Archiv der Kategorie: Behinderung

Sport of Hope – Ein Training dass ich so nicht erwartet habe

Das ist mal wieder ein Blog, der eigentlich vollkommen ungeplant kommt. Denn heute hatte ich ein richtig gutes Training. Genauer gesagt… nicht nur heute… es ist eine klare Tendenz nach oben festzustellen. Nur heute war eben noch eine runde spezieller.

Ich wollte ein paar Runden mit dem Fahrrad drehen. Das Problem dabei, meine eigentliche Runde ist wegen einer Baustelle für etwa drei Monate gesperrt. Also muss ich auf eine andere Route ausweichen, die wesentlich anspruchsvoller ist. Mehr Höhenmeter auf kürzerer Distanz, kurz eine steilere Bergstrecke. Von der Kraft und der Ausdauer her eigentlich kein Problem für mich. Aber mit der Misskoordination, die ich in letzter Zeit hatte, ist das doch eine Herausforderung.

Denn wenn im langsamen Bergauf fahren die Muskeln nur ganz kurz streiken muss ich anhalten, weil ich da ja nicht ein paar Sekunden laufen lassen kann wie auf einer flachen Strasse. So ist die Herausforderung über lange Zeit keine Misskoordination zu haben. Etwas was in letzter Zeit kaum klappte

Ich bin die Runde vier mal gefahren. Die ersten beiden Runden ohne irgendwelche Probleme! bei der dritten Runde gab es zwei mal ein kleines Problem, was ich aber abfangen konnte. Bei der vierten dann musste ich einmal kurz absteigen. Zum Vergleich, vor drei Wochen kam es noch auf meiner flacheren Runde immer wieder zu Absteigern.

Etwas überrascht war ich auch von meiner Kraft und Kondition… die ist nach wie vor da… klar nicht mehr so wie zu top Zeiten, aber da stiess ich überhaupt nicht an die Grenze. Kann sein, dass ich schon bald mal wieder mit leichtem Joggen anfangen kann. Das wird dann eine sehr entscheidende Phase. Denn da wird sich zeigen, ob ich kleine Veränderungen in meiner Gangart vornehmen kann. Ich erwarte eigentlich nicht viel. Ein bisschen mehr die Waden einsetzen, und damit die Schrittlänge zu vergrössern, wäre schon absolut toll. Wenn ich dann noch oben raus etwas mehr ziehen kann, bin ich schon überglücklich.

Doch das ist noch ein weiter Weg. Die Muskeln reagieren zwar im Training nach einer gewissen Aufwärmungszeit schon echt gut, für einen koordinierten Bewegungsablauf braucht es aber noch einiges mehr. Doch hey, es geht aufwärts, und das macht Mut. Also dran bleiben und weiter trainieren!

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Stützradkrimi – Der beste Fan oder noch mehr?

Es ging wieder auf eine Unihockey Saison zu, und ich war wieder an vorderster Front mit dabei, wenn es hiess, mein Team anzufeuern. Ich war definitiv der Fan, der dem Team am nächsten war. Die Spiele verbrachte ich nicht mehr auf der Zuschauerbank sondern unten an der Bande. Nicht dort wo die Spieler waren, denn das wäre ein Reglementverstoss gewesen, dort dürfen nämlich nur die offiziellen Betreuer hin. Meistens Stand ich hinter der Ecke hinter dem Tor. Neben dem dass ich immer wieder kräftig anfeuerte, war ich aber meist auch am Banden richten. Im Unihockey verschieben sich Banden in harten Zweikämpfen oder sie fallen gar auseinander. Jemand muss dann ganz schnell das Problem wieder beheben, damit das Spiel nicht unterbrochen werden muss. Manchmal half ich auch bei den Strafen aus, da musste man die Spieler nach abgelaufener Straffe wieder aufs Feld schicken. Ich machte mich halt nützlich wo ich konnte.

