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Q & A: Behinderung

Ist es nicht hart, Behindert zu sein?

Gegenfrage: „Ist es nicht hart zu leben?“ Ich glaube, das hat sehr viel mit Einstellung zu tun. Es kommt nicht so sehr darauf an, was man hat, sondern was man daraus macht!. Klar hat man als Behinderter ein paar Herausforderungen mehr. Aber ich hab früh gelernt, dass man sich mit Selbstmitleid nur das Leben erschwert. Klar gibt es Tage an denen ich kämpfen muss. Aber hat das nicht jeder Mensch?

Warum hast du keinen Rollstuhl oder Hilfsmittel?

Lange war das für mich überhaupt kein Thema. Denn zu meiner Spitzensport Zeit war ich so fit, dass für mich Gehen kein Problem war. Jetzt nach Ende der Sportkarriere hat mein Radius ziemlich abgenommen. Da habe ich tatsächlich mal über Hilfsmittel nachgedacht. Das Problem ist halt, wenn Hilfsmittel nicht nur helfen sondern auch im Wege stehen. Mit Krücken oder auch Walking Stöcken kann man zum Beispiel nichts mehr in der Hand tragen. Und den öffentlichen Verkehr mit dem Rollstuhl zu nutzen macht auch nicht so viel Spass. Obschon die Schweiz in dem Bereich in den letzten Jahren extrem viel unternommen hat.

Ein Rollstuhl wäre vielleicht praktisch an einer Veranstaltung, Aber für den Weg dort hin ist er ein Hinderniss. Ich werde vermutlich eher im Sommer meine Kondition wieder ein bisschen aufbauen, als auf Hilfsmittel zurückgreifen. Das bringt mir mehr.

Hast du Therapien?

Nein, hab ich nicht. Ich hab mit 17 aufgehört mit Physiotherapie. Danach war Sport meine Therapie über viele Jahren. Aktuell mache ich sogar gar nichts und das seit acht Monaten und ich kann keine Verschlechterung feststellen (mal abgesehen von der Kondition). Es ist auch so, dass ich meinen Körper sehr gut kenne und selbst bei Rückschritten wüsste ich genau wie reagieren. Eine Physio wäre da nicht wirklich eine Hilfe.

Hast du Schmerzen?

Teilweise ja. Mein linkes Knie ist so der Hauptproblempunkt. Es ist halt durch die Gangart stark belastet und hat auch die eine oder andere Sportverletzung abbekommen. Aber die Schmerzen sind meist nicht schlimm und je nach Gangart auch gar nicht vorhanden.

Wenn man sich vor Augen führt, dass mich die Ärzte mit 20 Jahren im Rollstuhl sahen, kann ich mit ein bisschen Schmerzen hin und wieder gut leben, Ich meine, ich laufe jetzt schon doppelt so lange wie damals prophezeit.

Wo merkst du deine Behinderung am meisten?

Natürlich am kleineren Radius den ich gehen kann. (wobei ich den mit ein bisschen Konditionstraining sofort erweitern kann) Alle Betätigungen die grosses Gleichgewicht erfordern. Ebenfalls sehr mühsam für mich ist es am Platz zu stehen. Zum Beispiel Stehen in einer dichten Menschenmenge ist ein komplettes no Go. Da mein Gleichgewicht fast nur über die Augen funktioniert, brauche ich eine sichtbaren Horizont, den ich als Referenzwert nehmen kann. Dieser ist in einer Menschenmasse aber nicht vorhanden. In einer Wartschlange stehen ohne mich irgendwo halten zu können ist auch sehr schwierig für mich. Allerdings bin ich auch sehr geübt im Objekte zu finden, an denen ich mich halten kann 😉

Hast du Medikamente?

Nein, habe ich nicht.

Wohnst du in der eigenen Wohnung?

Ja, ich wohle alleine und das ist mir wichtig. Ich habe ein mal in der Woche Unterstützung für den Haushalt. das wars. Meine eigenen vier Wände sind mir und waren mir schon immer wichtig. Ich bin auch schon relativ früh ausgezogen. Mit knapp 20 Jahren war ich vom Elternhaus weg. Ich brauche meine eigene Wohnung als Rückzugsort.

Erlebst du Diskriminierung, und wenn ja, wie gehst du damit um?

Es kommt halt sehr darauf an, was man als Diskriminierung empfindet. Gewisse empfinden schon das nachschauen als eine Diskriminierung. Sachen wie Nachschauen sind mir komplett egal. Mir fällt das schon gar nicht mehr auf. Auch mit der Frage: „Was ich habe“ kann ich gut umgehen. Klar es nervt manchmal, wenn man die Frage bereits sechs mal an einem Tag gehört hat. Aber gute Aufklärung ist nun mal die Basis für eine tolerante Gesellschaft.

