder nach der Schule mit meinem Fahrrad in Richtung Basketballplatz unterwegs. Ich hatte keine Ahnung dass an diesem Tag Sport für mich eine ganz andere Bedeutung bekommt.

Es begann mit einer ganz normalen Szene unter dem Korb, wie sie halt hunderte male passiert. Ich sprang hoch um mir den Rebound zu holen. Für alle die jetzt Basketball nicht kennen, ein Rebound ist der Ball der nach einem missglückten Wurf vom Korb abprallt. Ich bin relativ klein, ausserdem auch nicht der Sprungstärkste. Normalerweise holte ich die Rebounds nicht, und wenn ich es doch mal schaffte machte ich nach der Landung meist Schrittfehler. Doch dieses mal meisterte ich das souverän.

Ich spielte an jenem Abend einfach wesentlich besser. Es war nicht einfach nur eine gute Phase. Irgendwann schrie ein Freund der im Gegenteam spielte halb frustriert, hab begeistert: „Verdammt Raphi, was ist los mit dir! du spielst ja viel besser als sonst!“ Das brauchten sie mir nicht zu sagen, das merkte ich ja selbst. In der Pause sprachen mich die Jungs noch mal an. „Mal im Ernst Raphi, irgendwas ist anders, was ist los?! Vorhin hatten wir einen Zusammenstoss in der Luft, und du spielst einfach weiter, als ob nichts gewesen wäre. Normalerweise fällst du doch da um.“ „Ich glaube, ich habe mehr Gleichgewicht“, meinte ich leise.

Zum ersten mal seit einem Jahrzehnt wurde ich mit dem Thema Fortschritte konfrontiert. Mich traf dieses Thema sehr, da ich eigentlich damit abgeschlossen hatte. Für mich waren Fortschritte immer mit der Intensivtherapie nach Doman verbunden, die meine Eltern im frühen Kindesalter mit mir machten. Aber was hat diesen Fortschritt ausgelöst. Es war Schulferien, und ich hatte keine Physio. Aber ich war jeden Tag sicher drei Stunden am trainieren. Hat der Sport diese Fortschritte ausgelöst?! Bei dem Gedanken lief es mir kalt den Rücken herunter. Erst allmählich wurde mir klar, was da passiert.

Die Wahrheit war, ich machte tonnenweise Fortschritte, ich hab sie einfach nicht erkannt. Ich hatte in den Jugendjahren nur ein Ziel, so nah wie möglich an die Leistung der Nichtbehinderten ranzukommen. Ich war so auf die Leistung der Nichtbehinderten fokussiert, das ich meine Fortschritte schlicht übersah. „Wenn Sport Fortschritte mit sich bringt… was passiert, wenn ich weiter trainiere? Dann müsste die Behinderung ja irgendwann wegtrainiert sein.“ Dieser Gedanke liess mich nicht mehr los. Nicht weil ich unbedingt normal gehen wollte, sondern weil von dem Gedanken für mich eine unglaubliche Kraft ausging. Bis dahin war mein Ziel, irgendwann mal ein internationaler Behindertensportler zu sein. Man hat als Jugendlicher da so Bilder vor sich, wie man an den Paralympics mit dem Trikot der Schweizer Nationalmannschaft in die Arena einläuft. Die Vorstellung vom Empfang am Flughafen, wenn man – als Held gefeiert – wieder Heimischen Boden betritt. Die Autogramme die man geben kann, die Vorbildfunktion die einem zukommt, das sind tolle Gedanken. Aber der Ruhm im Sport ist sehr vergänglich. Die Helden von heute sind morgen schon vergessen.