Immer öfter tauchte ich auch in den Trainings der ersten Mannschaft auf. Auch da half ich immer wieder. Sei es verschossene Bälle zurück ins Feld zu spielen oder die Bälle einsammeln. Ich war also ein bisschen Balljunge. Im Gegenzug konnte ich den etwa 5 m Breite Streifen neben dem Feld nutzen um Wand ab zu spielen, und so meine Schussfähigkeit zu verbessern. Wenn die Mannschaft mal nur das halbe Spielfeld brauchte (z.B. bei einer Übung), konnte ich sogar auf der anderen Hälfte aufs leere Tor ballern. So lange ich das Training nicht störte war das ok. Und darauf habe ich immer geachtet. Denn ich wollte ja, dass „meine“ Mannschaft gut trainieren konnte. Das schönste war aber sicher, wenn sich mal einer der Spieler Zeit nahm um mit mir ein bisschen zu spielen. Vor allem der eine Schwede forderte mich immer wieder heraus. Da sagte ich natürlich nicht nein, auch wenn der mich meist schwindelig spielte.

Ja, ich war schon ein richtiger Fanboy. Allerdings war es halt nicht die typische Fan Beziehung in der der Spieler den Fan überhaupt nicht kennt. Die Spieler waren sowas wie Freunde für mich aber ich bewunderte sie eben auch. Mir hätte man viel nehmen dürfen, aber nicht mein Einhorn. Für mich war das ein Platz wo ich all meine Probleme draussen lassen konnte. Vor allem war es aber ein Platz wo ich nicht auf meine Behinderung reduziert wurde, und das ist vermutlich das beste was man für einen Behinderten tun kann. Erfordert aber auch von dem Behinderten selbst, dass er sich nicht ständig auf die Behinderung bezieht. Aus der Sicht von damals war ich immer etwas unglücklich, dass ich Einhorn Hünenberg nicht mehr zurückgeben konnte. Doch ich glaube, ich bedeutete den Spieler wesentlich mehr, als mir je bewusst war.

Ich dachte halt, nur weil ich da etwas „Hopp Einhorn“ schreie, bin ich noch lange keine wichtige Person. Natürlich weiss ich bis heute nicht vollends, was ich einzelnen Spielern bedeutet habe, doch spätestens als ich selbst Fans hatte, wusste ich wie krass ich die Wirkung meines Anfeuerns unterschätzte. Auf jeden Fall so viel, dass das Team mal etwas für mich tun wollte (obschon sie das schon dauernd taten, ohne es vielleicht zu merken). Ich hatte unlängst Geburtstag, und es war ein Heimspiel angesagt. Ich war etwas spät dran, das Spiel lief schon fünf Minuten. Ich ging meinen gewohnten Weg, und wurde aber gleich vom Schweden (Er kein Deutsch und ich kein Englisch) abgefangen. Mit Händen und Füssen lotste er mich in die Spieler Garderobe und gab mir ein Original Spielertrikot. Darauf haben alle Spieler unterschrieben. Zurück in der Halle meinte ein Spieler: „Das musst du jetzt aber anziehen. Wir wollten dich eigentlich vor dem Spiel zum besten Fan von Einhorn ehren, aber du warst ja nicht da.“

Ab jetzt hab ich wohl keine Ausreden mehr, ich gehöre zum Team. Denn ausser mir und den Spielern hatte niemand dieses Trikot. Viele Fans würden sich über ein signiertes Trikot freuen, doch für mich hatte das noch eine ganz andere Bedeutung. Mit dem Shirt setzte das Team ein klares Zeichen und sagte: „Du bist einer von uns, und egal was da kommt, wir stehen hinter dir!“ Und wie ernst sie das meinen, erfahrt ihr in der kommenden Folge.

Sport of Hope – Gutes Resultat nach Training

Letzten Freitag ist mir das gelungen, was eigentlich Ziel des Trainings sein sollte. Nach dem Training lief ich sicherer als vor dem Training.

