Archiv für den Monat: Juni 2016

Vorbereitung für ein entscheidendes Rennen

„Auf Eure Plätze“, Drei mal klatsche ich in die Hände und gehe zum Startpflock, gehe in die Startposition. Dann positioniere ich die Hände genau an der Startlinie. Hebe noch einmal den Kopf und denke „Go Raphi Go“. Dann den blick runter. „Fertig…“, der Startschuss, und die Muskeln beginnen zu arbeiten. Nach den ersten 15 Meter versuche ich zu ziehen. Die Muskeln einsetzen die seit 35 Jahren kaum was taten. Ich achte auf die Arm Bein coordination, sonst. 50.. 60, 70 Meter. Locker bleiben und hoch laufen, auf die Arme achten und schön ziehen 90… 100 Meter, geschafft, ich bin im Ziel!

Immer wieder spiele ich diese Szene mental durch. Im Sport ist vieles Kopfsache. Ich habe ein wichtiger Wettkampf diese Woche. Nein, ich muss keine Limite laufen. Aber diese Woche wird sich zeigen ob ich die Persönliche Bestleistung wieder knacken kann. Eine 25er Zeit traut mir mein Trainer diese Saison noch zu. Das ist drei Sekunden unter meiner jetztigen PB.

Jede Sekunde die ich wettmache geht auf Kosten der Behinderung und genau das will ich. Auch wenn mir das viele nicht glauben, es war ein harter psychologischer Prozess, soweit zu kommen. Bei allen Nachteilen die eine Behinderung hat, sie ist eben doch etwas sehr persönliches, ein Wegbegleiter. Vieles hätte ich ohne sie nie erlebt. Dennoch bin ich nun bereit, auf den grossen Schritt.

Eigentlich rechne ich nicht damit, dass ich schon dieses Jahr normal gehen werde. Aber klare Fortschritte sind sicher möglich. Unter anderem auch in Notwil diese Woche. Und wer weiss vielleicht geschieht ja doch noch ein kleines Wunder.

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Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Einstellung!

Wie geht man als Leistungssportler eigentlich mit schlechtem Wetter um. Schliesslich kann man ja wegen ein paar Regentropfen nicht ein Training ausfallen lassen. Nun, da hat jeder so seine eigene Strategie. Meine Einstellung zu schlechtem Wetter hat sich bei mir nach einer Schlüsselszene grundlegend verändert. Die Geschichte möchte ich Euch heute erzählen.

Herbst 2005, ich hatte Lymphdrüsenkrebs. Doch mir ging es blendend. Die Chemo die ich hatte, bescherte mir keine Nebenwirkungen, ich hatte keine Trainingsausfälle und war voll Leistungsfähig. Die Chemo, die ich alle zwei Wochen erhielt wurde jeweils zwischen zwei Trainings gepackt. Ein Morgen und ein Abendtraining. 12 mal Training die Woche, ich lief an der Grenze des Möglichen.

Ich lag an einem Montag wieder mal in einer Chemo. Meine Stimmung war nicht die beste. Nicht wegen dem Krebs, sondern wegen dem Wetter. Draussen Regnete es wie aus Eimern, und ein Ende war nicht in Sicht. 5 Minuten reichten um durchnässt zu sein. „In diesem scheiss Wetter soll ich nachher Trainieren gehen? DANKE.“

Neben mir lag ein Mann den ich schon von anderen Behandlungen kannte. Er war sonst durchaus optimistisch, doch heute sah er sehr besorgt aus. Als ich ihn darauf ansprach sagte er: „Wissen sie, ich glaube ich schaff das alles nicht.“ Ich war geschockt, der Mann hatte Familie und Kinder. Wir kamen ins Gespräch, sprachen über Ziele und darüber, dass ärztliche Prognosen doch nur dazu da sind, widerlegt zu werden. Der Gesichtsausdruck des Mannes verbesserte sich immer mehr. Ich war etwas früher fertig und so verabschiedete ich mich von ihm: Als er mir die Hand reichte sagte er: „Vielen vielen Dank, sie haben mir die Hoffnung zurückgegeben. Gehen sie nun trainieren und lassen sie sich vom Wetter nicht beeinflussen.

Ganz ehrlich, was haben wir Sportler doch für Luxusproblemchen. Wegen ein paar Regentropfen jammern wir rum. Was soll das?!? Denkt verdammt noch mal dran, während wir uns durch den Regen schlagen, kämpfen andere um ihr Überleben!

Tief nach der PB in Winterthur

Nach der Persönlichen Bestleistung in Winterthur ging es nur noch runter. In Schaffhausen brauchte ich für den 100m 35,33 sec. Das ist rund 6,5 sec mehr als in Winterthur drei Tage zu vor. Montag musste ich das Training abbrechen. Heute war auch kein wirkliches Training möglich. Die Koordination war so schlecht. dass sie mich sogar beim normalen gehen beeinträchtigte.

Schlägt nun die Behinderung zurück? nicht wirklich. Das Phänomen ist mehr als bekannt. Vor Fortschritten geht es erst mal schlechter, da der Körper sich auf neue Bewegungsabläufe einstellt. Falls Fortschritte für dieses Tief verantwortlich sind, dürfte es in Horw spannend werden. Dann könnte es tatsächlich schon wieder eine PB meinerseits geben.

Morgen werde ich noch mal etwas koordinatives Training auf dem Velo machen, um die Neueinstellung der Abläufe etwas zu unterstützen.