Und was sind ein paar Goldmedaillen gegen das andere Ziel. Ich meine, ICP gilt als unheilbar. Was würde es für eine Welle nach sich ziehen, wenn ich die Mauer „Unheilbar“ niederreissen könnte. Dieser Gedanke war gerade zu Übermächtig. Das Risiko zu scheitern ist unendlich gross. „Wenn du das nicht versuchst, wirst du das vielleicht dein Leben lang bereuen. Du wärst ein verdammter Feigling“ sagte ich zu mir. „Du musst es versuchen, egal wie bitter, egal wie hart es wird. Du musst es tun, für dich und für die anderen ICP’ler!“ Sagte ich während mir die Tränen runterliefen.

An jenem Abend fällte ich eine Entscheidung meines Lebens. Ich nahm den Kampf mit meiner Behinderung auf. Und genau dieser Kampf ist der Grund, warum ich meine Geschichte in Blogform mache. Denn sie ist noch nicht Abgeschlossen. Heute weht die Schlachtfahne mehr denn je. Diese Geschichte hat erst letztens auf Sport of Hope begonnen.

Netzwerk der vermeintlichen Verlierer wächst!

Findet ihr auch, dass es viel zu viele negative News auf dieser Welt gibt? Deswegen mag ich „Steve Hartman – On the road.“ In diesen Beiträgen bringt der Amerikanische Fernsehsender CBS jeweils immer am Freitag ein Bericht über etwas das gut läuft in dieser Welt. Ja, die Sendung ist sehr amerikanisch, doch es tut einfach gut, zu sehen, dass die Welt nicht so trist ist, wie sie in den Medien oft dargestellt wird.

Die Folgen sind teilweise sehr berührend da sie oft zeigen wie Menschen positiv mit ihrem Schicksal umgehen und damit viel erreichen. Oder es sind Karma Stories, wo Menschen gutes tun und schlussendlich in einer Krisensituation viel mehr zurück bekommen als sie je geben konnten. Alle die Englisch können, empfehle ich die Reihe „Steve Hartman – on the road“ zu Gemüte zu führen.

Eigentlich wollte ich in meinem Blog eine Serie machen, die „on the Road“ kopiert. Ich wollte in dieser Serie fremde Beispiele aus der Schweiz bringen. Ich hätte es „Raphael Bircher – aus dem Zug“ genannt. Doch ich bin kein Journalist und will auch keinen werden. Journalisten sind auf der Zuschauerbank, und ich hasse es, Zuschauer zu sein.

Deswegen fokussierte ich mich auf mein Vefko Projekt. Vor drei Wochen hätte ich noch gesagt, dass aus dem Projekt wohl nichts mehr wird. Nach etlichen Versuchen Leute zu motivieren, sich mal aus ihrem Loch zu kämpfen, hatte ich schon fast aufgegeben. Ich glaubte halt einfach, dass die meisten Leute selbst dann nicht aktiv werden, wenn man ihnen eine Hand reicht.

Oh man, wie falsch war ich mit dieser Einschätzung. Keine Ahnung was gerade passiert, aber seit drei Wochen kommen all die vermeintlichen Verlierer aus dem Boden gekrochen. Und alle wollen sie eins, Teil der Vefko sein. Dabei bieten wir absolut nichts Materielles. Wir sind momentan noch nicht mal in der Lage die CHF 5.– Home Office Spesen für 8h Arbeit zu vergüten. Wir haben in den letzten drei Wochen drei Leute hinzu gewonnen.

Und ich sag Euch eins, das erleben zu dürfen ist schöner als „On the road“ schauen. Denn es ist nicht irgend eine Geschichte die man auf YouTube ansieht. Es ist ein Teil meiner Geschichte. Und das macht diese so speziell.

Raphael bircher – mal nicht aus dem Zug – aus Malans, Schweiz

Die Zeit steckt nicht in der Uhr

Dieser Beitrag ist eine Antwort auf einen Beitrag einer Bloggerin. Sie hat in Ihrem Blog beschrieben warum sie in der heutigen digitalen Welt wieder auf eine analoge Uhr zurückgreift. Im Prinzip spricht sie zwei Probleme an. Einerseits das Zeitmanagement, und andererseits den Umgang mit unseren digitalen Helfern. Über beide Themen wollte ich schon lange mal bloggen. Ich werde das aber auch in zwei Blogs machen. Heute ist das Zeitmanagement dran.

