Archiv für den Monat: Oktober 2015

Mein Ziel ist, normal zu gehen, was ist deins?

Provokativ prangt dieser Schriftzug auf einer meiner Trainings-T-Shirts. Dass dies weit mehr als ein netter Spruch ist, werde ich euch in den folgenden Monaten beweisen. Am Montag ging ich nach Zürich um erste Vorbereitungen für mein Spezialtraining zu treffen. Normalerweise startet meine Gruppe erst Anfangs November, deshalb rechnete ich eigentlich nicht mit vielen Leuten. Doch weit gefehlt, alle – restlos alle waren da. Das war für mich wie ein Arschtritt. Meine Kollegen machen weniger lang Trainingspause als ich, geht’s noch?!? Die einzig richtige Reaktion war, meine Trainingspause mit sofortiger Wirkung zu beenden. Dass ich mein Geburtstag statt in gemütlicher Runde auf dem Trainingsplatz verbringen werde, ist mir nicht nur scheiss egal, es freut mich sogar richtig! Mein Gegner – die Behinderung – soll kommen, ich mache Hackfleisch aus ihr!!!

Das letzte mal, als ich so viel Angriffslust verspürte stand mir ein Gegner, namens Krebs gegenüber. Er gab sich wirklich mühe, moutierte und hielt mich länger auf Trab als geplant. Aber letzten Endes schaffte er es gerade mal ein paar Trainingspausen zu erzwingen. Trotz der Krankheit war diese Saison eine meiner besten. Eigentlich ein Buch wert.

Doch wer interessiert sich für die Vergangenheit? Geschichte wird heute geschrieben, im hier und jetzt!!! Und nein, ich bin nicht abgehoben. Ich bin mir sehr wohl bewusst, wie winzig die Chance ist, dass ich gegen die Behinderung gewinne. Aber wo wäre die Welt heute, wenn es nicht immer wieder Menschen gegeben hätte, die neue Wege beschritten haben.

Viele Menschen haben Träume und auch Ziele aber die wenigsten trauen sich dazu zu stehen. Mein Ziel ist normal zu gehen, was ist deins?

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Sport of Hope Projekt 2, finanzielle Unterstützung?

Hallo zusammen

Natürlich werde ich in den vergangenen Tagen oft darauf angesprochen ob meine Tour weitergeht, und wenn nicht, was ich dann tue. Mein zukünftiges Projekt habe ich auf dem Blog ja bereits vorgestellt. Ich habe schon mit vielen Menschen über das Vorhaben gesprochen und fast immer kommt die gleiche Frage. „Hast du irgendwelche Sponsoren und Leute die dich unterstützen.“

Die Antwort ist kurz und bündig: „Nein, Projekt 2 ist finanziell bislang nicht gesichert!“ und ja, ohne finanzielle Unterstützung wird dieses Projekt nicht durchführbar sein. Es ist vielleicht sehr unschweizerisch, ein Projekt zu starten, dessen Finanzierung noch nicht steht, doch ich wollte einfach nicht so lange warten.

Für das kommende Jahr schätze ich die Kosten für den Sport (Reisekosten, Materialkosten, Infrastruktur usw.) auf 5000 CHF. Ich bin schon mehr als glücklich wenn ich das gesponsert bekomme. Wenn mehr Geld zur Verfügung stünde, könnte ich natürlich noch zusätzliche Personen wie Bewegungswissenschaftler, Sporttrainer, Ärzte und Physiotherapeuten zuziehen. Das würde das Projekt bestimmt voranbringen.

Wem anfeuern also zu wenig ist, der kann mich auch finanziell unterstützen, oder helfen finanzielle Unterstützung zu finden. Ich danke Euch allen herzlichst dafür.

Gruss Raphael

Die Tour ist zu Ende, jetzt beginnt eine lange Reise

Hallo zusammen

Mit einer Abschluss Tour über die Bündner Berge schloss ich vor zwei Wochen mein Projekt „Sport of Hope Tour 2015“ ab. Ich gebe zu, viel zu wenig geblogt zu haben. Sorry mal wieder für meine Schreibfaulheit. Mit dem Velo war ich allerdings nicht ganz so faul. die 5000 km habe ich diesen Sommer, und es fehlen mir noch etwa 800 km für mein 100’000 km Jubiläum. Mein Velo hat dann wieder mal einen 10’000er drauf. Bereits das vierte Rad mit dem ich die 10’000er Marke überschreite.

Ich bin stolz auf diese Leistung, aber auch etwas Nachdenklich. Wenn man den Ärzten vor 32 Jahren gesagt hätte, dass dieser kleine Junge mal 100’000 km mit dem Fahrrad fahren wird, hätten sie das wohl für komplett unmöglich gehalten. In meinem Leben war vieles nicht selbstverständlich. Die ersten Worte, die ersten Schritte, das fahren ohne Stützräder. das Unihockey spielen mit Nichtbehinderten, das verletzungslose Comeback mit 34 und nun die Tour. Ich weiss noch, als ich mit zwölf Jahren von der sportlichen Anerkennung träumte. Davon, dass andere mich bewundern, und dass ich Vorbild bin. All dies habe ich erreicht! Ein guter Zeitpunkt um ein Schlussstrich zu ziehen?

Doch da kommt auch die Frage, war ich einfach nur ein Glückspilz, jemand der für den Sport geboren ist. Weshalb hatte ich, trotz meiner offensichtlichen Fehlbelastungen im Sport kaum Ausfälle. Weswegen machte ich in all den Jahren keine Rückschritte, obschon ich seit bald zwei Jahrzehnten keine Therapie mehr mache? Viele andere mit Cerebral Parese kämpfen mit teils massiven Verschlechterungen. Ist das nur Zufall, oder liegt das am Sportlichen Training.

„Sport of Hope“ ist nicht einfach so gewählt, sondern eine ganz konkrete Sache. Ich will wissen, ob man sportliches Training als Waffe gegen die Cerebralparese einsetzen kann. Bis jetzt stand bei mir im Training die Leistung im Vordergrund. Die nächsten zwei Jahre ist für mich der Therapieeffekt der Trainings zentral sein. Noch hab ich Trainingspause, noch stehen die Trainingspläne nicht, doch ihr könnt Gift drauf nehmen, dass es weiter geht. Frontalangriff auf die Behinderung und diesmal schonungslos!!!!