Viele Äusserungen die man als Diskriminierend empfinden könnte, sind gar nicht so gemeint. Wenn ich zum Beispiel an einem Fest bin, auf dem viel getrunken wird, werde ich oft mit einer Bierleiche verwechselt (obschon ich generell kein Alkohol trinke). Das kann ich den Leuten halt nicht übel nehmen, weil meine Gangart halt wirklich so aussieht. Auch das Nachschauen ist eigentlich nie böse gemeint, sondern immer eher eine Neugierde.

Willentlich bösartige Diskriminierung höre ich ganz ganz selten. Und das sind dann meistens Menschen die ohnehin auf Provokation aus sind. Auf dessen Niveau lasse ich mich in der Regel nicht herab. Mich zu beleidigen ist generell schwierig und mit der Behinderung kann man mich heute kaum noch verletzen.

Als Kind und Jugendlicher war das noch anders. Wenn mich da mal ein Kommentar verletzte, wog ich ab. Das ist jetzt eine Person die nicht freundlich war zu mir… und wie viele waren heute nett zu mir? Die Zahl der netten Kommentare oder gar der Bewunderer war immer höher als die negativen. Das half mir.

Wünschst du dir manchmal die Behinderung weg?

Als Jugendlicher hatte ich diese Phasen manchmal. Heute wünsche ich mir manchmal noch ein normales Leben. Aber ganz ehrlich, wäre ich auch nur eine Woche auf dem 0815 Weg, würde ich meinen jetzigen wieder vermissen. Und meinen Weg den ich einschlug habe ich vermutlich zu einem Grossteil meiner Behinderung zu verdanken. Mit 20 Jahren lass ich einige Motivationsbücher. In einem stand, dass einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren ist, sich von der Masse abzuheben. Ich sagte zu mir: „Hey cool, das brauch ich gar nicht mehr zu machen. Durch meine Behinderung bin ich bereits speziell… Lass uns das nutzen.“

Rückblickend ist mir das gar nicht so schlecht gelungen 😉 Ihr seht, eine Behinderung kann auch Vorteile haben.

#FragRaphi Bist du noch bei OpenOffice?

Immer wieder erreicht mich diese Frage und hier ist die Antwort. Nein, ich zähle nicht mehr zu der aktiven Community von Apache Open Office. Einige wundern sich vielleicht, weshalb ich mich nicht mehr am Projekt beteilige.

Als ich Ende 2005 im OpenOffice.org Projekt startete suchte ich vor allem eines, eine Herausforderung. Ich war damals noch relativ frisch in der Software Entwicklung, und war auf der Suche nach einem Projekt wo ich wachsen konnte. OpenOffice.org war damals genau das richtige für mich. Es war gross, hatte gute Leute im Hintergrund, von denen man viel lernen konnte, und es gab viele Betätigungsfelder. Zum lernen und Erfahrungen sammeln ein idealer Platz.

Aber die wenigsten Menschen sind bereit, eine Software über lange Zeit zu entwickeln, ohne selbst was davon zu haben, So auch ich nicht. Das Problem von Desktop Open Source Software ist, das meist viel zu wenig Geld in die Entwicklung der Programme fliest. Zu den besten Zeiten konnte man sehr wohl von OpenOffice.org leben, aber eben nur mit arbeiten im Umfeld. (Migrationen für Unternehmen, Makros und Extensions schreiben, Schulungen geben usw.). Wer für das Kernprogramm bezahlt entwickeln wollte, musste schon bei einem der grossen Supporter (SUN, Novell, RedHat oder IBM) angestellt sein.

Auch der Wechsel zur Apache Software Foundation brachte hier wenig Verbesserung. Apache OpenOffice hat zwar viele Anwender, aber die meisten nutzen es nur weil es kostenlos ist. Auch bei Firmen und Verwaltungen war einer der Kernkriterien immer, die Lizenzkosten einsparen zu können. Den Willen in das Programm zu investieren ist eigentlich gleich null.

Im 20017 entschied ich mich, in Zukunft mehr auf bezahlte Arbeit fokussiert zu sein. Im Ramen dessen arbeitete ich auch ein Konzept aus, das mit OpenOffice zu tun hatte. Letzten Endes unterlag dieses Konzept aber dem Vefko Projekt, und wurde eingestellt. Seither bin ich kaum noch in der Community aktiv. Die letzte Aufgabe, die Betreuung der Apache OpenOffice Facebook Fan Page habe ich erst letzthin abgegeben.

Das Ende meiner Beteiligung an Apache OpenOffice ist aber nicht das Ende meiner Beteiligung an Open Source. Ich war nicht einfach nur aus Spass an der ApacheCon Europe. Aber der Fokus wird sicher mehr auf Bezahlarbeit liegen.