Ich lebe seit meinem 12. Lebensjahr eigentlich fast immer ohne Uhr. Und das obschon ich in einer Gesellschaft lebe, in der man böse angeschaut wird, wenn man fünf Minuten zu spät kommt. Ok, ich gebe zu, Pünktlichkeit war lange Zeit nicht meine Stärke und im Jugendalter diente das „keine Uhr haben“ oft auch als Ausrede für das zu spät kommen. Doch eigentlich ist das Schwachsinn. Denn erstens gibt es heute überall Uhren. Und zweitens gibt es auch noch eine Innere Uhr, und die ist viel präziser als man glaubt

Ich brauche zum Beispiel seit Jahren kein Wecker mehr zum aufstehen. Nein, man kann die Innere Uhr nicht auf 6:00 Uhr stellen, aber man kann vor dem Schlafen gehen auf irgend eine Uhr schauen und sagen, ok, 4h zum schlafen. Ich wache dann jeweils ein paar Minuten vorher auf. Am Tag mach ich das genau so. Wenn ich ein Termin habe sage ich mir ok, in zweieinhalb Stunden muss ich los. ein paar Minuten vor dem Termin fühle ich dann in mir, dass ich los sollte. Das funktioniert selbst dann wenn ich total beschäftigt mit etwas bin.

Viele Menschen haben meiner Auffassung nach eine komische Auffassung von einem guten Zeitmanagement. Un unserer Gesellschaft ist es sehr angesehen, wenn man einen durchgetakteten Alltag hat. Stress ist sogar zu einem Statussymbol geworden. Aber den meisten fehlt dabei dann doch nicht die Zeit um jemandem noch zu erzählen welche wichtigen Termine heute noch anstehen.

Kluges Zeitmanagement hat nichts mit dem durchtackten des Tages zu tun, sondern mit dem bewahren möglichst vieler Freiräume. Wenn man die Termine mal genau unter die Lupe nimmt, wird man feststellen, dass viele eigentlich gar nicht Zeitlich festgelegt werden müssten.

Ok, ein Beispiel aus der Praxis. Steffen Prey und ich planen gerade einen Podcast/Stream. Wir sind beide gut beschäftigt. Er ist selbständig im Bereich Journalismus und IT-Suppurt. Ich habe Vefko und den Sport. Wir machen unsere Besprechungen jeweils per IT Telefonat. Einige würden sich für die online Sitzung vermutlich erst mal einen Termin suchen. Wir machen das einfach spontan. Und das funktioniert sehr gut. Den Stream können wir dann aber nicht spontan machen. den müssen wir planen.

Ich bin mir schon bewusst, dass ich mit Home Office ein Paradies habe, was Spontanität angeht. Aber mir ist das eben sehr wichtig. Denn die vielen Freiräume bieten Chancen, Zeit zu haben wenn es wichtig ist. Wie viele Chancen werden täglich verpasst, nur weil Leute in dem Augenblick gerade keine Zeit zu glauben haben?

Die Uhr am Handgelenk ist für mich so eine Symbolik für das Durchgetaktete Leben, in der man ständig auf die Sekunde genau wissen muss, wie spät es ist. Eine Krankheit unserer Gesellschaft meiner Meinung und daher spiele ich das Spiel nicht mit.

Der verrückte Tag!

Gestern war echt ein verrückter Tag. Er begann mit einem Skype Gespräch mit Steffen Prey aus dem Norden Deutschlands. Steffen ist selbständiger Journalist und IT Berater und wir haben die selbe Behinderung. Nicht nur das, wir haben auch in vielen Bereichen sehr ähnliche Einstellungen. Uns war relativ schnell klar, dass wir etwas zusammen machen müssen. Wir planen nun einen gemeinsamen Live Stram zu verschiedenen Themen. Wir werden diese natürlich im Voraus ankündigen, damit ihr auch dabei sein könnt.