Am Freitag ging nach Zürich ins Training. Eigentlich ein ganz normales Koordinationstraining. Wieder mal den üblichen Versuch, die neuen Muskel anzusteuern ohne das Bewegungsmuster ganz aus der Bahn zu werfen.

Schon beim Hinweg war es nicht schlecht, nicht perfekt aber wesentlich besser als sonst. Im Training versuchte ich dann erst mal, den rechten Kniebeuger rein mit Forced Use anzusprechen. Das klappte nicht. Dann Machte ich Kraftkoordination. Das ist eine Mischung aus Kraft- und Koordinationsübungen. Mir scheint, dass unter Belastung das Neurofeedback oft grösser ist. Deswegen kombiniere ich Koordinationsübungen gerne mal mit Kraftübungen.

Und siehe da, die Ansteuerung funktionierte. Die Koordination war sogar so gut, dass sie für das gewöhnliche Laufen reichte, Toll dieses Gefühl. Der Rückweg ging dann wesentlich besser als sonst. Wenn es so weiter geht, kann ich ja vielleicht bald mit joggen über kurze Distanz anfangen,

Ja, das wollte ich Euch nur schnell mitteilen. Ich bin gerade am Umbau meines Computer Setups und muss jetzt die Ganze Infrastruktur wieder verkabeln. Darüber kommt dann morgen ein Blog.

Sport of Hope – Es geht wieder ganz wenig besser

Ich schulde Euch mal wieder ein Update über meine Mission „Normal laufen.“ Diese Woche war wirklich mal schönes Wetter, und so konnte ich mein Fahrrad startklar machen. Die Trainings darauf taten mir sehr gut. Es ist halt einfach die kontrollierte runde Bewegung die ein Ausgleich schafft.

Dieses Puzzleteil fehlte mir in den letzten Wochen im Trainingsplan. Ich bin froh, es jetzt wieder zu haben. Koordinativ machte ich diese Woche sehr wenig. Da geht’s dann nächste Woche wieder richtig weiter. Alles in allem fühlt sich das Bewegungsmuster zwar immer noch falsch an, aber ich falle zum Glück nicht mehr dauernd hin, und muss mich auch nicht mehr so konzentrieren wie auch schon.

Es ist aber nach wie vor ein weiter Weg, den ich vor mir habe. Denn das lösen nach einer Kontraktion der spastischen Muskeln ist nach wie vor sehr langsam. Ich bin gespannt ob ich das überhaupt hin kriege. Denn schnelle Lösungsimpulse be spastischen Muskeln wäre schon fast das Ende der Spastik selbst. Das wäre dann doch ein ziemlich krasser Erfolg.

Ich rechne zwar damit, dass die Spastik auf Dauer gesehen zurück geht, wenn die Muskeln besser ansteuerbar sind. Weil die nicht Steuerbarkeit der Muskeln und die Spastik hängen irgendwie zusammen.

Und ich bin auf der Suche nach jemand der Elektro Impuls Training macht. Professionell meine ich. Denn von verschiedenen Seiten wurde das an mich Herangetragen, dass ich das doch mal versuchen soll. Falls jemand da eine gute Adresse hat, her damit.


Sport of Hope – Eine zähe Trainingswoche

Ich schulde Euch wieder mal ein Update über meine Trainingsfortschritte. Na ja, Fortschritte ist vielleicht das falsche Wort. Nach dem letzte Woche alles nach Besserungen aussah, war diese Woche wieder der Wurm drin. Das Training am Dienstag war absoluter Horror. Nichts ging mehr. Auch mit Übungen konnte ich die Muskeln nicht überzeugen, einigermassen zusammen zu arbeiten.