An dieser Stelle möchte ich mich noch mal bei der Community für die vielen schönen Jahren bedanken. Ich hoffe, damit die Frage beantwortet zu haben.

Frag Raphael 3 – Wo hast du so gut Englisch gelernt?

Es ist wieder mal Zeit für eine Fragestunde mit mir. Hier meine Favoriten.

Bist du eigentlich noch bei OpenOffice?
Dem Apache OpenOffice Projekt gehöre ich noch an, bin aber seit bald einem Jahr inaktiv. Überhaupt bin ich momentan nicht aktiv in der Open Source Scene. Das kann sich natürlich wieder ändern, aktuell steht allerdings das Vefko Projekt im Mittelpunkt. Daher habe ich keine Zeit für Open Source.

Woher nimmst du eigentlich die Motivation für das tägliche Training?
Im unterschied zu vielen, kann ich es mir schlicht nicht erlauben aufzuhören. Denn das würde auf meine Behinderung schlagen. Ausserdem gibt es immer noch ein grosser Kreis der mich bewundert und die mich auch immer wieder motivieren. Zudem habe ich Trainingsbedingungen, von denen die meisten nur träumen können. Und als alter Routinier gibt man ohnehin nicht so schnell auf. Wenn ich mal spezielle Motivation brauche, mache ich ein Training oder ein Wettkampf für jemand, dem es nicht so gut geht (Für eine andere Person kämpfen). Manchmal lass ich mich auch einfach von der Leistung Anderer mitziehen. Dann gibt es auch Tage, da ist das Training eine willkommene Abwechslung zum Alltag am Computer.

Kannst du eigentlich Auto fahren?
Können vielleicht schon, aber ich habe tatsächlich keinen Führerschein. Ich habe ihn allerdings auch nie versucht zu machen. Mir war das mit dem Autofahren nie wichtig. Ich lebe ja in der Schweiz und wie einige wissen, haben wir eines der Besten öffentlichen Verkehrswesen der Welt. In der Schweiz ist der ÖV nicht bloss eine Notlösung wie in vielen anderen Ländern, sondern eine echte Alternative zum individuellen Personenverkehr. Es gibt viele Vorteile beim ÖV. Einer der wichtigsten Gründe für mich ist, dass die Reisezeit nicht verloren ist. Man kann währenddessen Ausruhen, Arbeiten oder was auch immer. Der Zweite Vorteil ist der Preis. Ich Zahle für meine ÖV Flatrate in der Schweiz im Jahr 2500 Franken und mache ungefähr 30’000km. Ein Auto würde bei dieser Kilometerleistung wesentlich teurer kommen. Die Schweiz ist diesbezüglich auch ein Paradies. In einem Anderen Land würde ich vielleicht einen Führerschein machen.

Hat dein Fahrrad ein Motor
NEIN!!! Nur weil heute fast jeder mit Motor fährt, heisst es noch lange nicht, dass ich es auch tue. Um es klar zu stellen, ich habe nichts gegen E-Bikes. Im Alltag ist das ein hoch effizientes Verkehrsmittel. Ich brauche das Fahrrad aber zu weit über 90 Prozent als Trainingsgerät. Ich fahre nicht um voran zu kommen, sondern wegen der körperlichen Betätigung. Da wäre ein Motor nur Selbstbeschiss. Lächerlich wird es allerdings, wenn E-Bike Fahrer vor einem normalen Radfahrer mit ihrer Monstertour, die sie gemacht haben, prahlen. Wenn sie dann tatsächlich noch glauben, sie können bei mir damit Eindruck schinden, fällt dann schon mal nen blöden Spruch.

Wieviel Kilometer hast du dieses Jahr mit dem Fahrrad gemacht?
Ganz ehrlich, ich weiss es nicht so genau. Zwischen 2500 und 3000 km und etwa 20 – 30 tausend Meter Höhendifferenz dürften es gewesen sein.

Woher sprichst du so gut Englisch, und wo hast du es gelernt?
Ich spreche tatsächlich fliessend Englisch. Und ob ihr mir das glaubt oder nicht, ich habe mir das selbst beigebracht. Der Grund dafür waren die Open Source Projekte, die so gut wie immer auf Englisch geführt werden. Erst begann ich Wort für Wort mit dem Google Translater zu übersetzen. Da konnte es schon mal vorkommen, dass ich für eine zweizeilige Mail 15 Minuten gebraucht habe, um sie zu verstehen. Allmählich wurde das dann besser. Durch das ständige Lesen habe ich ein Sinn für die Sprache bekommen. Dann habe ich erst mal angefangen englische YouTube Videos zu schauen und zu verstehen. Dann hab ich Sätze nachgesprochen, und so auch die Aussprache gelernt. Es ist also möglich, autodidaktisch eine Sprache zu lernen. Ich muss allerdings sagen, dass mir Sprachen lernen relativ leicht fällt.