Stützradkrimi – Als Unihockey das Matten Schulhaus überfiel

Huch, das war ja eine Resonanz auf den ersten Teil. Danke viel mal dafür und viel Spass beim zweiten Teil.

Das Schulhaus in dem ich zur Schule ging war ein kleines Landschulhaus. Mit Kindergarten waren wir vielleicht 50 Kinder – also sehr überschaubar. Ursprünglich ging ich dort zur Schule, weil die einen Halbtags Kindergarten hatten. So konnte ich am Nachmittag noch Therapie machen. Man hat mich dann dort behalten, weil ich so gut aufgenommen wurde. In dem Schulhaus war die Welt noch in Ordnung. Doch schon bald sollte diese kleine heile Welt von einem sehr ansteckenden Virus heimgesucht werden.

Das „Virus“ befiel vor allem Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene und grassierte vor allem in Schweden, Finnland, Norwegen und der Schweiz. Die rede ist von Unihockey, einer noch jungen Hockeysportart. International wird Floorball als Begriff verwendet. In Skandinavien wird das schnelle Ballspiel seit den späten Siebzigern gespielt, die Schweiz wird Mitte der Achtziger erobert. Die Sportart löst einer der grössten Booms in der Schweizer Sportgeschichte aus. Innerhalb weniger Jahren entstehen über 400 Sportclubs und der Verband wächst auf 20’000 Lizenzierte Spieler. Die Geschichte von Unihockey ist wirklich bemerkenswert. Es war wirklich wie eine Krankheit, wer infiziert war, wurde es nicht so einfach wieder los. Mehr noch, Unihockey prägte viele Menschen, darunter auch mich.

Das alles wussten wir damals noch nicht. Es waren einfach plötzlich so komische Plastikschläger und so ein komischer gelochter Ball da. Wo her die kamen, und dass sie zu einer Sportart gehörten wussten wir nicht. Für uns war es erst mal nur ein Pausenplatz Spiel. Doch die Schläger nahmen das Matten Schulhaus fest ein ihren Bann. Schon bald machte das ganze Schulhaus nichts mehr anderes als Unihockey spielen. Alle Spielten es… ausser ich.

Ich traute mir das nämlich nicht zu. Das war eines der ersten mal an das ich mich erinnern kann, wo ich mir auf Grund der Behinderung etwas nicht zutraute. Bei Fangen, Räuber und Polizei oder Verstecken, überall machte ich mit. Aber hier sah ich irgendwie nicht die Möglichkeit. Das stimmte mich Traurig. Zum ersten Mal fühlte ich mich ausgeschlossen.

Da ich den Heimweg nicht selbst bewältigen konnte, wurde ich jeweils abgeholt. An jenem Tag wurde ich vergessen und so musste ich ein bisschen warten. Mein bester Freund, der übrigens damals Eishockey spielte, war natürlich am Unihockey spielen. Ich war so traurig, dass ich weinen musste. Meine Freunde kamen sofort zu mir und wollten wissen, was ich habe. „Da kann ich ja nicht mitspielen“, meinte ich. „Was du kannst nicht? Du hast es noch gar nicht versucht! Da ein Stock für dich, komm, und spiel mit.“ Das war die Antwort und ich war schnell überredet.

Doch ich hatte mich selbst richtig eingeschätzt. Es war tatsächlich nicht so einfach. Rennen und dann noch einen Ball führen, erfordert eine Menge Koordination. Die hatte ich einfach nur begrenzt. Das sahen auch meine Freunde, und plötzlich kam einem die zündende Idee. „Gehe doch ins Goal“, meinte einer. Und tatsächlich, da ging es besser. Innert Minuten überfiel auch mich das Virus. Ich kämpfte gegen jeden Ball der da aufs Goal kam. Einsatz pur, schrammen egal.

Ich war gerade so richtig in Fahrt gekommen als ein Auto auf den Schulhausplatz fuhr. Meine Mutter stieg aus und fragte etwas ungläubig: „Was hast du denn da gefunden?“ Ich sehe sie noch heute vor mir stehen. Die richtige Antwort wäre gewesen: „Etwas das mein Leben verändert!“ Aber das wussten wir alle noch nicht, für uns war es ja nur ein Spiel.

Über rbircher

1980 geboren, körperlich behindert, Programmieren, Sportler und Initiator. Nach einer 20 jährigen, sehr intensiven Sportkarriere habe ich nun mit Vefko.ch mein eigenes Startup und auch die sportliche Reise geht weiter... wenn auch nicht ganz so intensiv.
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