Ich hatte dann noch ein Gespräch mit einer meiner beratenden Personen. Interessant war seine Meinung. Ob schon ich das Gefühl hatte, absolut schlecht zu laufen, sah er kaum einen Unterschied zu sonst. Er meinte zu mir: „Koordinativ sei alles ganz normal, so wie ich es von dir kenne, du bist nur etwas unsicher.“ Er meinte dann auch noch, dass das wahrscheinlich zu einem grossen Teil ein mentales Problem sei. Ich bilde mir ein, das unregelmässige Bewegungen kommen müssen, und dann kommen die natürlich auch.

Das Mentale spielt sicher eine Rolle, nur ich sollte das relativ gut handeln können, denn im mentalen Bereich war ich schon immer stark. Was ich komisch finde, dass ich mich vollkommen scheisse fühle, offensichtlich aber keine koordinative Verschlechterungen zu sehen sind. Auf der anderen Seite ist es natürlich auch eine Beruhigung, da ich nun weiss, dass definitiv keine Verschlechterung vorhanden ist. Es stellt sich halt die Frage, weshalb ich mich mit einer Gangart, die ich immer hatte, plötzlich so dermassen unwohl fühle.

Vermutlich werde ich mal wieder Video Analysen machen müssen, wenn es dann besser läuft. Vielleicht bringt das etwas Licht ins Dunkel. Eine These weshalb ich mich momentan so unwohl fühle ist folgende. Das aktive Mitschaffen des einen spastischen Muskel lässt die Spastik stärker durchdringen. Eines der Hauptprobleme der spastischen Muskeln ist, dass Löseimpulse nicht schnell genug umgesetzt werden, oder gar nicht erst gesendet werden. Das nicht loslassen verursacht jedes mal wie ein klemmen im Bewegungsmuster. Früher hatte ich auf diesen spastischen Muskeln einfach eine gewisse Spannung drauf. Das war einfacher für das Hirn, da einen Bewegungsablauf hinzuzaubern. Wenn die Spannung auf Grund mangelnder Mitarbeit variiert, wird das schwer.

Heute habe ich wieder mal mein Fahrrad hervorgenommen, und drehte ein paar Runden. Das ging einigermassen gut. Fahrradfahren hat immer so eine ausgleichende Wirkung, da es mehr oder weniger fest vorgegebene Bewegungen sind.

Mal sehen, wie es nächste Woche läuft. Danke, dass ihr diese Geschichte so aufmerksam verfolgt.

Sport of Hope – Die inspiration von Terry Fox

Ja, man kann mir vorwerfen, dass mein „Sport of Hope“ eine billige Kopie von Terry Fox’s „Marathon of Hope“ ist. Und ja, „Sport of Hope“ ist zweifelsohne inspiriert vom „Marathon of Hope.“ Aber wer ist Terry Fox überhaupt? werden jetzt viele fragen.

Terry wuchs im kanadischen Brithish Columbia auf. Er war ein begeisterter Sportler und galt als Nachwuchstalent. Kurz vor dem 18. Geburtstag bekam er die Diagnose Knochenkrebs. Um überhaupt eine Chance auf Heilung zu haben, musste er sein rechtes Knie amputieren lassen. Ein Horrorszenario für ein angehenden Sportler Ende der 70er Jahre.

Doch noch mehr Horror war die anschliessende Chemotherapie. Er war noch in der Kinderabteilung stationiert, und musste mit ansehen, wie andere Kinder wegstarben. Ihm wurde bewusst wie hoffnungslos der Kampf gegen die Krankheit oft ist und mit welcher Härte der Krebs seine Opfer forderte. Als er die Therapie abgeschlossen hatte, konnte er die Zeit nicht einfach vergessen. Er wollte etwas gegen das Leid unternehmen.

Er vernahm, dass die Kanadische Krebsforschung dringend Geld benötigte. Nach einigen Überlegungen kam er auf die verrückte Idee, quer durch Kanada zu laufen, um 1 Mio Kanadische Dollar für die Krebsforschung zu sammeln.