Dann ging es für mich ins Training nach Zürich. Dieses war leider unterirdisch schlecht. Nach dem Training war die Koordination so schlecht, dass ich aufgrund der Langsamkeit sogar meinen Zug verpasste. An manchen Tagen bereue ich meine experimentellen Trainings wirklich. Doch auch das gehört dazu.

Als ich dann endlich auf dem Heimweg war und ich eigentlich nichts mehr erwartete, kam plötzlich eine Mail rein. Vermutlich haben alle etwas geschmunzelt, als ich die „Stellenanzeige“ für die Vefko vor ein paar Tagen veröffentlichte. Wer sollte sich schon auf eine Stellenanzeige melden, die bei der es erst mal nichts zu holen gibt!

Ganz ehrlich, ich hatte selbst wenig Hoffnungen, dass sich wer meldet, Die Anzeige war ein paar Tage online und richtig promoted wurde sie erst am Montag abend. Keine 24 Stunden später meldete sich bereits jemand! Ich konnte es kaum glauben. Es gibt sie also noch, die Menschen die bereit sind, erst zu investieren um dann voran zu kommen.

Der Tag war dadurch trotz katastrophen Training gerettet. Etwas was vielleicht auch zeigt, dass bei mir der Sport nicht mehr ganz den Stellenwert hat wie früher. Die Vefko wächst, und damit sind plötzlich Sachen möglich, die früher nicht denkbar gewesen wären. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit den vielen, etwas speziellen Leuten.

Krasse Nebenwirkungen

Heute musste ich zum ersten mal seit langem jemanden um Hilfe bitten, um mein täglicher Einkauf zu erledigen. Es ging einfach nicht anders! Wir werden gerade eingeschneit, der Boden ist rutschig, und ich bin extrem schlecht zu Fuss. Dabei sollte ich in zwei Wochen fit sein, um über 60m Indoor anzutreten.

Ich bin gerade im offenen Schlagabtausch mit meiner Behinderung und ihr habt keine Ahnung wie krass das ist. Ich arbeite an der Koordination und was da passiert, ist gerade schwer zu beschreiben. Die Trainings selbst sind noch ok, doch nach den Trainings beginnt der Horror. Letzten Donnerstag bin ich auf meinem Weg vom Trainingsort zum Zürcher Hauptbahnhof mindestens acht mal umgeflogen. Heute hätte ich ohne Hilfe nicht mehr einkaufen können.

Nach den Trainings geht jeweils nichts mehr. Es ist, als ob mein Körper nicht mehr weiss, wie er gehen soll. Manchmal habe ich das Gefühl, „Wow, jetzt geht’s aber gut“, und in der nächsten Sekunde liege ich. Ich versuche mich irgendwie „Alltagstauglich“ (sofern man das so nennen kann) zu halten. Ich wusste, dass der Kampf hart wird, aber so hätte ich mir das nicht vorgestellt.

Trotzdem sehe ich die Indoor Saison nicht in Gefahr! Ich liebäugle sogar mit dem Letzigrund Meeting das in einer Woche stattfindet. Ich hab endlich eine Übung gefunden, mit der ich die Muskelkoppelung entkoppeln kann. Ich glaube, ich könnte es bis nächsten Samstag hinkriegen, dass ich die Muskelkoppelung zumindest für 60m still legen kann. Ich gehe zwar nicht davon aus, dass die Muskeln dann auf anhieb das Richtige machen, aber zumindest sprinten könnte ich dann. Was dabei zeitlich raus kommt hab ich keine Ahnung. Ich kann nur sagen, es fühlt sich gut an, wenn die Muskeln mal unabhängig was tun.

