Wieder mal ein Bericht vom Training

In letzter Zeit hatte ich viel über die Vefko und so weiter erzählt. Doch viele fragen sich, wie es eigentlich mit dem Training läuft. Ja, ich habe es ein paar mal in den Blogs durchschimmern lassen, es gab wenig zu feiern was den Sport anbelangt. Mein Linkes Knie machte Probleme und die Laufkoordination war unterirdisch.

Doch wer mich kennt, weiss, dass ich auch nicht so schnell das Handtuch werfe. Für mich war klar, die Trainings waren falsch und so schraubte ich mal wieder ein bisschen. Die Fahrradtraining machte ich schneller aber kürzer. Lustigerweise tat nach der kürzeren aber doch deutlich intensiveren Belastung das Knie weniger weh. Durch die Höhere Intensität und die gesteigerte Kadenz wollte ich die Koordination verbessern. Das ist mir glaub schon etwas gelungen.

Eigentlich dachte ich, dass ich in der letzten Zeit mehr Rückschritte machte. Und das ist wohl auch das was man nach aussen sieht. Doch das was man sieht entspricht nicht immer der Wahrheit, und oft sind Temporäre Rückschritte sogar unumgänglich um Fortschritte zu erzielen.

Gestern machte ich mal wieder Treppentraining. Das ist eine hervorragende Möglichkeit meine Waden zu aktivieren. Ich habe meine Waden mein Leben lang kaum gebraucht. Ich machte fast alles aus den Oberschenkel. Das ist natürlich falsch, aber da aufgrund meiner CP die Waden nur schlecht ansteuerbar sind, war es wohl die effizienteste Lösung. Die Letzte Saison gelang mir die kleine Sensation, genau diese Waden deutlich besser anzusprechen. Ein bewusster Befehl (Zum Beispiel Fuss runter) dauerte am Anfang im Schnitt 3 Sekunden bis zur Ausführung. Im gestrigen Training schaffte ich nach dem Aufwärmen Reaktionszeiten von 0,5 Sekunden. Das ist schon ordentlich schnell und eine massive Verbesserung.

Das Problem an der Sache, die Ansteuerung funktioniert nur bewusst. Ins Bewegungsmuster ist das ganze noch nicht eingebaut. Möglicherweise versucht aber der Körper genau das zu machen, und provoziert damit all die Probleme die ich aktuell habe. Ich machte heute im Training nämlich eine witzige Entdeckung. Immer wenn ich die Wade anspanne, reagieren auch andere Muskeln auf den Befehl… unter anderem der Kniebieger… das kann eigentlich nur schief gehen oder?

Irgendwie sind die beiden in den Tiefen meines Bewegungsmusters gekoppelt. Warum hab ich noch nicht ganz rausbekommen. Aber diese Koppelung ist jetzt offenbar verhängnisvoll. Immer wenn mein Fuss wegdrücken will, Zieht das rechte Knie an, die Energie geht ins leere, ich sacke ein, und muss das ganze mit dem linken Bein auffangen. Irgendwie nicht verwunderlich, dass dann das linke Knie mit Schmerzen grüsst.

Ich muss also erst mal wieder alte Bewegungsmuster killen um die Neuen überhaupt anwenden zu können. Wenn die Waden allerdings wirklich im Einsatz sind, und sie sich auch nur halbwegs in den Bewegungsablauf einfügen, dürfte ich eine ganz andere Kraftübertragung auf den Boden haben. Das dürfte dann sehr spannend werden, wie sich das in der Halle über die 60m Sprint auswirkt.

Motorisch gesehen ist das alles höchst spannend, was da abgeht. Nur schon dass es möglich ist, mit 38 noch mal Änderungen an so etwas fundamentalem wie den Bewegungsmustern vorzunehmen, finde ich krass. Die Begleiterscheinungen sind unschön, doch für das Ziel „Normal gehen“ nehme ich auch temporäre Rückschritte in den Kauf. Denn dieses Ziel ist es Wert zu leiden!

Und alle die es gerade auch nicht so leicht haben, Fahne hoch, und auf in die Schlacht… denn genau wenn es nicht läuft, muss man Flagge zeigen!

Über rbircher

1980 geboren, körperlich behindert, Programmieren, Sportler und Initiator. Nach einer 20 jährigen, sehr intensiven Sportkarriere habe ich nun mit Vefko.ch mein eigenes Startup und auch die sportliche Reise geht weiter... wenn auch nicht ganz so intensiv.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Behinderung, Motivation, Sport abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.