Nach langer Vorbereitung und harten Trainings startete er am 12. April 1980 in Neufundland sein „Marathon of Hope“ mit dem Ziel nach Hause zu laufen. Sein Freund Doug folge ihm in einem Begleitfahrzeug. Er machte JEDEN EINZELNEN TAG EINEN MARATHON, und das mit einer Prothese und der Prothesentechnik von damals.

Am Anfang nahm er nicht viel ein, doch stieg die Aufmerksamkeit stark an. In Toronto wurde er bereits als Held empfangen. Doch leider kam auch der Krebs zurück, und schlussendlich musste er den Lauf nach über 5000km bei Thunder Bay (Ontario) abbrechen. Diesmal konnte ihn auch die erneut angesetzte Chemotherapie nicht mehr helfen. Am 28. Juni 1981 stirbt Terry im Alter von 22 Jahren im Kreise seiner Familie.

Doch Terrys Traum lebt weiter, bis heute. Jährlich werden seither „Terry Fox Runs“ mit dem Ziel, Geld zu sammeln für die Krebsforschung, ausgeführt. Die Terry Fox Foundation hat bis heute über 600 Mio Kanadische Dollars für die Krebsforschung gesammelt. Viele Medikamente würde es ohne sein engagement nicht geben.

Als ich die Geschichte vernahm, war ich sehr berührt und Motiviert. Sie zeigt, dass das „Unmöglich“ sehr viel weiter weg ist, als wir immer glauben. Terry ist für mich immer wieder eine inspiration und wenn ich mal wieder nicht an meine Ziele glaube, denke ich an ihn. „Ein einzelner Mensch kann nicht bewirken“, was ist diese Aussage für eine Lüge, und eine billige Ausrede für all die jenen, die ihr Finger nicht aus dem Arsch bekommen!

Stützradkrimi – Schockerkenntnis auf dem Basketballplatz

Die Welt war zu diesem Zeitpunkt in Ordnung. Ich hatte Freunde, mein Unihockeyclub, und auch mit der Behinderung hatte ich mich arrangiert. Ich wusste zwar, dass ich diese für immer haben werde, das war aber ok für mich. Ich war mal wieder nach der Schule mit meinem Fahrrad in Richtung Basketballplatz unterwegs. Ich hatte keine Ahnung dass an diesem Tag Sport für mich eine ganz andere Bedeutung bekommt.

Es begann mit einer ganz normalen Szene unter dem Korb, wie sie halt hunderte male passiert. Ich sprang hoch um mir den Rebound zu holen. Für alle die jetzt Basketball nicht kennen, ein Rebound ist der Ball der nach einem missglückten Wurf vom Korb abprallt. Ich bin relativ klein, ausserdem auch nicht der Sprungstärkste. Normalerweise holte ich die Rebounds nicht, und wenn ich es doch mal schaffte machte ich nach der Landung meist Schrittfehler. Doch dieses mal meisterte ich das souverän.

Ich spielte an jenem Abend einfach wesentlich besser. Es war nicht einfach nur eine gute Phase. Irgendwann schrie ein Freund der im Gegenteam spielte halb frustriert, hab begeistert: „Verdammt Raphi, was ist los mit dir! du spielst ja viel besser als sonst!“ Das brauchten sie mir nicht zu sagen, das merkte ich ja selbst. In der Pause sprachen mich die Jungs noch mal an. „Mal im Ernst Raphi, irgendwas ist anders, was ist los?! Vorhin hatten wir einen Zusammenstoss in der Luft, und du spielst einfach weiter, als ob nichts gewesen wäre. Normalerweise fällst du doch da um.“ „Ich glaube, ich habe mehr Gleichgewicht“, meinte ich leise.