Der Kampf mit der Behinderung läuft momentan in voller Härte und manchmal frage ich mich, was ich da tue. Doch spätestens wenn ich den Sinn hinterfrage, kommt ein riesiges

No Excuse!

Es kommen all die Kommentare, und all die Hopp Rufe, und ich denke, los, weiter, irgendwann bist es du der, der die Hände in die Luft reisst. DANKE FÜR ALLE DIE HINTER MIR STEHEN, WIE EINE MAUER. Genau das brauche ich momentan. Man sieht sich auf dem Platz!

Die Änderungen im Laufstil scheinen zu bleiben

Vor etwas mehr als einem Monat habe ich über Änderungen in meinem Laufstil geschrieben. In diesem Blog habe ich damals über den Trainingsstand und über die damit verbundenen Probleme berichtet. Damals schrieb ich auch, dass der Körper dauernd neue Impulse braucht, damit er nicht einfach wieder in das alte Muster zurückfällt.

Genau das scheint jetzt nicht mehr der Fall zu sein. Denn obschon ich über die Festtage keine Impulse setzte, scheint der Körper an dem neuen Laufstil festzuhalten. Einige werden sich nun fragen, wie es dann mit den unschönen Begleiterscheinungen aussieht.

Eine Zeit lang waren diese wirklich schlimm. So schlimm, dass sie den Alltag wirklich negativ beeinflussten. Ich musste ständig aufpassen, dass ich nicht hinflog und manchmal liessen sich Stürze auch gar nicht vermeiden. Doch momentan geht es langsam aufwärts. Die Muskelkoppelung ist zwar noch vorhanden, aber sie schwächt sich ab. Nun heisst es an den neuen Bewegungsmuster arbeiten.

Meine Gangart sieht momentan schlechter aus als früher. Das hängt vor allem damit zusammen das ich gewisse Kompensationsmethoden aufgegeben habe obschon die neuen Bewegungsmuster noch nicht bereit sind. Zwar versucht mein Körper immer wieder mal, neue Muster anzuwenden, meist geht der Schuss aber nach hinten los, da die Muskelkoppelung alles zerstört. Wenn das mal nicht der Fall ist, lässt sich im Ansatz erahnen welche Energien hier freigesetzt werden könnten.

Die Tatsache, dass mein Körper nun tatsächlich bereit ist, neue Muster zu lernen und die kurzen Lichtblicke, wenn es mal zwei drei Schritte besser klappt, lassen mich hoffen. Schnelle Erfolge erwarte ich allerdings keine. Alles in allem bin ich aber optimistischer denn je, dass die Behinderung nicht einfach in Stein gemeisselt ist. Ich glaube sogar, dass mein Sieben Jahres Ziel aufgehen könnte, und ich in der Saison 2025 normal gehen kann. Und selbst wenn das nicht ganz so sein sollte, dann glaube ich doch noch an grosse Fortschritte.

Ja, das Ziel normal gehen habe ich mir schon mindestens sieben mal gesteckt, und bin kläglich gescheitert. Doch der Unterschied zu früher ist, dass ich ganz andere Waffen in der Hand habe. Ich habe endlich Trainingsmethoden gefunden die wirken! Ich habe in den letzten Jahren viel Zeit investiert, meine Behinderung zu verstehen. Es lassen sich eben nicht alle Ziele auf biegen und brechen durchsetzen.

Der Weg dorthin ist leider sehr hart und man muss offenbar auch herbe temporäre Rückschläge einstecken können. Das ist besonders übel, weil sie meist auch den Alltag betreffen. Der Frontalangriff auf die Behinderung wird im neuen Jahr sogar noch forciert. Und die Opferbereitschaft meinerseits ist hoch. Neben dem „Grab der Stützräder“ und dem „Grab des Lymphdrüsenkrebs“ ist noch ein Platz frei. Der ist für dich bestimmt liebe Behinderung! Geniesse deine Triumpfe noch solange sie noch da sind!!!