Stützradkrimi – Der Entscheid zum Spitzensport

Meine Schulzeit ist zu Ende, doch wie geht es weiter. Diese Frage war bei mir echt nicht einfach. Mein Herz hatte den Entscheid eigentlich schon lange gefasst, ich will Spitzensportler werden! Der Verstand machte mir das allerdings nicht leicht. Der Sport einer Ausbildung vorzuziehen war eine sehr unpopuläre Entscheidung. Ich wusste, dass mir dazu niemand, aber wirklich niemand gratulieren wird.

Doch zu jener Zeit hätte ich in meiner Situation auch nicht so viele Alternativen gehabt. Eine Ausbildung in einer Behinderten Institution hätte für mich bedeutet, den Sport um mindestens 50% zu reduzieren. Das kam für mich halt überhaupt nicht in Frage. Von einer reduzierten Lehre wollten die Organisationen nichts wissen. Ich war ein Typ der immer 100% oder nichts gab. Halbpatzige Sachen mochte ich nicht. So konnte ich mir auch nicht vorstellen, Sport einfach nur so als Hobby nebenbei zu betreiben. Die Wahl war dann entweder eine Lehre, und dann geb ich da Vollgas, oder eben der Sport.

Ich überlegte lange hin und her. Schliesslich sagte ich zu mir: „Sport musst du machen so lange du jung bist. Erfolgreich im Beruf kannst du später noch sein. Ich werde Spitzensportler!

Die Verantwortung lastet auf meinen Schultern

Ich kann mich noch gut an den ersten Sommertrainingstag erinnern. Wobei… Sommertraining war das Falsche Wort. Es war etwa 12°C und schüttete in Strömen. In solchem Wetter zieht man sich meist einen Trainings Pullover und ein paar kurze Hosen an. Genau das machte ich auch. Als ich die Treppe runter kam meinte meine Mutter: „Wo willst du denn hin?“
Ich: „Trainieren!“
Mutter: „Aber nicht jetzt in dem Wetter, oder, es regnet.“
Ich: „Das sehe ich selbst, glaube mir, ich hätte mir den Start auch etwas anders vorgestellt!“
Meine Mutter erwiess sich wieder mal als keine grosse Unterstützung was den Sport anbelangte, aber das war ich mir ja schon gewohnt. Meine Eltern konnten das Ganze einfach nicht nachvollziehen

Egal, ich biss in den sauren Apfel, und stürzte mich in den strömenden Regen. Nach 200m komplett durchnässte Kleidung. Doch nach 400m ist das egal, dann kommt nämlich die Körperwärme. Es ist zwar nass, aber nicht kalt. Das Wasser stand auf der Strasse, als plötzlich ein Auto neben mir hielt. „Hey Raphi, willst du mitfahren“ „Danke, ich bin grade am trainieren“, antwortete ich.

Ich war als jugendlicher schon sehr konsequent was das Training angeht, doch jetzt nehme ich es halt verdammt bierernst. Sport ist nicht mehr mein Hobby, es ist meine Berufung. Leistung ist nun nicht mehr etwas das schön ist, wenn man es bringen kann, sondern schlicht eine Pflicht! Ich sah es als meine Verantwortung an, zu zeigen, dass mehr geht als man denkt. Ich wollte ganz nach oben, an die Spitze. Ich war bereit meinen Gegner auseinander zu nehmen. Doch mein wahrer Gegner sah ich noch nicht… ich kannte ihn noch nicht. Vielleicht war es besser so!

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