Zum ersten mal seit einem Jahrzehnt wurde ich mit dem Thema Fortschritte konfrontiert. Mich traf dieses Thema sehr, da ich eigentlich damit abgeschlossen hatte. Für mich waren Fortschritte immer mit der Intensivtherapie nach Doman verbunden, die meine Eltern im frühen Kindesalter mit mir machten. Aber was hat diesen Fortschritt ausgelöst. Es war Schulferien, und ich hatte keine Physio. Aber ich war jeden Tag sicher drei Stunden am trainieren. Hat der Sport diese Fortschritte ausgelöst?! Bei dem Gedanken lief es mir kalt den Rücken herunter. Erst allmählich wurde mir klar, was da passiert.

Die Wahrheit war, ich machte tonnenweise Fortschritte, ich hab sie einfach nicht erkannt. Ich hatte in den Jugendjahren nur ein Ziel, so nah wie möglich an die Leistung der Nichtbehinderten ranzukommen. Ich war so auf die Leistung der Nichtbehinderten fokussiert, das ich meine Fortschritte schlicht übersah. „Wenn Sport Fortschritte mit sich bringt… was passiert, wenn ich weiter trainiere? Dann müsste die Behinderung ja irgendwann wegtrainiert sein.“ Dieser Gedanke liess mich nicht mehr los. Nicht weil ich unbedingt normal gehen wollte, sondern weil von dem Gedanken für mich eine unglaubliche Kraft ausging. Bis dahin war mein Ziel, irgendwann mal ein internationaler Behindertensportler zu sein. Man hat als Jugendlicher da so Bilder vor sich, wie man an den Paralympics mit dem Trikot der Schweizer Nationalmannschaft in die Arena einläuft. Die Vorstellung vom Empfang am Flughafen, wenn man – als Held gefeiert – wieder Heimischen Boden betritt. Die Autogramme die man geben kann, die Vorbildfunktion die einem zukommt, das sind tolle Gedanken. Aber der Ruhm im Sport ist sehr vergänglich. Die Helden von heute sind morgen schon vergessen.

Und was sind ein paar Goldmedaillen gegen das andere Ziel. Ich meine, ICP gilt als unheilbar. Was würde es für eine Welle nach sich ziehen, wenn ich die Mauer „Unheilbar“ niederreissen könnte. Dieser Gedanke war gerade zu Übermächtig. Das Risiko zu scheitern ist unendlich gross. „Wenn du das nicht versuchst, wirst du das vielleicht dein Leben lang bereuen. Du wärst ein verdammter Feigling“ sagte ich zu mir. „Du musst es versuchen, egal wie bitter, egal wie hart es wird. Du musst es tun, für dich und für die anderen ICP’ler!“ Sagte ich während mir die Tränen runterliefen.

An jenem Abend fällte ich eine Entscheidung meines Lebens. Ich nahm den Kampf mit meiner Behinderung auf. Und genau dieser Kampf ist der Grund, warum ich meine Geschichte in Blogform mache. Denn sie ist noch nicht Abgeschlossen. Heute weht die Schlachtfahne mehr denn je. Diese Geschichte hat erst letztens auf Sport of Hope begonnen.

Netzwerk der vermeintlichen Verlierer wächst!

Findet ihr auch, dass es viel zu viele negative News auf dieser Welt gibt? Deswegen mag ich „Steve Hartman – On the road.“ In diesen Beiträgen bringt der Amerikanische Fernsehsender CBS jeweils immer am Freitag ein Bericht über etwas das gut läuft in dieser Welt. Ja, die Sendung ist sehr amerikanisch, doch es tut einfach gut, zu sehen, dass die Welt nicht so trist ist, wie sie in den Medien oft dargestellt wird.

Die Folgen sind teilweise sehr berührend da sie oft zeigen wie Menschen positiv mit ihrem Schicksal umgehen und damit viel erreichen. Oder es sind Karma Stories, wo Menschen gutes tun und schlussendlich in einer Krisensituation viel mehr zurück bekommen als sie je geben konnten. Alle die Englisch können, empfehle ich die Reihe „Steve Hartman – on the road“ zu Gemüte zu führen.

Eigentlich wollte ich in meinem Blog eine Serie machen, die „on the Road“ kopiert. Ich wollte in dieser Serie fremde Beispiele aus der Schweiz bringen. Ich hätte es „Raphael Bircher – aus dem Zug“ genannt. Doch ich bin kein Journalist und will auch keinen werden. Journalisten sind auf der Zuschauerbank, und ich hasse es, Zuschauer zu sein.

Deswegen fokussierte ich mich auf mein Vefko Projekt. Vor drei Wochen hätte ich noch gesagt, dass aus dem Projekt wohl nichts mehr wird. Nach etlichen Versuchen Leute zu motivieren, sich mal aus ihrem Loch zu kämpfen, hatte ich schon fast aufgegeben. Ich glaubte halt einfach, dass die meisten Leute selbst dann nicht aktiv werden, wenn man ihnen eine Hand reicht.

Oh man, wie falsch war ich mit dieser Einschätzung. Keine Ahnung was gerade passiert, aber seit drei Wochen kommen all die vermeintlichen Verlierer aus dem Boden gekrochen. Und alle wollen sie eins, Teil der Vefko sein. Dabei bieten wir absolut nichts Materielles. Wir sind momentan noch nicht mal in der Lage die CHF 5.– Home Office Spesen für 8h Arbeit zu vergüten. Wir haben in den letzten drei Wochen drei Leute hinzu gewonnen.

Und ich sag Euch eins, das erleben zu dürfen ist schöner als „On the road“ schauen. Denn es ist nicht irgend eine Geschichte die man auf YouTube ansieht. Es ist ein Teil meiner Geschichte. Und das macht diese so speziell.

Raphael bircher – mal nicht aus dem Zug – aus Malans, Schweiz

Sport – Die Probleme halten an und ich halte durch

Ich denke, es ist wieder mal an der Zeit ein kleines Update über meine sportlichen Aktivitäten zu geben. Die Kurzfassung: Es geht noch nicht besser. Ich muss sagen, dass ich mich momentan überwinden muss, überhaupt ins Training zu gehen. Ich fühle mich manchmal auch echt etwas fehl am Platz im Kraftraum. Rund um mich herum foltern sich alle, und ich mach fast nichts, nur ein bisschen Koordination.

Der wahre Kraftakt ist die An- und Rückreise. Denn die Koordinationsprobleme beeinträchtigen vor allem den Alltag. Im Training, wenn ich warm bin, geht es eigentlich. Da schlagen die Koordinationsprobleme nicht so krass zu Buche.

Der Alltag ist nach wie vor stark beeinträchtigt. Zwar brauchte ich in letzter Zeit keine Hilfe mehr zum Einkaufen, aber jeder Fussmarsch ist ein Konzentrationsakt. Es fällt mir auch auf, dass es wie zwei Gänge gibt, einer der funktioniert, und einer der nicht funktioniert. Leider habe ich keine Kontrolle welcher Gang gerade eingelegt wird, und der Körper kann während des Laufens einfach wechseln. Deswegen muss ich immer auf ein sehr schnelles Abfangmanöver vorbereitet sein. Wobei ich das Gefühl habe, dass die funktionierende Gangart nur die alte ist, die ich natürlich nicht anstrebe.

Ich gebe zu, Spass macht das Training im Moment überhaupt nicht. Ich muss mich für jedes Training überwinden. Dennoch halte ich durch, denn es geht nicht um eine Medaille, es geht um mehr! Wenn es tatsächlich möglich sein sollte, ganz tief sitzende Bewegungsmuster grundsätzlich zu ändern, gibt das ganz neue therapeutische Möglichkeiten bei ICP. Dafür ist es mir Wert zu leiden. Ich habe noch einen langen Atem!